von süss bis ungeniessbar

Der dunkle Keller

Ich frage mich, warum das Phänomen des düsteren Kellers sich seit Generationen hartnäckig hält. Oder kennt ihr dieses Phänomen womöglich gar nicht?

In meiner Kindheit war der Keller mein Angstraum im Zuhause. Warum? Keine Ahnung. Ich wurde weder in den Keller gesperrt, noch wurde mir mit dem Keller gedroht. Aber ich kann mich an jede Einzelheit im Keller erinnern und ich weiss, dass ich es gehasst habe, wenn ich im Keller Getränke holen musste. Um mich selber zu beruhigen, habe ich immer laut gepfiffen oder gesungen, wenn ich in den Keller gehen musste. Noch viel schlimmer war es, wenn mich die Mama in den Keller schickte, um Kartoffeln zu holen. Ich bildete mir bei jedem Griff auf den Lattenrost ein, ich würde in eine Spinne greifen. Bekanntlich habe ich nämlich panische Angst vor Spinnen, und diese schwarzen Achtbeiner tummeln sich ja mit Vorliebe im Keller. Weiterlesen

Nur ein Auge, na und?

Hey Leute

Ich darf heute den Blog von der Modepraline benutzen, um meine Geschichte zu erzählen. Das finde ich toll – zumal die Modepraline immer so feine Goodies in der Hosentasche hat … wuff! Jaja, ihr ahnt es: Ich bin kein Zweibeiner. Nein! Ich bin ein Vierbeiner. Genauer gesagt – ein 10-jähriger Jack Russel Terrier. Also, eigentlich bin ich eine Terrierin, oder wie nennt sich die weibliche Form in der Menschensprache? Eine Hündin halt…

Ich höre auf den Namen Moussia und im Tierheim, wo ich derzeit wohne, sagt man, ich sei ein ruhiges und liebes Wesen. Letzthin habe ich sogar gehört, wie die zueinander sagten, dass ich locker noch 5 oder 6 Jahre vor mir habe. Und dann meinten sie noch: „Wenn nur das mit dem Auge nicht wäre – so hat der arme Hund ja kaum eine Chance auf ein neues Zuhause!“ Ehm – echt jetzt? Seid ihr Menschen tatsächlich so? Und ich dachte, wenn ich ruhig, lieb, stubenrein und folgsam bin, finde ich locker ein neues Zuhause. Schliesslich musste ich nach all den Jahren mein altes Zuhause nur verlassen, weil Frauchen pflegebedürftig wurde. Weiterlesen

Jetzt ist es also soweit

Woran merkt man, dass man so langsam aus den Jungendschuhen rauswächst; um nicht sagen zu müssen, dass man langsam zum alten Eisen gehört? Es gibt dafür ein paar sichere Anzeichen:

  • Die Gespräche am runden Tisch drehen sich auf einmal nicht mehr um PS und die coolsten Clubs, sondern um Wehwehchen und gute Hausärzte.
  • Aus der Handtasche werden nicht mehr die Lippenstifte, sondern die Fächer gezückt, um die Wallungen in Schach zu halten.
  • Man tauscht sich darüber aus, wie unvernünftig sich die heutige Jugend doch benimmt.
  • Die Krampfadern machen einem definitiv mehr zu schaffen, als die Pickel im Gesicht.
  • Auf der Nase sitzt nicht mehr die coole Sonnenbrille von damals, sondern die Lesebrille von heute.
  • Man versucht beim Betrachten aller Bilder (egal ob auf Papier oder auf dem Laptop) ständig mit der Streichbewegung der Finger das Bild zu vergrössern, weil man das nun doch endlich gelernt hat.
  • Die Arbeitsdiskussionen drehen sich nicht mehr um neue Jobs, sondern darum, ob man den alten Job noch bis zur Pension behalten kann.
  • Die Ferienreisen müssen sich in ihren Abenteuern nicht mehr toppen, sondern eher im Komfort und der Bequemlichkeit.
  • Bei den Absätzen geht es auf einmal nicht mehr um die Höhe der Stöckelschuhe, sondern um Duschkabinen ohne lästige Stolperfallen.
  • Und zu guter Letzt sind es auf einmal nicht mehr die Lehrer der Kinder, welche unendlich nerven, sondern jene der Grosskinder.

Und weil ich weiss, dass es allen in etwa gleich geht, sehe ich es ziemlich gelassen. Bis auf wenige Ausnahmen. Es gibt nämlich auch Tage, da finde ich die Tatsache, dass die wirklich jungen Jahre vorbei sind, ganz schön bescheiden!

 

Schilderwald

In der Schweiz stehen bald schon die Nationalratswahlen an. Das bedeutet, dass die Autofahrt ins Grüne in den nächsten Wochen einer Fahrt durch den Schilderwald entspricht. Die Strassenränder sind gespickt mit Wahlplakaten, die sich in ihren Farben, Formen und Grössen einen Wettkampf liefern. Der Wahlkampf findet also nicht nur auf dem Politparkett statt, sondern definitiv auch auf der Strasse.

Ich bin immer wieder überrascht, dass in der überreglementierten Schweiz, wo eigentlich jede Kleinigkeit per Gesetz festgehalten ist, dieses Plakatwettkämpfe erlaubt sind. Es gibt Strassenabschnitte, wo der Blick auf die Strasse beinahe unmöglich wird. Alle paar Meter steht ein Schild, welches das vordere zu toppen versucht. Die einen sind so hoch, dass sie die Sonne verdecken, andere sind breiter als die Häuserlandschaft dahinter. Die Konterfeis auf den Plakaten werden also künstlich entweder in die Höhe, oder in die Breite gezogen und es wird derart um die Wette gegrinst, dass Pepsodent und Colgate mit ihren Werbungen einpacken können.

Am besten sind aber die Wahlslogans, welche einen doch schon sehr vom Strassenverkehr ablenken. Entweder, weil sie in ihrer Kreativität in etwa so toll sind wie eingeschlafene Füsse, oder aber weil sie so aggressiv sind, dass man glatt das Bedürfnis hat, das Schild umzufahren.

Im Moment sind also Wegbeschreibungen in der Schweiz sehr besonders. Es heisst nicht mehr: „An der zweiten Kreuzung biegst Du links ab, dann fährst Du bis zu der riesigen Eiche. Dort siehst Du den Parkplatz, auf welchem Du Dein Auto abstellen kannst.“ Nein – aktuell lautet die Beschreibung eher: „Bei der 3. Plakatwand mit dem Typen mit der Knollennase biegst Du links ab, dann fährst Du bis zu jenem Schild mit den überdimensionierten roten Buchstaben drauf. Dort siehst Du, wenn Du Glück hast, den Parkplatz, auf welchem Du parkieren kannst.“

Ich warte auf den Tag, an welchem die Wahlplakate noch an den Ampeln montiert werden…

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