Viele meiner Blogleser-/innen sind gleichzeitig auch Familienmitglieder, Freunde oder Kundinnen in meinem Geschäft. Für die ist es nicht neu – für alle anderen: Ja, ich schliesse meine beiden Läden in der Ambassadorenstadt Solothurn defintiv im Sommer. Und ja, ich ziehe mich gänzlich aus dem Textilmetier zurück. Nach 10 Jahren ist mir mental die Puste ausgegangen. Die Onlineshopper und die Eurolandhopper haben mir noch den letzten Nerv geraubt. Der Kampf um jeden Kunden wurde täglich härter und die Bedingungen für kleine Geschäfte immer unfairer. Grosse Billiggiganten zwingen kleine Geschäfte in die Knie und jene Idioten, welche sich bei uns nur noch zum Kaffeetrinken sehen liessen, um uns dann zu erzählen, wie günstig sie all die Dinge schon in Konstanz eingekauft hätten – ja genau jene hätten mich irgendwann zur Schlägerin werden lassen. Drum habe ich beschlossen, die Reissleine zu ziehen. Weiterlesen
Ich gehörte als Kind der 60-er Jahre zu jenen, die noch in den Kindergarten gehen durften, um zu spielen, zu toben, das Streiten zu lernen und das Versöhnen zu zelebrieren. Und meine Kinder hatten auch das Glück, dass der Kindergarten noch Spass machen durfte. Zwar waren bei ihnen die Auflagen schon strenger und es wurde bereits mehr erwartet, aber sie durften noch Kind sein. Weiterlesen
Ich bin viel in der Natur unterwegs – Hund sei dank! Und ich habe die Angewohnheit, jede/n zu grüssen, die/der mir begegnet. Das scheint aber nicht mehr üblich zu sein. Ganz im ernst: Ist es so schwierig, den Gruss abzunehmen? Fällt eine Zacke aus der Krone, wenn man zurück grüsst? Und weil ich mir nicht sicher war, ob es an mir liegt, habe ich nun dreimal in verschiedenen Konstellationen den ultimativen Grusstest gemacht.
Mit meinen Nichten und Neffen (5- und 6-jährig) bin ich dem Fluss entlang marschiert und habe mit ihnen vereinbart, dass wir ganz laut alle Leute grüssen, welche uns begegnen. Ja, das war aber ein böses Erwachen. Die Kinder waren ziemlich konsterniert, als sie bewusst realisierten, wieviele erwachsene Menschen ganz einfach NICHTS sagen. Blick zum Boden und so tun, als ob da niemand wäre. Hallo? Den Kindern wird gelehrt, dass man grüsst; die „Alten“ bringen aber den Mund nicht auf.
Das gleiche Spiel habe ich mit Freunden aus Österreich gemacht, welche hier bei uns ein paar Tage zu Besuch waren. Die Österreicher sind ja bekannt für ihre absolute Freundlichkeit. Und sie sind auch genauso Fans der Schweizer/innen. Und beim Waldspaziergang mussten auch sie erfahren, dass die Mehrheit der Leute hier den Gruss nicht abnimmt. Sie waren überrascht, dass die Schweizer so unfreundlich sein können. Also, ich war ehrlich gesagt eher beschämt.
Versuch Nummer drei habe ich mit meinem Göttergatten auf dem Hundespaziergang mit Ellie gemacht. Lauter Gruss und …. NICHTS. Es gab zwar auch welche, die grüssten. Aber die Tatsache, dass es genauso viele gibt, die einfach so tun, als ob sie (bei einem Meter Distanz) einen einfach nicht sehen würden (im Wald!!!), ist schon übel!
Also muss ich festhalten: Test nicht bestanden. Es gibt genauso viele nette, wie unfreundliche Menschen. Und das ist schlecht, sehr schlecht. Denn ein Gruss und ein Lächeln kostet nichts, ist freundlich und kann möglicherweise jemandem den Tag versüssen!
Ich hatte kürzlich eine schriftliche Diskussion mit einer Frau, welche sieben Jahre jünger ist als ich. Es ging dabei um Umgangsformen bei der Ansprache von Menschen auf Facebook. Ich hatte die Frau nämlich auf Facebook geduzt, ohne mir dabei etwas zu denken. Sie hat mich daraufhin via persönliche Mitteilung darauf aufmerksam gemacht, dass sie dies höchstens auf Facebook akzeptieren würde, niemals aber ausserhalb dieses Kreises. Dort würde sie auf das Siezen beharren. Ich war erst mal platt und dann interessiert, denn mir hat noch nie jemand mitgeteilt, dass er oder sie ein Problem mit dem Du hätte. Mal ganz abgesehen davon, dass ich mich – ausser bei älteren Menschen – in der Regel mit dem Vornamen vorstelle, da ich dieses Gesieze nicht besonders mag. Ich empfinde das als mühsam und künstlich. In der englischen Sprache gibt es auch nur eine Form der Ansprache und das finde ich bedeutend angenehmer. Ich weiss nämlich oft auch nicht mehr, mit wem ich nun per Du, und mit wem ich per Sie bin. Und das ist dann oberpeinlich. Die generelle Du-Form würde das ungemein vereinfachen. Inzwischen haben auch etliche Grosskonzerne das generelle Du als Firmenkultur eingeführt – egal ob in der Teppichetage oder in der Produktion. Das nenne ich fortschrittlich!
Ich wollte also dieses „Ich würde gerne beim Sie bleiben“ nicht einfach so stehenlassen und habe natürlich nachgehakt. Aus Interesse – und weil ich das so noch nie gehört habe. Dabei stellte sich heraus, dass sie das nicht gegenseitig vereinbarte Duzen einer Person als nicht kultiviert und ungebildet klassifizierte. Aha! Das wiederum hörte ich auch zum ersten mal. Ich meine: Wir reden hier von einer Diskussion, welche begonnen hat, weil ich sie auf Facebook geduzt hatte. Auf einer Socialmediaplattform der Neuzeit. Für mich absolut klar, dass man sich da duzen darf, aber das ist eben meine Meinung. Und dass das Duzen etwas mit Bildung zu tun hat, das war mir erst recht neu! Da ich mit beinahe allen Personen per Du bin, auch mit den Freunden meiner Kinder, ist diese Umgangsform für mich total normal und weder unanständig noch ungebildet. Zumal ich mich eigentlich selber als gut gebildet bezeichnen würde. Natürlich gibt es Ausnahmen: Kundinnen im Geschäft duze ich bestimmt nicht einfach so. Es gibt aber durchaus solche, die sich mit dem Vornamen vorstellen. Finde ich umso toller. Und entspricht total meinem Naturell.
Nun, die Diskussion hat sich also weitergedreht und es kamen Dinge wie „höherer Status“, „anderer Kulturkreis“, „wertkonservativ“, „unhöflich“ und „Knigge“. Alles schön und gut aber: Wer zum Geier definiert, wer bei Gesprächspartnern einen höheren Status hat? Ist das nicht einfach derjenige mit dem grösseren Ego? Ich mag diese Aussagen nicht, denn sie würden doch bedeuten, dass jene, die sich als etwas Besseres fühlen, sehr wohl die Rangtieferen duzen dürften. Wo leben wir? In welchem Jahrhundert?
Zu guter Letzt habe ich via Messenger einen Link erhalten, welche die Kniggeumgangsformen in Bezug auf das Sie oder Du beleuchet und aufschlüsselt und ich wurde darauf hingewiesen, dies doch in meine Betrachtungsweise miteinzubeziehen. So – und drum stelle ich einmal mehr fest: ICH bin nicht regelkonform und finde solche stockkonservativen Ansätze total für die Katz. Wenn ich jemanden nett finde, finde ich ihn als Du oder als Sie nett. Und wenn ich jemanden dämlich finde, ändert auch die Sie-Form nichts daran. Punkt und Schluss!
Da fahr ich heute im Auto von der Arbeit nach Hause und höre im Radio in den Nachrichten die Tagesmeldung schlechthin. Also, eigentlich dachte ich ja erst, dass es sich dabei um einen schlechten Witz handeln muss, aber ich hab zu Hause sofort die Onlinenews gelesen und: Nein, es ist nur schlecht, aber leider kein Witz…
Folgendes: In der katholischen Kirche gilt der Schwangerschaftsabbruch immer schon als verabscheuungswürdiges Verbrechen. Das weiss vermutlich jeder – für mich ein Grund mehr, diese Religion als total verabscheuungswürdig anzusehen. Und nun kommt die Tagesnachricht…
…Papst Franziskus erlaubt im bevorstehenden heiligen Jahr (2016) seinen Priestern, Abtreibungen zu vergeben. Allerdings tut er dies nur auf Zeit und auch nur, weil 2016 das heilige Jahr ist. Während dieser Zeit dürfen Frauen, welche abgetrieben haben, in der katholischen Kirche um Vergebung für diese Tat bitten. Per Brief hat der Papst weltweit allen Priestern die Vollmacht erteilt, diesen Frauen die Absolution zu erteilen…
Ich muss mich mal kurz sammeln, um nicht zu explodieren. Wie zum Geier kommt dieser Mann und seine fragwürdige Religion darauf, Frauen als „Täterinnen“ zu bezeichnen, die diesen Schritt gemacht haben. Ist es nicht das gute Recht jeder Frau, über sich, ihren Bauch und ihr Leben selber zu entscheiden. Jede Frau hat doch ihren eigenen, sehr persönlichen und bestimmt triftigen Grund, ein Abtreibung machen zu lassen. Man nehme als Beispiel nur schon mal eine Frau, welche vergewaltigt wurde und dadurch plötzlich mit der Belastung einer Schwangerschaft infolge dieser Tat konfrontiert wird. Dann ist diese Frau also eine „Täterin“, wenn sie diese Schwangerschaft abbricht – gemäss katholischer Kirche, wohlverstanden. Und nun darf sie also 2016 um Vergebung bitten für ihre Tat. Aha! Und der Erzeuger? Muss der auch irgendwo um Vergebung bitten, oder ist der gemäss der Kirche sowieso aus dem Schneider? Da kommt mir ja die Galle hoch!
Ich stand zum Glück niemals vor der folgenschweren Entscheidung einer Abtreibung. Ich bin mir aber sicher, dass keine Frau so etwas leichtfertig entscheidet und einen guten Grund dafür hat (oder sogar mehrere gute Gründe). Braucht es da dann wirklich eine katholische Kirche, die nun die Absolution in einem begrenzten Zeithorizont für diese Täterinnen erteilt? Und all die Priester, welche unter dem Deckmantel der Kirche hinter kleinen Jungs her sind oder im vermeintlich geschützten Rahmen sexuelle Übergriffe vornehmen, weil sie ihre unterdrückten Triebe nicht im Griff haben … was ist mit denen? Schreibt der gute Papst da auch einen Brief an alle Priester, dass diese Täter während einer begrenzten Zeit um Vergebung bitten und sich Absolution erhoffen dürfen. Ach ja, und danach dürfen sie sich bei den Opfern entschuldigen, um anschliessend hoffentlich umgehend im Gefängnis zu verschwinden!
Ich bin bei dieser Nachricht beinahe versehentlich auf die Bremsen gestiegen, weil ich mir echt nicht sicher war, ob ich halluziniere, oder ob ein bescheidener Scherz über den Äther kommt. Wie gut, dass ich diesem menschenverachtenden und verlogenen Verein schon lange nicht mehr angehöre. Ich kann nur noch den Kopf schütteln…