von süss bis ungeniessbar

Mir geht ein Lichtlein auf…

Jahrelang habe ich mich als selbständige Unternehmerin durch die Textilwelt gekämpft. Zu Beginn noch mit Erfolg – gegen Schluss nur noch mit Frust. Irgendwie hat sich der Detailhandel nicht so entwickelt, wie ich mir das gewünschte hätte. Und ich konnte nie verstehen, wie die Onlinegiganten wirklich funktionieren können.

Inzwischen habe ich dieses Thema für mich gut abgeschlossen und habe mir den Jux erlaubt, selber zu testen, ob diese Werbungen der Onlineriesen wirklich halten, was sie versprechen. Schliesslich wird man im Fernsehen mit den Spots derselbigen buchstäblich bombartiert. Worte wie einfach, passend oder zeitsparend werden zu Hauf verwendet. Also habe ich mir bei einem der grössten Onlineanbieter einen Account gelöst und habe eine eigene Beraterin zugewiesen bekommen. Dieser musste ich online über einen Fragebogen Auskunft zu meinen Lieblingsbeschäftigungen, meinem Stil, meiner Grösse und all solchen Dingen Auskunft geben. Das habe ich gemacht – immer mit einem Grinsen auf den Stockzähnen, weil ich mir ausmalte, wie die Gute voll daneben greifen würde…

Ausgefüllt – abgeschickt und dann abgewartet. Irgendwann, nach gerade mal 24 Stunden bekam ich eine E-Mail der netten Modeberaterin, die mich darauf hinwies, dass sie sich nun an das Zusammenstellen meiner Indoor- und Outdoorgarderobe inklusive Schuhen machen werde. Dabei gab sie mir bereits die genauen Zeitkoordinaten durch: „Ihr Paket werde ich in 12 Tagen versenden.“ Ja, dem war auch so. Nach 12 Tagen bekam ich erneut eine E-Mail mit der Versandbestätigung und dem Hinweis, dass ich online verfolgen könne, wie weit mein Paket nun sei.

Nochmal 48 Stunden später klingelte bei uns der Postbote und stand mit einem riesigen Paket vor der Türe. Ich habe mich zwar für diese Aktion geschämt; es wäre aber gelogen, wenn ich behaupten würde, dass ich mich nicht auf den Inhalt gefreut habe wie ein kleines Kind an Weihnachten. Ich war so gespannt, ob da etwas Brauchbares drin sein würde. So, und jetzt kommt es: 4 Blusen, 2 Langarmshirts, 1 Strickjacke, 3 Hosen, ein Wintermantel und 2 paar Schuhe für rund CHF 1’000.–. Und das beste daran? Alles total passend und in meinem Stil (bis auf eine Hose, welche die Grösse nicht stimmte – aber darüber freute sich die Lieblingsnachbarin). Echt jetzt? Man hätte meinen können, eine Freundin sei für mich einkaufen gegangen. Besser hätte selbst die nicht treffen können.

Die Tragik dahinter? Ich verstehe jetzt, warum die hiesigen Geschäfte an der Front derart zu kämpfen haben, denn die Onlinegiganten machen ihre Hausaufgaben offenbar besser, als ich gedacht habe. Und dazu kommt noch, dass ich – sollte etwas nicht passen – dies einfach zurück in die Schachtel schmeissen, das vorgedruckte Etikett draufkleben und das ganze gratis und franko zur Post bringen kann. Und die Zahlungskonditionen sind auch so, dass ich mir ewig Zeit lassen kann, um die Klamotten zu bezahlen. Tatsache ist: Ich werde keine Onlineshopperin, aber es funktioniert ganz offensichtlich einwandfrei. Ich bin entsetzt!

5 grosse Lebenslügen – Teil 4

Malochen bis zum Umfallen – die Horrorvision der arbeitnehmenden Bevölkerung. Und wenn möglich noch unter dem Regime eines unausstehlichen Chefs täglich zur Arbeit gehen – ein NO GO. Also geht man davon aus, dass es nichts schöneres gibt, als sein eigener Chef zu sein. Lüüüüüüge! Weiterlesen

Alles richtig gemacht

Wenn ich mit meinen Freundinnen in Hamburgs Aussenquartieren shoppen gehe, dann unterscheidet sich das Lichtjahre von einem Shoppingtrip in der Schweiz. Warum? Ganz einfach:

Die kleinen und lustigen Geschäfte in den Nebenstrassen Hamburgs sind alle gemütlich und manchmal auf den ersten Blick etwas unaufgeräumt eingerichtet. Aber es animiert einen zum Suchen, Graben, Finden und genauer Hinschauen. Und man wird in allen Geschäften laut und freundlich begrüsst. Kommt man mit Hund, wird als erstes gefragt, ob der Hund einen Trinknapf möchte. In der Schweiz? Noch nie erlebt! Weiterlesen

Lesen und Schreiben

Ich lese und schreibe, weil ich lesen und schreiben kann. Könnt ihr alle auch! Warum tut ihr es dann nicht? Eigentlich kann doch jeder in der ersten Welt lesen und schreiben … und doch tun es nur wenige. Entweder weil sie keine Lust haben, weil sie – wie sie selber sagen – es nicht gut können oder warum auch immer. Vom ersten Buchstaben meines Lebens an habe ich gelesen und geschrieben. Irgendwie logisch … für mich! Nicht für andere. Die fragen nämlich nicht selten, wie man sowas freiwillig tun könne. Und ich frage mich dann, wie man sowas freiwillig nicht tun kann? Schreiben und lesen ist doch wie essen und trinken. Das tut man doch auch freiwillig – in der Regel zumindest. Warum also nicht auch lesen und schreiben? Was ist daran so verflixt schwierig, dass man es als Zwang ansehen kann? Ich verstehe es nicht! Das Sortieren der Buchstaben? Das Aussprechen der Laute? Das Verstehen des Geschriebenen? Oder einfach alles zusammen? Ich stelle mir gerade vor, wie ein Leben ohne Lesen und Schreiben sein würde. Schreckliche Vorstellung. Langweilig. Öde. Für mich eigentlich unmöglich! Weiterlesen

Online-Support für Dummies

Mein Sohn – mit Computer geboren, am Computer gross geworden und demzufolge bewandert in all den Sachen, welche diese Kiste beinhält. Ich – ohne Computer geboren, mühsam die Kiste kennen (aber niemals lieben) gelernt und demzufolge ziemlich dämlich im Umgang damit. Und so läuft das ab, wenn er im Geschäft am Computer sitzt und ich zu Hause Homeoffice mache.
Anruf zum Sohn:

Ich: Kannst Du mir sagen, wie ich dieses blöde Bild von mir als Anhang in eine E-Mail packen kann?
Er: Ganz einfach – rechte Maustaste, dann blablablablabla….. (so klingen seine Erklärungen immer in meinen Ohren)
Ich: Sorry, geht das auch etwas langsamer? Wo hat meine Maus eine rechte Taste?
Er: Weisst Du was, wir machen eine Teamschaltung, dann kann ich Dir die Mail verschicken!
Ich: Dann mach mal – ich verstehe nur Bahnhof.
Er: Ganz einfach. Siehst Du die Windows-Taste?
Ich: Die was? Müsste da Windows draufstehen?
Ziemlich lautes Schnauben auf der anderen Seite….
Er: Bist Du so doof, oder tust Du nur so?
Ich: Ich wünschte, ich täte nur so – was zum Geier ist die Windows-Taste?
Erneutes Schnauben – viel schnaubiger geht gar nicht….
Er: Untern links auf Deiner Tastatur siehst Du eine Taste, die aussieht, als ob vier Fähnchen drauf wären.
Ich suche.
Ich: Oh, ich seh sowas – ist mir noch gar nie aufgefallen (ich habe ja den Computer auch erst ca. 10 Jahre..). Und jetzt? (Mein Tonfall ist dabei saumässig stolz…).
Er: Na was wohl? Draufdrücken, Du Talent!
Ich: Oh, da geht ein Fenster auf….
Er: Ach nein!? Und jetzt sitzt Du im Durchzug?
Ich: Kann es sein, dass Du mich verarschst?
Er: Ja!
Ich: Könntest Du mir jetzt netterweise ganz langsam sagen, was ich tun muss?
Er: Noch langsamer, und ich rede rückwärts….
Ich: Nein, jetzt im ernst. Hilf mir!
Er: Dann bitte jetzt …..blablablabla…..
Mit diversen Schnaubern, Quietschern und Schnappatmung auf beiden Seiten geht das Ganze so ungefähr zehn Minuten weiter – und dann….
Ich: Wow, auf meinem Computer ist ein Geist! Da düst jemand auf meinem Bildschirm rum!
Er: Bingo! Das bin ich. Finger weg, von der Tastatur – den Rest mache ich für Dich!
Ich: Dann muss ich also später nur noch den Computer ausschalten?
Er: Nein, das mache ich auch für Dich – einfach nicht mehr anfassen. Ich erledige das.

Nun ja. Seither frage ich mich, warum ich eigentlich diesen kleinen Geist namens Sohn nicht immer gleich zu mir auf den Computer hole, wenn er dann alles für mich erledigt. Dann müsste ich mich nicht immer dumm und dämlich suchen, er sich nicht ständig über meine doofe Fragerei ärgern und überhaupt wäre das Leben so viel einfacher!

Neuere Beiträge »

© 2026

Theme von Anders NorénHoch ↑