von süss bis ungeniessbar

Lebensplan mit und ohne …

… Kinder.

Jeder Mensch hat seinen ganz eigenen Lebensplan. Das ist auch gut so. Schliesslich muss jeder Mensch in seinem ganz eigenen Leben glücklich werden.

Warum die Gesellschaft da immer noch meint, mitreden zu müssen, ist mir ein Rätsel. Also de facto war mir das immer schon ein Rätsel. Als ich nämlich bei meiner zweiten Schwangerschaft mit 28 Jahren beschloss, mich bei der Geburt gleich unterbinden zu lassen, musste ich gefühlt einen Psychomarathon absolvieren, um dies „bewilligt“ zu bekommen. Schliesslich war ich noch keine 30 Jahre alt, was in der Medizin offenbar gleichbedeutend ist mit „noch nicht fähig, die eigenen Handlungen zu reflektieren“!! Hä?? Hinzu kommt noch, dass mein Göttergatte ebenfalls unterschreiben musste, dass er mit MEINER Entscheidung – die notabene NUR MEINEN Körper betrifft – einverstanden sei. Okay, das war zu einer Zeit, als es noch Dinosaurier gab und ich war mir sicher, dass es heute anders sei. Falsch gedacht!

Ist heute ein Paar schon mehr als ein Jahr zusammen, fängt die mühsame Fragerei nach der Familienplanung an. Da werden unbedachte Sätze rausgehauen, die nicht immer ganz den persönlichen Grenzen eines Menschen entsprechen:

„Und, wie sieht es so aus mit Kindern – schon was in Planung?“
„Ihr seid aber schon lange zusammen, wäre langsam Zeit, an die Familienplanung zu denken.“
„Ihr beschäftigt euch aber schon so langsam mit dem Thema Kindern oder? Ihr werdet ja auch nicht jünger.“

Äussert sich das angesprochene Paar oder – in vielen Fällen die angesprochene Frau – ablehnend zum Thema Kinder, dann kommt nicht selten der absolute Supersatz:

„Ach, das sagt ihr jetzt – ihr seid noch jung – das kommt schon noch. Ich hatte diese Phase auch, die geht vorbei.“

Bitte? Sich gegen eigene Kinder zu entscheiden ist also eine Phase? Oder so etwas wie eine depressive Verstimmung, die mit der richtigen Therapie vorüber geht? Muss ich das verstehen?

Ich finde es zeugt von Weitsicht und Mut, sich bewusst für seinen ganz eigenen Lebensplan zu entscheiden und auch dafür einzustehen. Dafür braucht es nämlich eindeutig mehr Mut, als dem Druck der Gesellschaft nachzugeben, Kinder zu bekommen und diese dann irgendwo zu parkieren, weil sie eigentlich gar nicht so wirklich in den Lebensplan gepasst haben. Und deshalb bin ich auch der Meinung, dass Menschen, die sich so klar für oder gegen etwas entscheiden, sich dafür nicht rechtfertigen müssen und erst recht nicht von der Medizin dafür boykottiert werden dürfen.

Für mich ist es schlicht und einfach eine Frechheit, dass junge Frauen oder Männer, die sich gegen eigene Kinder entscheiden, von einer medizinischen Sterilisation abgehalten werden, weil ihnen nicht zugetraut wird, die Tragweite dieser Entscheidung zu erkennen. Wenn man bedenkt, wieviele junge Frauen sich ihren Körper mit Implantaten aufhübschen lassen, dann frage ich mich schon ob der Willkür der Medizin.

Es ist an der Zeit, dass Paare ohne Kinderwunsch nicht weiter mit dem Stigma „abnormal“ belegt werden. Schliesslich bedeutet normal nichts anderes als „der Norm entsprechend“ – und jeder Mensch hat seine eigene Norm!

Der grosse Wandel

Was für ein verheissungsvoller Titel – der grosse Wandel. Das könnte so manches bedeuten, weil es aktuell wohl beinahe in jede Situation passt. Für mich ganz persönlich bedeutet es nur eines:

Ich wandle mich vom Menschen zum Zombie – und in etwa so wandle ich auch durch die Tage und Wochen. Man nennt das landläufig auch WECHSELJAHRE!

Ganz viele da draussen werden jetzt denken: Wie jetzt? Ein Beitrag über ein derart langweiliges Thema? Jup – genau richtig, ein Beitrag über mein persönliches Befinden seit Monaten im Strudel der Hormonsuppe, die offenbar täglich 10 mal überkocht. Und sie kocht auch in der Nacht, quasi auf Dauerflamme!

Ja, ihr habt recht, es gibt bestimmt weit Schlimmeres. Da bin ich voll eurer Meinung. Aber wenn man vom stabilen, grundsätzlich nicht sehr schlecht gelaunten und energiegeladenen Menschen zum totalen Gegenteil mutiert, dann macht das nicht nur keinen Spass – es ist einfach nur zum Heulen!!!

Mein körperliches und geistiges Leben wird seit geraumer Zeit dominiert von argen Hitzewallungen, Übelkeit, Migräne, schlechter Laune, Dünnhäutigkeit, Instabilität, Auf- und Ab’s (leider mehr Ab’s), nächtlichen Nahkampfaktionen mit Bettdecke, Kissen und wechselnden Pjyamas und einer satten Gewichtszunahme von 10 Kilo in einem Jahr. Und es gibt Tage, da geht mir einfach ALLES auf den Kecks. Die Sonne, die Menschen, die Geräusche – einfach alles. Wer bin ich und wann geht das wieder weg?

Ich gucke in den Spiegel und da sind auf einmal Falten, wo früher keine waren – sogar eine fette und tiefe Zornesfalte habe ich bekommen. Logisch, meine Laune ist ja auch mehrheitlich schlecht und meine Gedanken sind nicht sehr entspannend. Und meine Umgebung fängt an, auf meine Veränderungen zu reagieren. Ganz offensichtlich merkt man mir an, dass ich nicht mehr die Alte bin. Und ich hasse es!

Ich dachte immer, die Wechseljahre wären so ein Ding, durch das man einfach durch spaziert und nicht viel merkt davon. Und ja, es soll sogar Frauen geben, denen das gelingt. NEID! Ich gehöre nicht dazu und mein Onkel Doktor hat mich getröstet mit den Worten:

„Also ich kenne in meiner Praxis keine, die ohne Beschwerden durch die Wechseljahre ging. Manche schlimmer, andere weniger schlimm. Manche länger, andere weniger lang. Dummerweise sprechen die Frauen genauso wenig darüber, wie die Männer. Drum denken Sie, Sie seien die einzige mit solchen Beschwerden.“

Oh, Frauen reden nicht darüber. Warum? Frauen reden doch sonst gefühlt über alles. Warum nicht über die gruseligen Veränderungen in den Wechseljahren??? Mir fällt übrigens gerade jetzt beim Schreiben auf, dass das Ding ja tatsächlich WechselJAHRE heisst. Mir wird also noch einiges bevorstehen – Freude herrscht 🙁

Ich möchte hier – um mir etwas Druck zu nehmen – alle da draussen darüber informieren, dass ich Morgentermine hasse. Ich bin nämlich zum absoluten Morgenmuffel mutiert. Ich komme nicht in die Gänge nach meinen nächtlichen Schweisseskapaden, begleitet von Albträumen und Panikattacken. Ich bin auch launisch geworden. Es kann also gut sein, dass ich euch mittags sage, dass ich mich auf ein Treffen am Abend freue – welches ich dann doch absage, weil ich mit Migräne und übler Laune auf dem Sofa liege und mich nicht aufraffen kann. Ihr denkt, das sei übertrieben, schliesslich sei man deswegen ja nicht krank. Ihr habt möglicherweise recht – für mich fühlt es sich aber richtig krank an. Punkt.

Die Ratschläge mit der Silberkerze, den verschiedenen Tees, dem kühlenden Nackentuch und den Salben und Duschen bringen übrigens in meinem Fall dreimal GAR NICHTS! Dies zur Info für alle, die mich nun gerne lieb gemeint beraten wollen. Ich habe die Palette durch – erfolglos!

Wechseljahre sind in meinem Fall weder Schokoladenjahre noch einfach nur heisse Zeiten – es ist ein Marathon durch die gruselige Hormonsuppe – und jeder der mich kennt weiss, dass ich Suppe nie mochte. Ich geh dann mal meinen Fächer holen …

In der Welt der Schönen und Reichen …

… und die Modepraline ist mittendrin. Aber: Leider passt sie dort so gar nicht hin!!!

Seit ich denken kann, habe ich immer das altehrwürdige Hotel Palace in Gstaad bewundert. In meinen Gedanken habe ich mir immer ausgemalt, wie wunderbar dieses Haus sein würde und dass ich irgendwann dort einmal zu Gast wäre.

Objekt der Begierde …

Ja, ihr ahnt es: Ich habe mir die letzten Tage diesen Traum erfüllt und musste merken, dass dieses Haus wohl wunderschön, aber so gar nicht meine Welt ist. Zu viele Regeln, zu viel Show, zu wenig Seele. Das ist mein Fazit!

Wenn man dieses Hotel bucht, merkt man vorerst mal nicht, was für versteckte oder offene Regeln hinter den Mauern herrschen. Irgendwie ist mir deshalb auch gar nicht in den Sinn gekommen, dass ich mich an Regeln stossen könnte, die mir einfach nicht in den Kopf gehen wollen. Es versteht sich für mich von selber, dass ich bei einem Besuch in einem derart exklusiven Haus nicht mit dem Jogginganzug anreise. Gepflegte Garderobe ist für mich selbstverständlich. Aber da scheiden sich nun die Geister tatsächlich. Die Definition der gepflegten Garderobe scheint im hohen Gstaad eine etwas andere zu sein, als hier bei uns.

Beim Check-In fiel der Blick der Empfangsdame auf meine Schuhe und der Kommentar dazu war: „Diese Schuhe gehen aber ab 19.00 Uhr in unserem Haus in den Speisebereichen und in der Bar nicht mehr.“

Meine geliebten, sauberen und gepflegten Sneaker – ein Unding!

Ich merkte, wie sich in mir etwas sträubte, was ich aus Kinderzeiten noch sehr gut in Erinnerung habe. Man nennt das Trotz – und ja, ich bin mit 55 definitiv zu alt dafür. Allerdings habe ich auch mit 55 noch immer das Problem, dass ich mich mit Dingen, die mir absolut nicht in meinen Kopf gehen wollen, nur sehr schwer anfreunden kann. Da gehören Dinge wie solche Regeln dazu:

… ist das nun sexistisch, rassistisch, politisch inkorrekt oder einfach nur dämlich?

Beim Eingangsbereich im Erdgeschoss des Hauses hängt dann noch folgendes, hübsch gerahmtes Bild in der palaceüblichen Sprache (kein Mensch spricht dort Deutsch)!

Ob Pyjamas okay wären?

Ich habe mich knurrend an die Regeln gehalten, weil das Essen im Palace wunderbar schmeckt. Dabei habe ich mich im Minutentakt erwischt, wie ich JEDER und JEDEM auf die Füsse geguckt habe. Wehe, wenn ich da Sneakers gesehen hätte. Und was genau ist falsch an Polo Shirts oder an einem Mantel??? Oder noch viel schlimmer: Warum geht all das bis 19.00 Uhr in Ordnung – ab da aber nicht mehr? Verändern sich da die Sneakers in Bauschuhe, die Mäntel in Zelte und die Polo Shirts in Regenschirme???

Ich habe mir natürlich die Frage gestellt, was passieren würde, wenn ich mich einfach NICHT an die Regeln halten würde – schliesslich habe ich gleichviel bezahlt, wie die Schönen und Reichen im Palace. Ehm … also, die Konsequenzen wären dann ziemlich einsam. Man wird nämlich aufs Zimmer gebeten und bekommt sein Essen dort serviert. Hallo?

Ich rekapituliere: Die liebe Modepraline in ihrer vollen Fülle hat sich einfach nicht in das Bild dieser Welt dort einfügen wollen/können. Ich trage keine Kleidergrösse 34 (nein, meine ist 42 – diese Grösse kennt man in Gstaad gar nicht). Mein Gesicht und mein Chassis sind noch die Originalversion. Schon alleine das ist im schönen Nobelort sowas Ähnliches wie etwas Ausserirdisches. Dort ist Frau gepimpt bis zum Umfallen! Ich finde klimatisierte Speisesäle furchtbar, weil ich Mühe damit habe, mir mit Stil den Arsch abzufrieren. Übrigens hat man mir – auf meine Bitte, die Klimaanlage etwas runter zu drehen – eine Wolldecke in den Speisesaal gebracht. Aha, Wolldecke geht – Sneakers aber nicht! 🙂

Weil man ja weder, Sneakers, noch Poloshirts, noch Jeans oder sonst was zum Essen tragen darf, wollte ich mir natürlich eine schöne Hose holen. Hat ja massig Geschäfte in Gstaad. Das einzige, was ich ÜBERALL bekommen haben, ist das Kopfschütteln der Verkäuferinnen. Kleidergrösse 42? Sorry, aber wir verkaufen hier nur bis 38.

Könnt ihr euch die ziemlich verwirrte und enttäuschte Modepraline vorstellen? Ich dachte ja immer, ich sei gut angezogen und mit meinen 55 Jahren sei ich ganz okay. Nach vier Tagen im schönen Gstaad komme ich nach Hause und frage mich, ob ich nun zuerst zum Beautydoc, in die Ernährungsberatung oder zur Fashionberatung gehen soll.

Keine Angst – ich habe mich das glücklicherweise nicht eine einzige Sekunde ernsthaft gefragt. Ganz im Gegenteil. Ich weiss jetzt einfach, dass die Welt der Schönen und Reichen nicht die meine ist und dass ich diese lieber im Fernsehen anschaue. Das Benehmen dieser wahnsinnig elitären Gilde ist nämlich nicht selten sehr fragwürdig. Da werden schamlos Tischnachbarn mit fetten Zigarren eingenebelt und der Alkoholkonsum ist derart hoch, dass im Schnitt alle fünf Minuten ein Glas zu Bruch geht. Eine Entschuldigung beim gebeutelten Personal ist da Fehlanzeige.

Was lernen wir daraus: Du kannst ein totales A….loch sein, solange Du keine Sneakers trägst und den Oberkörper auch bei über 30 Grad auf der Veranda in ein Sakko steckst. Ich muss diese Welt nicht verstehen. Bei mir würde der CODE am Eingang anders klingen:

„Wir heissen bei uns alle herzlich willkommen, die wissen, wie man sich benimmt und die unsere Arbeit zu schätzen wissen. Alle anderen dürfen gerne draussen bleiben.“

Kleiner Schwank …

… meiner Enkelin, 3 1/2-jährig:

„Grosi, ich möchte sooooo gerne mal wieder bei Dir schlafen.“
„Okay, dann machen wir das heute – aber ohne Theater, gell?“
„Abgemacht – ich mache kein Theater, ich putze die Zähne, gehe ins Bett und weine nicht.“

Nach dem Zähneputzen im Bett erzähle ich noch eine Geschichte.
Kurz darauf:

„Ich vermisse mein Mamiiii soooooo seeeehr.“
„Okay, dann bringe ich Dich nach Hause.“
„Dort ist mein Mami aber heute auch nicht.“
„Nein, das hilft heute einem Freund beim Hamburger verkaufen.“
„Ich will auch einen Hamburger, mit Pommes und Ketchuuuuuuup!!!“

Stille ….

Ich gucke rüber – sie ist eingeschlafen.

Ich mach dann mal vorsorglich einen Hamburger bereit für heute Nacht …

Wann kommt das Spaghetti-Verbot?

Politische, sexuelle und ethnische Korrektheit hat bestimmt ihre Berechtigung. Ich meine, es geht nicht, dass man Schwule und Lesben ausgrenzt; dass man dunkelhäutige Menschen mit Schimpfwörtern belegt oder dass man manche Menschen der SVP als Nazis bezeichnet. Alles nicht okay – keine Frage!

Seit wann aber sind Dreadlocks ein Grund, Konzerte abzusagen oder Menschen nicht in Bars zu lassen? Habe ich etwas verpasst? Könnte es nicht einfach sein, dass die Träger dieser Frisuren den Lifestyle von Bob Marley cool fanden und ihn deshalb zelebrieren möchten. Könnte es nicht grundsätzlich einfach sein, dass wir viele Dinge von anderen Kulturen übernehmen, weil wir sie cool finden – ohne dabei einen unsauberen Hintergedanken zu haben?

Alle Schweizer:innen essen Spaghettis. Und ich kenne niemanden, der sie nicht liebt. In Wahrheit haben wir die lustigen Teigwaren aber von den Italienern abgekupfert und sie stehen vermutlich in jedem Schweizer Vorratsschrank. Wer nichts im Haus hat, schmeisst zur Not Spaghettis in die Pfanne. Die gehen nämlich immer und jeder mag sie. Politisch korrekt? Oder haben wir da den Italienern womöglich ein Stück ihrer Identität gestohlen. Und bringen wir womöglich die langen dünnen Teigwaren mit den eher kleingewachsenen Italienern so in Verbindung, dass wir uns darüber lustig machen? Schon mal darüber nachgedacht, hä?? Und wenn dann beim Verspeisen der italienischen Spezialität ein Messer zum Einsatz kommt, liegt das dann wirklich an der ungelenken Art der Schweizer:innen oder könnten wir damit den Hintergedanken haben, kleine Italiener:innen zu verhackstückeln??

… so oder so ähnlich könnte man diese und andere Gedanken bis ins Bodenlose spinnen – wenn man denn die nötige kranke Fantasie dafür hat.
Man könnte aber auch einfach davon ausgehen, dass wir alle begeisterte Liebhaber der italienischen Küche sind und deshalb unseren lieben Nachbarn einfach ihre Rezepte geklaut haben. Ohne Hintergedanken, einfach aus Liebe zum Essen.

Ist es eigentlich korrekt, dass Schweizer:innen in Pizzerien gehen? Oder zum Asiaten? Oh, da fällt mir ein: Ist es in Ordnung, dass wir so viele Thai-Restaurants in unserem Land haben? Die entsprechen so gar nicht unserer Kultur. Multikulti in Ehren, aber in unsere Küchen gehören Rösti und Käse – Ende Gelände!!

Ich merke gerade, dass ich die Tastatur jetzt beiseite legen muss. Mir kommen sonst immer mehr quere und total verdrehte Gedanken, auf die ich bislang im Leben nicht gekommen wäre. Und dabei überlege ich mir, ob mir Dreadlocks auch stehen würden … ????

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