… alleine, tut weh!
Seit Deinem Tod habe ich schon so unglaublich vieles alleine durchgestanden, erlebt, abgearbeitet oder einfach gemacht. Deinen Geburtstag, die Geburtstage unserer Kinder, die Geburtstage unserer Enkelkinder, der Geburtstag meiner Mama (der Papa folgt als letzter) und nun war es vor wenigen Tag mein Geburtstag.
Wir haben zu Lebzeiten nie eine grosse Sache aus unseren Geburtstagen gemacht. Bis Deine Diagnose kam! Ab da war Dein Geburtstag jedes Jahr ein weiterer Meilenstein in unserer Onkogeschichte. Und ab da war Dir auch wichtig, dass ich meinen Geburtstag feiere, weil es auf einmal nicht mehr selbstverständlich war, dass man seinen Geburtstag feiern kann.
Mir war – sorry Mick – so gar nicht nach feiern zumute. Ich hatte einfach den ganzen Tag kalten Schweiss am Körper, mir war schlecht, ich hatte Schmerzen in den Knochen und ich war mir sicher, dass ich demnächst einbrechen würde.
Nun, ich bin nicht total eingebrochen – zumindest nicht äusserlich. Innerlich aber irgendwie schon. Für mich wurde gesungen, die Enkel haben gelacht uns sich über Kuchen und Budderli (Windbeutel) gefreut und es war alles lecker und wie immer. ODER EBEN NICHT! Es wird nie mehr, wie es immer war.
Diese inneren Kämpfe an all diesen Daten, die ich zum ersten Mal ohne Dich erlebe, machen mich manchmal so kaputt, dass ich in eine Ecke kriechen und nicht mehr rauskommen möchte. Das Loch, dass Du hinterlassen hast, ist unbeschreiblich. Und es tut immer weh. Nicht immer gleich schlimm – aber es ist immer da.
Wie oft habe ich Dich gefragt, ob ich es alleine schaffen werde. Du hast immer gesagt: „Logisch wirst Du, weil Du stark bist. Und Du wirst auch nicht alleine sein.“
Stimmt – ich bin gut eingebettet, also eigentlich optimal eingebettet. Aber in der Seele bleibt man alleine – diese Kämpfe kann man nur alleine kämpfen und aushalten muss man es auch alleine. Und ja, ich bin stark, aber es fühlt sich an manchen Tagen einfach nur furchtbar an und dann könnte ich schreien, wenn mir wieder einfällt, dass Du mich immer als stark bezeichnet hast. Dann fühle ich mich nämlich einfach nur schwach, alleine, klein und traurig.
Ich frage mich manchmal, wie Du umgekehrt mit der Situation umgehen würdest. Ich weiss es nicht. Du hast immer gesagt, dass Du froh seist, dass es nicht umgekehrt sei, weil Du damit niemals umgehen könntest.
Nun, aktuell ist meine Seele und mein Körper auch gerade im Leidensmodus – und ich versuche mit aller Kraft, mich da wieder rauszukämpfen.
Mick, es ist nicht einfach ohne Dich.
Die Liebe bleibt für immer – und damit auch der Schmerz.
Ich schicke Dir eine feste Umarmung zur Venus.




