von süss bis ungeniessbar

Nominiert für den Nobelpreis …

… oder mindestens für ein mittelgrosses Wunder.

Ich habe einen Zopf gebacken!

Wie, das ist nichts besonderes??? Ist es wohl. Alle, die mich kennen wissen, dass ich NIE gebacken habe. Das hat immer mein Göttergatte gemacht. Und er war der ultimative Zopfbäcker.

In den letzten Monaten haben mir alle die Ohren vollgeschwärmt vom ultimativen Küchenhelfer Thermomix Tm7. „Damit kannst sogar Du einen Zopf backen“, haben sie gesagt. Also habe ich mich durchgerungen und diese Wundermaschine bestellt. Zuerst habe ich sie aber ein paar Tage im Gästezimmer schmoren lassen. Mir war nicht nach dem Aufbau eines Küchengeräts. Also eigentlich hatte ich ohnehin keinen Bock auf ein Küchengerät. Ich werde nie verstehen, warum es Frauen gibt, die bei Küchengeräten ins Schwärmen geraten. Ich meine: Es sind Küchengeräte, keine Schuhe!!!!

Dank meiner Buddy Manu habe ich heute das Gerät in Betrieb genommen. Gemeinsam haben wir den Hochleistungscomputer mit Topf positioniert und installiert – man braucht fast ein Hochschulstudium, um dieses Ding zu kapieren.

Aber, jetzt kommts: Ich habe meine Feuertaufe mit meinem Angstgegner bestanden: Der ZOPF!

Die Maschine sagt mir, was ich reinschmeissen muss …. und dann knetet sie.

Ich rolle danach den Teig – unter dem strengen Auge von Manu.

Bei der Masterdisziplin des zweistrangigen Zopfs brauche ich Hilfe … ich laufe Gefahr, mich zu verknoten …

Und so kommt das Prachtstück lecker duftend aus dem Ofen. Ich kann es nicht glauben. Mein erster, selbstgebackener Zopf. Der Göttergatte wäre so stolz auf mich!

Ich schneide ihn so demütig an, als ob ich gerade den Weltfrieden herstellen würde – gespannt, ob das Ding auch schmeckt.

Und wie es schmeckt. Ein absolut gelungener Zopf – und ich bin stolz, als ob ich weiss der Herr was erschaffen hätte!

Es sind die kleinen Dinge, die das Leben lebenswert machen.

Mick, ich hoffe, dass wenigstens der Duft bis zur Venus hochgestiegen ist …

Sardische Tücken

Ich gehöre zu jenen Menschen, welche die Zeichen in der Natur nicht einmal sehen, wenn sie mir auf die Füsse fallen. Leider …
Das ist bestimmt auch der Grund, warum ich nie Glücksklee oder einen Stein mit der Form eines Herzens finde. Meine Enkelin ist da anders. Sie sieht ALLES, was ich gerne einmal finden würde.

Die Sache mit den Herzsteinen habe ich ihr im Urlaub in Sardinien auf dem Liegestuhl erzählt. Und was hat das goldige Menschenkind getan? Sie ist den Strand abgelaufen auf der Suche nach Herzen und hat mir tatsächlich Herzen gebracht. Mir ist das Herz aufgegangen und ich wollte diese wunderbaren Zeichen mit nach Hause nehmen.

Wollte …

Das Sicherheitspersonal am Flughafen hat mir einen gehörigen Strich durch die Rechnung gemacht. Sie haben beim Durchleuchten des Gepäcks die beiden Steine entdeckt. Es ist ja auch nicht so, dass ich sie verstecken wollte – ich hatte nämlich nicht einmal ansatzweise auf dem Schirm, dass man Steine nicht ausführen darf. Ich weiss, dass man keine Muscheln oder Meeresbewohner transportieren darf, logisch. Aber Steine?????

Nun, man hat mich also ins Sicherheitsbüro zitiert, mein Gepäck abgesucht und mir meine Herzen weggenommen mit dem Kommentar, dass das normalerweise 1000 Euro Bussgeld kostet. Echt jetzt??? Mein Schwiegersohn hat den ziemlich überengagierten Sicherheitsleuten erklärt, dass meine Enkeltochter diese Herzen für mich gefunden hat und wir das nicht wussten. Und nur deswegen musste ich die Busse nicht bezahlen.

Und als ob das nicht schon genug wäre, haben die Sicherheitsbeamten auch gleich noch das Meerglas (Scherben, die vom Meer durch den Wellengang zu runden schmucken Stückchen gemacht werden) aus dem Koffer meiner Tochter gefischt. Ebenfalls etwas, was die Enkeltochter mühsam gesammelt hat. Glas! Aus dem Meer! Notabene Glas, das da nicht hingehört …!
Und auch da wären wieder die 1000 Euro Bussgeld fällig gewesen, wenn der Schwiegersohn nicht gut hätte erklären können.

Meine Güte, was für ein Theater! Dann wurde ich noch abgegrabscht und man wollte von uns wissen, wieviel Geld wir dabei hätten. Ihr glaubt ja gar nicht, wie gerne ich provokant gesagt hätte, es seien so um die zwei Millionen Euro. Aber ich habe die Klappe gehalten und bin brav geblieben, was mir weiss Gott schwergefallen ist. Das Problem ist halt nur, dass die Italiener – wenn sie einmal sauer sind – einen bis auf die Unterhosen ausziehen können und man dann nie nach Hause kommt.

P.S.: Dass man auf der sardischen Insel aber für jeden Mückenschiss inzwischen ein Vermögen bezahlt, das finden die Sarden total in Ordnung. Hach, die Logiken dieser Welt …

Dinge, die keiner sehen möchte …

… aber da müsst ihr jetzt durch!!!!

Ja, ich war schon mal schlanker, jünger, straffer und weniger verbrannt. Und ich hatte auch schon die Bikinihose mal besser hochgezogen, als auf dem Bild. Aber um meinen Beitrag zu verstehen, müsst ihr alle da draussen leider dieses Bild sehen … SORRY!

Ich habe es also geschafft, mich am letzten Ferientag noch zu verbrennen. Keine Ahnung, wie ich das mit Schutzfaktor 50 geschafft habe … aber es ist passiert. Und im Frust habe ich mich nur noch halbpatzig angezogen und habe mich in Richtung Hotelzimmer verabschiedet. Duschen und einfach ignorieren – so mein Plan.

Der Plan kam anders. Es hat geklopft an meiner Türe und meine Enkelin stand mit ihren Duschsachen vor der Türe.

„Hallo Grosi – ich komme zu Dir zum Duschen, dann kann ich Dir nämlich den Sonnenbrand eincrèmen.“

Was für eine gute Idee.

Zusammen haben wir also geduscht, uns gegenseitig eingeseift und gelacht. Und nach der Dusche habe ich die Kleine eingecrèmt und ihre langen Haare entknotet.

Und dann war sie an der Reihe.

„Setz Dich aufs Bett, Grosi, damit ich Dich eincrèmen kann.“
Das habe ich gemacht.

Sie hat das Après Sun genommen und mich genüsslich damit eingesprayt und sich amüsiert, weil ich bei jedem Sprühstoss gequietscht habe.
Dann hat sie mit ihren kleinen Händen alles gegeben. Und als sie in Richtung unterer Rücken kam, meinte sie auf einmal trocken:

„Dieses komische Geräusch ist im Fall nicht von mir, Grosi. Das sind Deine Pobacken, die klatschen!“

Leute, ich weiss nicht, wann ich das letzte mal so gelacht habe. Und wie sagt man so schön:

Kindermund tut Wahrheit kund.

Trautes Heim …

… Glück allein. Happy, wieder zu Hause zu sein.

Seit dem Tod des Göttergatten habe ich schon so vieles gemacht, was ich mir fast nicht zugetraut hätte. Und es hat bis dato alles recht gut funktioniert.

In den Familien-/Freundeferien im Süden Sardiniens war es diesmal ein bisschen anders. Es war schön – zweifellos. Aber ich habe gekämpft. Mit der Trauer, mit unfassbar starken Emotionen und gegen mich und mein Bedürfnis, aus dem Paradies abzureisen. Der Göttergatte hat noch nie mehr gefehlt, als in genau DIESEN Ferien!

Nun, ich habe mehrfach mit dem Gedanken gespielt, einfach nach Hause zu fliegen. Aber ich habe es nicht getan. Und ich bin ein bisschen stolz auf mich. Viele mögen jetzt denken, dass es kein Kunststück ist, im Paradies zu bleiben anstatt abzuhauen. Ich kann bestätigen: ES WAR EIN KUNSTSTÜCK für mich.

Selbst der schönste Ort der Welt kann zu Alcatraz werden, wenn der Trauertsunami einen überfällt. Da scheint sogar das türkisfarbene Meer auf einmal wie eine schwarze Suppe …

Aber ich habe mich nach 3 Tagen wieder fangen können und habe zurück in die Spur gefunden. Nicht zuletzt, weil meine beiden Enkelkinder sich so über das wunderbare Meer, ihre neuen Schnorchelerlebnisse und die vielen Fische gefreut haben. Und wenn diese kleinen Menschen mich anstrahlen und sagen, dass sie es wunderbar finden, dann lässt mich das über mich hinaus wachsen.

Zugegeben, so hart habe ich noch nie gekämpft. Aber ich habe ins Spiel des Lebens zurückgefunden und bin nun wieder in der Spur. Ich bilde mir keineswegs ein, dass das der letzte Absturz war, aber ich hoffe, dass ich mit jeder durchgestandenen Erfahrung stärker werde und die Tsunamis irgendwann zu gut handelbaren Wellen werden.

Mit Sicherheit würde der Göttergatte jetzt sagen: „Gut gemacht, ich hab doch gesagt, dass Du alles schaffen kannst.“

Ja, aber es ist nicht immer einfach!

Ein halbes Jahr …

… seit Du nicht mehr da bist!

Heute ist es auf den Tag genau ein halbes Jahr her, seit ich Dich das letzte mal umarmen konnte. Es fühlt sich gerade furchtbar an.

Ich habe Dir eine gute Reise gewünscht und Du hast Deine Augen für immer geschlossen. Mir war klar, dass es für immer sein würde. Allerdings war mir nicht ansatzweise klar, wie weh diese Endlichkeit tun wird.

Bestimmt schüttelst Du jetzt irgendwo verständnislos den Kopf und sagst:

„Sei froh, dass Du mich los bist. Ich habe Dir so viele Sorgen gemacht, die Du nun nicht mehr haben musst.“

Mick, Du hast keine Ahnung! Ich habe mir Deinetwegen wohl viele Sorgen gemacht, und es waren nicht immer einfache Jahre auf dem Onkoplaneten. Aber die Zeit ohne Dich, die ist auch nicht gerade ein Spaziergang. Es gibt Phasen, das funktioniert alles bestens und ich gehe aufrecht durchs Leben. Und dann gibt es die Tsunamis, die aus dem Hinterhalt zuschlagen und mich so richtig aus der Bahn spülen. Ja, das kann auch wunderbar am schönsten Strand in den Ferien passieren, wie ich gerade unschwer erleben kann.

Ich versuche gerade einzuordnen, dass ich nie wieder

… von Dir umarmt werde …
… mit Dir blöde Sprüche machen kann …
… über Deine Ess-Flecken auf dem Bauch lachen kann …
… von Dir getröstet werde, selbst wenn es Dir schlechter geht …
… von Dir gesagt bekomme, dass alles irgendwie gut wird …
… in den Ferien beim Tanzen von Dir getreten werde …
… mit Dir zusammen über unsere Enkelkinder staunen kann …
… irgendetwas mit Dir zusammen tun kann.

Status? RICHTIG BESCHISSEN!!!!

Ja, die vermeintlich Starke knickt grad übel ein. Du würdest es nicht verstehen, weil Du immer dachtest, es müsse einfacher sein ohne Dich und den Krebs. Und es gibt Phasen, das fehlt mir diese Zeit nicht – aber NUR DIESE Zeit, in denen ich akut Angst haben musste. Alles andere fehlt. Vor allem aber fehlst Du!!!

Und Dein Satz: „Ich habe kein Angst um Dich, Du wirst das locker schaffen“, der war nur ein klitzekleines bisschen richtig. LOCKER ist es aber nicht einmal vielleicht. Im Gegenteil. Es ist ein verdammter Marathonlauf. Vorher bin ich 8 Jahre lang immer gespurtet mit einem neuen Ziel. Jetzt bin ich seit einem halben Jahr in einem Marathon, bei dem mir das Ziel nicht klar ist. Mal geht es besser, mal weniger. Im Moment gerade weniger …

… ich vermisse Dich!

« Ältere Beiträge Neuere Beiträge »

© 2026

Theme von Anders NorénHoch ↑