von süss bis ungeniessbar

Wo sind die Machos hin?

Ich bin aufgewachsen im Zeitalter der „starken Männer“. Also, nicht nur, dass die TV-Serie Wickie und die starken Männer das Bild des Mannes in dieser Zeit untermalte – wir wuchsen noch mit dem Bild des muskulösen, bärtigen, rauhen und beschützenden Mannes mit der tiefen Stimme auf. Dazu gehörte auch der Satz: „Richtige Männer weinen nicht!“ In meiner Kindheit war vollkommen normal, dass Mädchen weinen. Jungen aber taten gut daran, dies nicht zu tun. Es sei denn, sie wollten als Schwächlinge, Weicheier oder als schwul abgestempelt werden. Dieses Denkmuster war für mich damals total normal. Heute bin ich entsetzt darüber! Und heute kann ich nur schmunzeln, wie sich mit dem Wandel der Zeit das Bild des Mannes um 180 Grad gedreht hat. Also eigentlich von einem Extrem ins andere. Weiterlesen

Albtraum

Ich gehöre zur den Menschen, die nie traumlos schlafen. Ich weiss gar nicht, wie es sich anfühlt, traumlos schlafen zu können. Ob das normal ist, weiss ich nicht, denn es war immer schon so. Zudem kann ich mich immer an meine Träume erinnern und diese auch detailliert wiedergeben. Natürlich tue ich das nicht immer, denn damit müsste ich täglich meine Mitmenschen mit uninteressanten Geschichten malträtieren. Wer will das schon?

Was ich aber gar nicht mag, sind die anstrengenden Albträume, die mich leider auch regelmässig plagen. Diese fühlen sich meist so real an, dass ich morgens komplett kaputt erwache und mich zuerst buchstäblich selber sortieren muss, um halbwegs in der Spur zu laufen. Dieses Gefühl mag ich gar nicht. In meinen Albträumen kommen zudem immer Menschen vor, die überhaupt nichts miteinander zu tun haben. Keine Ahnung, wie die da rein geraten. Ein Traumanalytiker würde mich wahrscheinlich nach meinen Erzählungen für verrückt erklären. Da geraten Onkel, Freunde, Eltern, Kinder, Angestellte oder flüchtige Bekannte womöglich in ein Flugzeug über dem offenen Meer, schiessen wild um sich, verfolgen mich und überall krabbeln hässliche Getiere aus den Lüftungsgittern. Komischerweise weiss ich während eines solchen Traumes immer, dass ich träume. Als ob ich neben meinem Bett stehen und mir beim Träumen zusehen würde. Aufwachen funktioniert aber trotzdem nicht. Und entspannend schlafen erst recht nicht. Morgens fühle ich mich wie gerädert und frage mich, ob ich überhaupt geschlafen habe. Weiterlesen

Reif für die Insel

Vermutlich kennt jeder das Gefühl, so richtig reif für die Insel zu sein. Für mich bedeutet das, sich müde, überarbeitet, umgeben von zu viel Lärm, überlastet mit Problemen und einfach überfordert zu fühlen. Irgendwann hat irgendwer für den Notausgang aus diesem Teufelskreis ein Bild kreiert, welches sich „Reif für die Insel“ nennt. Vermutlich liebt diese Person die Ruhe und Kraft, die eine Insel haben kann. Und das dazugehörende Wasser! Ich sage zwar in Sresssituationen manchmal auch, dass ich mich reif für die Insel fühle. Aber wirklich meinen tue ich ganz bestimmt keine Insel, denn ich bin eine bekennende Insel- und Meerhasserin!

Meine Insel ist mein Zuhause. Wenn mir draussen alles zuviel wird, wenn mir die Leute auf die Nerven gehen, wenn der Lärm in meinem Kopf widerhallt, wenn die Hektik mich überrollt und die Arbeit mich zu erdrücken droht, dann rette ich mich – nach Hause. Dort ist meine Insel! Mein Strand ist 3.50 lang und 2.50 breit und hat einen kuschligen Bezug mit Animalprint. Im meiner Sprache nennt sich dieser Strand auch Polstergruppe oder Couch. Dort lege ich mein Badetuch aus (Kuscheldecke) und umgebe mich mit Kissen in allen Variationen (das ist mein Sand).

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Anstelle des Rauschens des Meeres lausche ich dem Schnurren meiner Katzen. Anstatt des Geruchs von Salzwasser und Sonnencrème duftet es im Haus nach Vanille von meiner Lieblingsduftkerze und anstelle der Musik aus der Beachbar schalte ich den Fernseher ein.

Meine Insel ist also eingerichtet und ich bin reif. Kuschelalarm im höchsten Grad. Und wehe, das Telefon klingelt. Das wird stur ignoriert. Ich liege jetzt auf meiner ganz privaten Insel zu Hause im Wohnzimmer. Was gibt es Schöneres. Wenn dann noch die Familie um mich herum schwirrt, fühle ich mich so richtig wohl. Der Mann schiebt im Idealfall den Zopfteig fürs Frühstück in den Ofen (welch ein Duft), die Tochter legt sich mit auf die Insel und der Sohn platziert sich daneben und baut sich sein eigenes Kissennest. So sieht für mich das perfekte Timeout im eigenen Zuhause aus! Wozu also Koffer packen, wegfliegen, Reisestress riskieren, wenn man zu Hause die eigene Familieninsel hat? Ok, jedem seine Insel – meine ist für mich perfekt!

Verschiebe nicht auf morgen…

…was Du heute kannst besorgen. Seit Generationen ist dieser Satz präsent und er kommt nie aus der Mode. Als Kind habe ich diesen Satz vor allem dann zu hören bekommen, wenn es sich um Arbeiten gehandelt hat, die mir zuwider waren. Meistens waren das Dinge wie Aufräumen, Abwaschen, Wäsche versorgen oder Meerschweinchen misten. Da war meine vorgezogene Devise immer „Morgen ist auch noch ein Tag“. Tja, meistens hatte ich aber die Rechnung ohne meine Eltern gemacht. Die erledigen nämlich – seit ich denken kann – alles immer unverzüglich. Manchmal sogar so schnell, dass ich das Gefühl habe, einen Satz gar nicht bis zum Schluss sprechen zu können, ohne dass sie nicht schon mit rauchenden Sohlen losrennen, um zu erledigen, wovon ich immer noch spreche. Das Aufwachsen mit derart gewissenhaften Eltern erzeugt ganz schön Druck. Ich lasse nämlich ganz gerne hin und wieder etwas liegen, wenn es mich nicht akut in den Fingern juckt.

Wir haben vor etlichen Jahren unser Einfamilienhaus gebaut. Seither gibt es Stellen in unserem schönen Zuhause, die sich als Dauerprovisorien herausgestellt haben. Dinge halt, die man eigentlich machen müsste, mit denen man aber sehr gut auch leben kann, wenn sie unerledigt bleiben. Und in unserem 4-Personen-Haushalt lebt irgendwie niemand, der den Drang hat, undankbare Aufgaben sofort zu erledigen. Aber man lernt mit den Jahren zum Glück dazu.

Ich habe ziemlich schnell erfahren, dass Waschberge, die sich ins Unendliche türmen, die Arbeit nicht besser machen. Im Gegenteil! Mit zunehmendem Waschberg wächst auch der Frust. Ganz zu schweigen von der Bügelwäsche. Anstatt sich mit dem Bügeleisen die wachsenden Berge immer gleich von Tag zu Tag wegzubügeln, warten die meisten, bis die Arbeit endlos erscheint. Taktisch sehr ungeschickt. Diese Fehler passieren mir nicht mehr, seit sich vor vielen Jahren unser Haushalt mit Kindern vergrössert hat. Ich habe meine fixen Zeiten, an die ich mich stur halte. Da werden solche Arbeiten immer erledigt, egal ob viel oder wenig anfällt. So kann ich mir selber viel Frust ersparen.

Dasselbe gilt für das Bündeln von Zeitungen, das Entsorgen von Petflaschen oder ähnlichen Arbeiten, die sich regelmässig wiederholen. Diese sind viel einfacher zu erledigen, weil sie immer wiederkehren und man weiss, dass man sie letztlich einfach nicht umgehen kann.

Richtig schwierig wird es bei uns eigentlich vor allem bei Arbeiten, die kein unumgängliches MUSS darstellen. Klar müsste der Keller verputzt und gestrichen werden, weil der dann schöner aussehen würde. Aber es lässt sich auch genauso gut ohne diesen Akt leben. Sicher, die Zierrebe, welche die Fassade hochklettert müsste man eigentlich schon lange zurückschneiden. Aber es tut auch nicht weh, wenn das grüne Ding halt weiterklettert. Zugegeben, die Spinnweben am Garagentor sind nicht unbedingt attraktiv, aber solange ich noch untendurch komme, wozu wegmachen?

Ach ja: Dann gibt es noch die Arbeiten, zu welchen ich durch Fremdeinwirkung zum schnellen Handeln gezwungen werde. Tönt schrecklich, ist es auch! Früher habe ich die gebügelte Wäsche oft ewig auf der Kommode gestapelt, bevor ich sie in den jeweiligen Schränken versorgte. Das haben mir unsere Katzen abgewöhnt. Die finden nämlich nichts schöner, als sich einen gemütlichen Schlafplatz auf der frischen Wäsche zurechtzurücken. Zur Not werden die Waschtürmchen umgeschmissen, gleichmässig im Haus verteilt und geschlafen wird dann mit ziemlicher Sicherheit auf der schwarzen Wäsche, weil nirgends sonst die Katzenhaare so schön kleben und zur Geltung kommen. Da nützt auch der stärkste Kleiderroller nichts mehr. Da heisst es dann: Ab zur nächsten Runde in der Waschmaschine. Um diesem Dilemma aus dem Weg zu ergehen, haben unsere vier Katzen mich dazu erzogen, die Wäsche immer sofort wegzuräumen. Eigentlich wären solche Sachen so einfach und logisch, wenn nur das Dolce far niente nicht immer dazwischen käme!

Der fiese Begleiter im Ohr

Tinnitus – eine weit verbreitete Volkskrankheit. Es handelt sich dabei um ein störendes Geräusch im Ohr, welches einen nicht mehr zur Ruhe kommen lässt. Das kann ein Pfeifen, Zischen, Brummen, Summen, Klingeln oder Zirpen sein. Tonlage und Lautstärke sind je nach Mensch verschieden. Sicher ist aber, dass ein Tinnitus zum Dauerbegleiter werden und die Geplagten in den Wahnsinn treiben kann.

Seit einem Autounfall (Schleudertrauma) ist genau ein solches Ohrgeräusch mein Dauerbegleiter. Das fiese Geräusch hat vor Jahren, in einer Sommernacht aus dem Nichts eingesetzt. Es hat eine Weile gedauert, bis ich merkte, dass dieses Geräusch tatsächlich in meinem Ohr ist, denn ich lag im Bett und hörte auf einmal dieses hohe Zirpen im linken Ohr. Mein erster Gedanke: Eine Riesenheuschrecke in meinem Bett! Diese Tiere verirren sich im Sommer des Öfteren in unser Haus. Ich machte also einen Satz aus dem Bett, schüttelte Kissen und Decke aus und sah erst mal gar nichts. Mir schoss durch den Kopf, dass das Vieh womöglich auf meiner Schulter sitzen könnte. Ich traute mich kaum, den Kopf zu drehen. Also machte ich den Heuschrecken-Check im Spiegel. Da war aber gar nichts auf meiner Schulter. Ich verharrte mucksmäuschenstill und lauschte. Das Zirpen war immer noch da. Wo zum Teufel hatte sich dieses Vieh versteckt? Da kam mir die zündende Idee: Giftspray holen und Zimmer einnebeln, das würde dem lärmenden Biest sicher den Garaus machen. Siegessicher düste ich im Pyjama ins untere Stockwerk, wo wir unsere Putz- und Giftmittel lagern. Und da fiel es mir wie Schuppen von den Augen. Ich stand vor dem Regal mit den Spraydosen und merkte, dass das vermeintliche Tier mich begleitet hatte. Das Zirpen im Ohr war immer noch da. Wie konnte das möglich sein? Es war doch sehr unwahrscheinlich, dass das zirpende Tier mich durchs ganze Haus verfolgt hatte. Hatte ich dieses Geräusch womöglich in meinem Körper? Ich steckte mir den Finger ins Ohr, um zu testen, was passiert. Jetzt klang das Zirpen noch lauter, einfach mit einem zusätzlichen Hallen. Weiterlesen

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