von süss bis ungeniessbar

Ab in den Dschungel

„Ich bin ein Star, holt mich hier raus!“

Kennt ihr den Spruch? Als bekennende Dschungelcamp-Zuschauerin kenne ich den Spruch natürlich nur zu gut. Es gibt schliesslich kein Format, bei welchem ekligere Dinge gegessen oder getan werden müssen; bei welchem der Seelenstriptease der Bewohner peinlicher ist; bei welchem man mehr Erfahrungen über Intrigen und Gezicke sammeln kann; bei welchem mehr Geheimnisse an die Öffentlichkeit kommen, die eigentlich keinen wirklich interessieren. Und dabei kann man erst noch genüsslich daheim auf der Coach sitzen und sich darüber amüsieren, wie leicht bekleidete Silikonunfälle oder ziemlich abgehalfterte C-Promis (oder eher Trash-Promis) Dinge tun, von denen man sonst nur aus Albträumen weiss. Wahrscheinlich bin ich genau deshalb immer wie eine Besessene mit dabei. Da werden Grenzen überschritten, die sonst nirgends überschritten würden, und genau das macht das Spektakel für mich so spannend. Wie weit geht wer und wozu ist Mensch in der Lage, wenn es um Geld geht. Weiterlesen

Typisch weiblich?

Vor ein paar Tagen sass ich mit meiner Geschäftskollegin im Zug von Zürich nach Hause. Wir hatten mal wieder das Pech, den halb sechs Uhr Zug nehmen zu müssen. Pech, weil dies der Hauptpendlerzug auf der Strecke von Zürich nach Genf ist. Das bedeutet – kein einziger Platz bleibt frei, auch nicht in der ersten Klasse.

Wir arrangierten uns im Viererabteil am Fenster und verstauten unsere Einkaufstaschen auf, unter und neben unseren Beinen. Ein ziemlicher Taschensalat. Keine zwei Minuten später sassen auch schon zwei Geschäftsmänner neben uns, die dem wohlverdienten Feierabend entgegensahen. Meine Kollegin zückte ihr Smartphone und fing an, ihrem Liebsten zu Hause per SMS mitzuteilen, wann wir am Zielbahnhof sein werden (der Gute holt sie immer ab). Im Tempo einer Schnecke peilte sie jeden Buchstaben auf dem Handydisplay an und ich grinste auf den Stockzähnen. Die Wahrscheinlichkeit, dass wir zu Hause sein würden, bevor das SMS raus ging, war bei diesem Schreibtempo ziemlich hoch. Ich kicherte und sagte: „Geht’s auch etwas schneller oder möchtest Du, dass ich Dir helfe?“ Sie schaute vom Handy auf und zischte mich an: „Halt den Schnabel, ich kann mich nicht aufs Schreiben konzentrieren, wenn Du mit mir sprichst.“ Hallo? Das konnte ich doch so nicht stehen lassen, schliesslich hörten die Herren in unserem Abteil mit. „Wie denn, Du bist eine Frau! Bist Du denn nicht multitaskingfähig? Hallo? Nur Männer können das nicht.“ Ups, jetzt kam aber Schwung ins Abteil. Der Herr neben mir legte seine Zeitung auf die Knie, dreht sich leicht zu mir und meinte:
„Entschuldigen sie mal, aber meine Psychologin hat mir vor kurzem gesagt, dass diese Aussage gar nicht stimmt.“
Wer mich kennt, weiss, dass ich das SO nie und nimmer stehen lassen würde.
„Soso, und wie kommt es dann, dass die Frauen die Kinder gross ziehen, den Haushalt schmeissen, gleichzeitig putzen, ans Telefon rennen, das Kind vor dem heissen Herd retten und rechtzeitig gekocht haben?“
„Das ist nur so, weil man den Männern die Chance dazu nicht gibt.“ Dazu schaute der Typ mich an, als ob sein Dackel gestorben wäre. Und er legte noch nach und meinte:
„Ich finde dieses Thema spannend, wir können uns gerne ein bisschen darüber unterhalten.“ Weiterlesen

Voll lustig!

Wieviele Mütter und Väter von kleinen Kindern gehen davon aus, dass der Nachwuchs automatisch lustig findet, was die Eltern lustig finden. Eigentlich doch alle, oder?

„Schau mal Emma, ein Clown – lustig oder?“ Emma schreit wie am Spiess!

„Guck nur Nils, der Mann macht lustige Tiere aus Luftballons.“ Nils rennt weg und versteckt sich.

„Huch Jonas, guck, der Zauberer zaubert die Mäuse weg!“ Jonas heult und sucht die Mäuse.

Kleine Kinder haben offenbar eine ganz andere Wahrnehmung als wir Erwachsenen. Und genau eine solche Situation hat sich letzthin in der Fussgängerzone der Stadt zugetragen. Vor dem grossen Einkaufszentrum stand einer dieser mit Goldspray eingesprayten Menschen, die regungslos auf einem Podest stehen und sich nur bewegen, wenn man eine Münze in den Hut wirft. Dieser Goldjunge da vor dem Einkaufszentrum machte sogar noch ein Tänzchen und Faxen, wenn das Geld klimpernd im Hut landete. Das nahm eine junge Mutter als Anlass, ihrem Spross im Kinderwagen doch die Freude des Tages zu machen. Sie stellte den Kinderwagen genau vor den goldenen Mann, warf ein paar kleine Geldstücke in den Hut und schaute begeistert ihren Spross im Kinderwagen an. Dessen Begeisterung hielt sich in Grenzen, um nicht zu sagen, er brach in totale Panik aus. Er zappelte wie wild, ruderte mit den Armen, schrie wie am Spiess und drehte sein Gesicht so weg, dass er den goldenen Mann bloss aus seinem Blickwinkel verbannen konnte. Die Mama schien das absolut nicht zu begreifen, so lustig wie sie es doch fand. Weiterlesen

Lebensplan: Grosse Liebe

Ob es die grosse Liebe gibt, oder nicht, darüber lässt sich bekanntlich streiten. Dafür müsste man wohl ohnehin den Begriff grosse Liebe erst analysieren. Denn am Anfang ist fast jede „Liebe“ gross; bis sich dann herausstellt, dass es sich bei den grossen Gefühlen um Verliebtsein handelt. Die Schmetterlinge fliegen dann irgendwie aus dem Bauch wieder raus und Ruhe stellt sich ein. Das ist auch gut so. Dann zählen Werte wie Vertrauen, Heimat, Verstehen, Reden, Zuhören und füreinander da sein. Wer also auf die Schmetterlinge auf Dauer wartet, der wird wohl bis ans Lebensende warten. Die Tatsache ist nunmal so: Irgendwann ist ausgeschmettert! Weiterlesen

Was mich nichts angeht…

…sollte mich auch nicht aufregen. Klingt logisch und total einfach. Ist es aber nicht. Im Gegenteil!

Da fahr ich heute mit meinem Auto zum Bahnhof, parkiere und sehe eine junge Frau auf dem Parkplatz mit einer Zigarette im Mund. Genüsslich zieht sie daran und bläst den Rauch in den Wind. Nicht besonders spektakulär, wäre die Gute nicht mindestens im achten Monat schwanger. Ein kugelrunder Bauch schaut unter dem Mantel hervor und mein Puls schnellt schlagartig in die Höhe. Ich weiss – geht mich nichts an. Aber bitte, geht das nicht unter Körperverletzung? Ich stelle mir den kleinen Menschen da im Bauch vor, wie er vor sich hin hustet und verzweifelt versucht, einen gesunden Schluck Sauerstoff zu bekommen. Keine Chance. Solange Mama raucht, kann sich der Zwerg nicht wehren. Ich finde das eine Sauerei! Weiterlesen

« Ältere Beiträge Neuere Beiträge »

© 2026

Theme von Anders NorénHoch ↑