von süss bis ungeniessbar

Virenkoller lässt grüssen

Seit der Maskenparade in der Covidzeit scheint mein Immunsystem den Dienst zu verweigern. Jedes kleine Virüsschen, das sich irgendwo blicken lässt, wird von mir herzlich eingeladen, um sich bei mir breit zu machen. Und das Vierenvieh darf auch noch sein gesamte Verwandtschaft einladen, um bei mir Party zu feiern! Und weil ich bekanntlich Grosi der zwei lustigsten Enkelkinder bin, werde ich täglich mit Viren beschossen. Jup, Kleinkinder sind Virenschleudern! Aber ich kann ja unmöglich keine Enkelbesuche mehr machen, bis sie virenfrei sind – sonst sehe ich sie vermutlich nicht mehr vor nächstem Sommer!

Ich dachte ja immer, ein Schnupfen oder ein Halskratzen sei kein Thema für mich. Seit Corona sieht das etwas anders aus.

Ich befinde mich seit gefühlt Monaten im Dauerkampf gegen diese kleinen Mistviecher in meinem Körper, die mich jedesmal husten und rotzen lassen, dass ich kaum noch bis zur Nasenspitze sehe. Der Brustkasten ist hochtrainiert von den Hustenattacken und der Rüssel entwickelt sich zu einem roten Knollen. Schlafen? Fehlanzeige! Wie auch, wenn man kein Luft bekommt???

Auf meiner Küchenablage stehen anstelle von Leckereien Dinge wie Nasenspray, Hustensirup, Lutschtabletten und ein Inhalator. Und wenn ich jemandem in die Nähe komme, trage ich aus Rücksicht wieder Maske.

Ich dachte ja, dass ich die einzige sei, die damit zu kämpfen hat. Wenn ich aber rund um mich herum höre und sehe, was abgeht, dann haben vermutlich Firmen wie Tempo (Taschentücher) gerade Highlife. Gibt es eigentlich eine Familie, die nicht vom Virentheater betroffen ist?

Ich habe die letzten Monate soviele Coronatests gemacht, dass es für die nächsten 5 Jahre reichen dürfte. Und kein einziger war positiv. Also haben die anderen Virentierchen ganz offensichtlich vom grossen Coronakollegen profitiert und sind zu kleinen Monstern mutiert.

Der Supergau für die gute Laune ist, wenn ich morgens müde und mit Atemnot aus dem Bett krieche, draussen dicker Nebel liegt, es den ganzen Tag nie richtig aufhellt und – wegen Stromsparmassnahmen – unser gemütliches Zuhause einer Dunkelkammer gleicht. Ganz abgesehen davon rieche ich seit Tagen nicht mal den Kaffee, weil mein Rotzknollen komplett dicht ist. Warum nochmal soll ich also aufstehen???

Genauso habe ich mir den Winter vorgestellt. 🙁

Betreutes Moderieren

Samstagabend und die Vorfreude auf eine Show, welche uns Jahrzehnte durch unser Leben begleitet hat. Wetten dass …

Jene, die mit Thomas Gottschalk quasi aufgewachsen sind, haben gestern bestimmt mit Chips und Getränk auf das erneute Revival der abendfüllenden Show gewartet. Ich auch!

Was für ein Abend zum Fremdschämen … meine Güte! Nachdem man jahrelang wusste, dass der inzwischen über 70-jährige Talkmaster ein Garant für gute Unterhaltung war, so war ich gestern Abend auf meinem eigenen Sofa quasi dauerhaft peinlich berührt. Ich wage mal zu behaupten, dass man künftig auf ein Revival mit Gottschalk verzichten wird.

Wer von euch mitgeschaut hat, weiss bestimmt, wovon ich rede. Für alle anderen: Er hatte zwar seine Moderationskarten fest im Griff, die Sendung aber kein bisschen. Er tappte von Missgeschick zu Missgeschick, wirkte, als ob ihn die Sendung überhaupt nicht interessieren würde und musste x-fach von seiner Moderationskollegin Michelle Hunziker gerettet werden, um nicht vollends im Fett der Näpfe zu ertrinken. Seine Witze waren allesamt derart flach, dass kein Mensch auch nur ansatzweise lachen konnte und er schlenderte mehr als einmal ziemlich ziellos über die Bühne – so als ob er den Weg zurück zum Sofa suchen würde.

Es war traurig mitanzusehen. Die Maske hatte ihn zwar zum alten Gottschalk aufgepimpt und sein Outfit war glamurös und ausgefallen wie immer. Hinter all dem steckte aber ein total veränderter und ziemlich desorientierter Gottschalk, der die Grenzen nicht mehr kannte und ganz offensichtlich keine Ahnung von dem hatte, was er da tat. Michelle Hunziker war quasi seine Dauerbetreuung und Rettung während der ganzen Sendung.

Heute gibt es ja jenste Varianten von Betreuung: Betreute Senioren, betreute Kinder, betreute Tiere … seit gestern Abend gibt es jetzt betreutes Moderieren. Es konnte einem fast leid tun, die Misere mit anzusehen. Zumal es den Anschein machte, dass der rote Leopardenanzug den ehemals glanzvollen Talkmaster auffressen wollte. Ein Stück Vergangenheit, das gestern vermutlich in dieser Form live und in Farbe zu Grabe getragen wurde. Ich sage nur:

Wetten dass … Gottschalk nicht mehr zurück auf die TV-Bühne kommt?!

Gratis? Also her damit!!!

Das ist vermutlich die dümmste Überschrift, die mir je eingefallen ist. Ich gehöre nämlich zur Gilde der NICHT-Sammler von Gratismaterial. Im Moment fühlt es sich aber grad anders an. Warum?

Vor einer Woche habe ich die Grippeimpfung eingezogen – heute habe ich den aktuellsten Booster geholt. Da ich bis dato das Privileg hatte, beim Arzt des Vertrauens impfen zu können, war ich heute das erste mal in einem Impfzentrum. Und als ich da so in der Warteschlange stand und den Gesprächen der Menschen um mich herum lauschen konnte, wurde mir bewusst, wieviele Leute sich impfen lassen, weil es nichts kostet.

„Ist ja gratis, sonst würde ich es nicht machen“, wurde von mir zum Satz des Tages erkoren.

Echt jetzt?

Wieviel wert ist Gesundheit? Hätte ich das dort laut ausgesprochen, hätte ich vermutlich eine philosophisch-politisch-ethisch-moralisch kritische Diskussion losgetreten. Also habe ich das Gesicht lediglich hinter meiner Maske verzogen.

Zugegeben, es war mein erster Covid-Pieks, bei welchem ich bis kurz vorher auch nicht wusste, ob ich ihn wirklich machen soll. Die drei davor waren für mich nicht eine Sekunde ein Thema. Diesmal habe ich mich aber auch schwer getan. Ich hatte das Gefühl, dass mein System nun so langsam bereits sein sollte für das Vieh. Aber erstens habe ich es nicht unbedingt meinetwegen getan und zweitens habe ich ein klitzekleines bisschen Schiss vor Long-Covid. Ich kenne inzwischen zwei richtig dramatische Fälle, die weit entfernt sind von einem normalen Leben. Also her mit der Spritze!

Dass man sich aber impfen lässt, weil es gratis ist, das habe ich heute tatsächlich zum ersten mal gehört. Ich hab mir überlegt, ob jene, die sich deswegen impfen lassen, auch bei anderen Therapien nur zusagen würden, wenn sie gratis wären …

Anyway – ich bin quasi durch und durch abgesichert. Sollte ich also demnächst ausfallen, dann war es ein Erdbeben, ein Tsunami oder was auch immer mich noch umhauen könnte. Oder ich habe meine zwei absolut süssen, witzigen, lustigen aber total wilden Enkel versucht in Schach zu halten … die schaffen es auch, dass ich abends wie eine tote Fliege auf dem Sofa liege! 🙂

Garage leer – Auto geklaut?

Meine Güte – es wird echt nur noch schlimmer mit mir und meinem Gedächtnis.

Ich musste heute in die Apotheke. Ein Klacks, sind nur 5 Minuten zu fahren. Also Jacke und Schuhe angezogen, Tasche und Autoschlüssel geschnappt, Türe auf, Garagentor geöffnet und … NICHTS – gähnende Leere!
Mein erster Gedanke: Shit, jemand hat mein Auto geklaut.
Mein zweiter Gedanke: Kann nicht sein – den Schlüssel habe ja ich.
Mein dritter Gedanke: Seit wann nimmt mein Göttergatte mein Auto? (Unlogisch, denn ich hatte ja den Schlüssel.

Mein Gesicht hätte ich gerne selber sehen wollen, als ich in die leere Garage gestarrt habe. Die Entgleisung meiner Gesichtsmuskulatur hätte bestimmt ein Jahrtausendbild ergeben.

Ich stand also ziemlich irritiert vor meiner Garage und fing an zu denken. Das gleicht manchmal einem wahren Hirnzellenmarathon, wenn ich meine Denkmaschine anwerfe. Und dabei ist mir doch glatt eingefallen, dass ich gestern mit dem Auto zum Bahnhof gefahren bin, um in den Zug zu steigen. Und weil bei der Rückkehr ein minimalen Alkoholgehalt in meinem Blut war (ich trinke tatsächlich selten und nie viel – fahre dann aber aus Prinzip nicht mehr), habe ich mich vom Taxi nach Hause fahren lassen.

Ehm – ja, da fiel es mir wie Schuppen von den Augen. Oder waren es Tomaten? Egal. Mein Auto stand definitiv noch in der benachbarten Stadt auf dem Bahnhof.

Wie gut, wenn die liebe Nachbarin gleichzeitig die liebste Freundin ist und zum Glück im Homeoffice arbeitet. So konnte ich sie kurz 5 Minuten ausleihen, um mich zu meinem Auto zu fahren. Lieben Dank dafür! 🙂

Aber so ein klein wenig Gedanken mache ich mir ja schon über meinen Denkapparat. Nicht nur, dass ich viel vergesse oder verlege, verwechsle oder schlicht einfach nicht mehr weiss – es dauert inzwischen auch einen Moment, bis ich wieder zurück in die Spur finde.

Es gibt 90-jährige, die sind vitaler in der Birne als ich. Meine Güte – vermutlich wird man mir mal den Rollator anbinden müssen, damit ich ihn nicht überall vergesse.

Unsere Zukunft liegt in der Tube

UHU-Alleskleber wird vermutlich künftig über unsere Zukunft bestimmen. Ich weiss noch nicht genau, ob ich das gut finden soll … tendenziell eher nicht!

Aktivisten verschiedener Organisationen haben ja bekanntlich einen neuen Lösungsansatz für Zukunftsprobleme gefunden. Man klebt sich mit Alleskleber einfach irgendwo fest, wo es gerade sehr unpassend ist. So erreicht man Aufmerksamkeit und kann laut auf seine Anliegen hinweisen. Der Lösungsansatz ist nicht selten tatsächlich im Wort bereits enthalten – die Sanität braucht nämlich des Öfteren mal ein bisschen Lösungsmittel, um die angeklebten Platzhirsche von den beklebten Böden und Gemälden zu befreien. Schlau? Darüber lässt sich streiten – aber ganz bestimmt keine Vorbildfunktion für unsere Nachkommen, soviel ist sicher.

Man stelle sich nur mal vor:

Gerda, Tilda, Nils und Kevin werden künftig kein Gemüse mehr essen. Sie kleben sich sonst nämlich einfach an ihren Kinderstühlen fest. Schliesslich lernen Kinder schnell.

Laura, Enea und Lydia drohen mit der UHU-Alleskleber-Tube, wenn der Lehrer sich durchsetzen will. Das ersetzt wunderbar bündig den Anwalt, mit dem die letzten Jahre wegen jedem Kaugummi gedroht wurde.

Gabi, Sven, Emma und Jürg werden auf die Hausaufgaben verzichten – es sei denn, die Eltern wollen eine Parkettklebeaktion ihrer Knirpse bewältigen.

Und wenn wir schon dabei sind: Man sagt, der Schulweg müsse zu Fuss absolviert werden, weil die Elterntaxis nerven und diese auch die dringend nötigen sozialen Kontakte unterbinden. NEIN, liebe Erwachsene. Künftig kleben sich die Heranwachsenden sonst einfach auf dem Schulareal fest. Ich befürchte, dass dann der Personalbestand massiv aufgestockt werden muss, um die Pubertiere wieder vom Areal zu bringen.

Also, ihr lieben UHU-Klebe-Fanatiker. Was ihr da unserer Zukunft in Form unserer Kinder vorlebt, ist einfach nur billiger Leim. Mehr nicht! Man löst keine Probleme, indem man sich festklebt. Und dabei spielt es absolut keine Rolle, ob es sitzend, liegend, an den Händen, den Haaren oder wie auch immer ist.

Ein Kind würde man schimpfend vom Boden lösen und zur Strafe ins Zimmer stellen. Alleine. Zum Nachdenken! Ich bin ja sehr dafür, dass man euch auch irgendwo eine Weile in eine Zelle leimt. Alleine. Zum Nachdenken!
Drum liebe Kinder: Nicht alles, was die Erwachsenen tun, ist zwingend richtig. Manchmal ist es auch einfach nur eine total bescheidene und verzweifelte Aktion, um auf sich aufmerksam zu machen. Man könnte es auch ADS nennen = Aufmerksamkeits-Defizit-Syndrom. Also lasst die Finger vom Leim, sonst bekommt ihr womöglich zur Strafe irgendwelche Pillen, die ihr eigentlich gar nicht nehmen möchtet.

Mehr Argumente, weniger Leim – so geht das!

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