von süss bis ungeniessbar

Die Sache mit den Genen

Ein kleines Menschlein wird geboren, und schon geht die Suche nach dem Erbgut los. „Die Nase hat er ganz vom Papa.“
„Die Lippen sind aber von der Mama.“
„Der schiefe Zeh ist genau wie bei der Oma.“
„Die Form der Ohren hat er vom Opa.“

Im Verlauf der Monate und Jahre können sich diese Ansichten schlagartig wieder ändern. Je nach Betrachter. Dann kommt stattdessen die Sache mit den Talenten. Bei der ersten schönen Zeichnung des heranwachsenden Sprosses geht die Suche nach dem Ursprung los. Bestimmt ist das Künstlerische von der Mama. Sollte der Spross handwerklich begabt sein, streiten sich Papa und Opa darum, von wem er nun dieses Talent hat. Grundsätzlich steht aber eines fest: Alle Eltern sehen in ihrem Kind ganz besondere Talente. Rückblickend – als Mutter von erwachsenen Kindern – finde ich es lustig, wie wir uns damals ausgiebig und oft stundenlang darüber unterhalten konnten, was unsere Kinder besonders gut können. Und bluffen war Pflicht, schliesslich konnte man sich ja nicht lumpen lassen. Weiterlesen

Griesgrämige Gesichter

Wenn es draussen neblig wird, wenn die Tage kürzer werden und die Temperaturen sinken, werden die Gesichter der Menschen meistens ähnlich düster. Griesgrämig – mit den Kapuzen tief in die Stirn gezogen – wird von A nach B marschiert, ohne auch nur den Kopf zu heben. Je düsterer das Wetter, umso düsterer die Stimmung. Eigentlich ist das doch total verkehrt. An Tagen, an welchen unsere Seele besonders viel positive Energie bräuchte, gehen wir mit Gesichtern durch die Welt, als ob es kein Morgen gäbe. Dadurch wird die Laune auch nicht besser, im Gegenteil. Und genau an diesen Tagen funktioniert das Grinse- und Grussspiel besonders gut (dieses Spiel habe ich für mich erfunden und deshalb hat es auch so einen bescheuerten Namen). Weiterlesen

Die berühmte Arschkarte

An manchen Tagen gehört sie mir, die Arschkarte. Und zwar von morgens bis abends. Das fängt schon beim Aufstehen an. Halb verschlafen zur Toilette schleichen und…der Griff zum leeren Toilettenpapierhalter. Toll! So fängt der Tag doch schon mal richtig gut an. Dann halt ohne, was solls. Watschelgang in Richtung Küche zur Kaffeemaschine. Knopf drücken und…Leerlauf. Auf der Anzeige leuchtet „Bohnen füllen“. Klar doch, wird gemacht. Schliesslich tut man fast alles für den geliebten Morgenkaffee. Und es liegt eigentlich auf der Hand, dass anschliessend gleich noch der Wassertank leer ist und der Trester geleert werden muss. Wie könnte es auch anders sein? Wenn schon Arschkarte, dann aber richtig. Der Kaffee schmeckt anschliessend mindestens genauso gut, wenn nicht sogar noch besser.

Dass ich danach zuerst den Geschirrspüler ausräumen muss, bevor ich mein Frühstücksgeschirr versorgen kann, ist eigentlich logisch. Schliesslich hat der Tag schon so richtig gut angefangen. Nun denn, auch das gehört halt zum Leben dazu. Es gibt schliesslich weit Schlimmeres. Aber nein, es geht ja noch weiter. Unter der Dusche stellt sich heraus, dass das Duschmittel praktisch leer ist und auch mit Schütteln und gutem Zureden sich daran nichts ändert. Ok, dann halt für einmal nur mit Wasser. Früher gab es schliesslich auch kein Duschmittel. Dass aber irgend jemand mein Badetuch von der Stange vor der Dusche in weite Entfernung gelegt hat, finde ich nun wirklich gar nicht witzig. Komischerweise will es NIE jemand aus unserem 4-Personen-Haushalt gewesen sein. Scheint logisch, Badetücher bewegen sich schliesslich immer von alleine. Tropfnass und schlotternd watschle ich also zu meinem Badetuch und trockne mich ab, bevor ich anschliessend merke, dass ich selber auch vergessen habe, den immer noch leeren Toilettenpapierhalter zu füttern. Also im Badetuch die Treppe runter und Toilettenpapier holen. Auf dem Rückweg klingelt es an der Tür. Was nun? Halbnackt die Tür öffnen oder so tun, als ob ich nicht zu Hause wäre. Ich entscheide mich für letzteres, obwohl sich das anschliessend als Fehler herausstellt. Der Postbote hat nämlich einen Abholzettel in den Briefkasten geworfen, mit welchem ich nun das eingeschriebene Paket auf der Post abholen muss, weil ich nicht zu Hause war. Weiterlesen

Schnäppchenjäger

Es gibt Männer, es gibt Frauen, es gibt Kinder und – es gibt Schnäppchenjäger. Dabei handelt es sich um eine komplett eigene Spezies. Früher trat diese nur vereinzelt auf und war deshalb nicht sofort zu erkennen. Heute gibt es ganze Verbände von Schnäppchenjägern, die ohne Zweifel nicht zu meinen Lieblingen gehören.

Diese Spezies zeichnet sich besonders dadurch aus, dass sie bei Prozentzeichen glasige Augen bekommt, bei Sale-Plakaten unter Schnappatmung leidet und quer durchs Land reist, um das günstigste Angebot zu ergattern. Zur Not werden beim Kampf um die Schnäppchen auch die Ellbogen und Krallen ausgefahren und beim Zusehen wünscht man sich, der Boden möge sich öffnen, damit man darin verschwinden kann. Fremdschämen vom Feinsten! Kann mir jemand erklären, wie gross der Schnäppchenwahn sein muss, wenn man zuerst 200 Kilometer fährt, um ein Superangebot zu ergattern? Rechnet sich das wirklich, wenn man die Fahrt und die Zeit mit berücksichtigt? Ich kann mir das schlecht vorstellen. Oder muss ich mir Schnäppchenjagd einfach wie eine neue Sportart vorstellen? So ähnlich wie Schlammcatchen, einfach ohne Schlamm! Weiterlesen

Morgentoilette

Jeder Mensch hat sein eigenes Morgenritual im Badezimmer. Genauso unterschiedlich wie die Menschen sind daher wohl auch Ablauf und Dauer des Rituals. Manche brauchen die Morgendusche, um überhaupt erst wach zu werden. Andere finden es fürchterlich, sich morgens unter die Dusche zu stellen. Die einen fahren sich mit den Händen zwei Mal durchs Haar und damit ist die Frisur gemacht. Andere waschen, föhnen und frisieren bis zum Umfallen, bevor sie das Haus verlassen können. Am meisten fallen die Unterschiede bei der Morgentoilette ins Gewicht, wenn man gemeinsam mit Freunden in Urlaub fährt. Während die einen in fünf Minuten bereit zum Frühstück sind, müssen andere den Wecker eine Stunde vorher stellen, um halbwegs ansprechbar zu sein. Weiterlesen

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