von süss bis ungeniessbar

Klaus-Dieter in Malle

Nun, ich wollte ja eigentlich nicht an die vielen Klischees der Deutschen auf Mallorca glauben. Aber liebe Leser-/innen: ES GIBT SIE WIRKLICH!

Da liegen wir gemütlich am ziemlich vollen Strand von Port Alcudia und hinter uns platziert sich eine deutsche Familie aus Münster. Das ist soweit noch absolut unspektakulär. Bis Klaus-Dieter nach der 6. Dose Bier (getrunken in 60 Minuten) angefangen hat, ganz Münster durchzutelefonieren (per Facetime, versteht sich) und all seinen Freunden zu zeigen, wo er sich gerade befindet. Die Lautstärke und Tonalität seiner Stimme entsprach der eines Autos OHNE Auspuff. Ich habe mich umgedreht, weil ich sehen wollte, welcher Proll da mit soviel Grosskotz im Blut jedem zeigen muss, wo er gerade ist. LACHFLASH. Klaus-Dieter war ca. 1.58 klein, Vollglatze, schmächtig, weisshäutig und extrem unsympathisch. Sein Ego war dafür rund 2 Meter gross und in seiner Wahrnehmung war Einstein sein Lehrmeister.

Dann ging’s so richtig los:

Klaus-Dieter ins Telefon: „Hey Henrik, Du glaubst nicht, wo ich gerade bin – guck, besser als Münster.“
„Hey Bro, wie geil ist das denn – was macht ihr so?“
„Gestern waren wir in Arenal, voll genial. Jetzt Alcudia. Ich glaub ja, dass ich nicht nach Münster zurückflieg – ich geh direkt weiter nach Bangkok; Du weisst ja, gell!?“ (Gruseliges Rauchergrölen).
„Ich verstehe, Bro, mach das!“

Klaus-Dieter konnte übrigens auch nicht ins Meer, ohne eine Bierdose in der Hand zu haben. Schwimmen ohne zu saufen geht nicht – Klischee halt.

Übrigens hat Klaus-Dieter seiner lieben Ehefrau in den 2 Stunden, bis sie die Flucht ergriffen hat, x-mal erklärt, dass sie zu den dämlichen 99% der Bevölkerung gehört, die keine Ahnung von Fussball haben.

Sie: „Woher willst Du wissen, dass es nur 1% gibt, die Fussball verstehen?“
Er: „Weil ich das weiss! Ist doch logisch!“
Sie: „Und warum weisst Du, dass ich zu den anderen 99% gehöre?“
Er: „Weil Du eine Frau bist, Schatzi, auch logisch!“
Sie: „Was soll der Scheiss, es gibt auch Frauenfussball!“
Er lachte laut und hässlich: „Frauenfussball? Willst Du mich verarschen? Das ist doch kein Fussball, das ist lächerlich!“

Ich weiss nicht, wann ich das letzte mal mit so verachtendem Blick jemanden angeschaut habe. Die Frau hat sich dann verdünnisiert. Er kurz darauf auch.

Klaus-Dieter hat also sämtliche Klischees bedient, die ich jemals erlebt habe. Schlimmer geht immer ….

Diskretionsabstand

Kennt ihr sie auch, die hiesigen kleinen Bankfilialen, die in etwa die Grösse einer Hundehütte haben? Bei uns gibt es von diesen noch so einige, schliesslich leben wir auf dem Land. Und da steht zwar bei der Bankfiliale an der Eingangstür ein Schild, auf welchem steht „Bitte Diskretionsabstand wahren“, es könnte aber auch genauso gut stehen, dass man draussen warten soll. Es ist in diesen Minifilialen nun einmal nicht möglich, dem Vordermann (oder der Vorderfrau) nicht im Nacken zu sitzen. Und weil wir ja ein ganz offenes Völkchen sind, haben die meisten Bankfilialen auch die Glasfronten zwischen Berater und Kunden verschwinden lassen. Alles offen, alles sehr familiär. Prima – vorausgesetzt, es kommt nicht zu peinlichen Situationen. Weiterlesen

Hundetrainerin

Meine Güte, Leute – ich werde sowas von erzogen … mehr geht gar nicht! Ich gehe durch eine echt harte Schule. Eigentlich hatte ich ja die Hundetrainerin engagiert, um meinem Hund beizubringen, dass er nachts schlafen soll. Dumm nur, dass die Hundetrainerin der Meinung ist, dass das Problem eigentlich bei mir liegt. Zu wenig konseuqent, zu wenig ernst, zu wenig dominant. Und all das, obwohl ich immer dachte, ich wäre Misses Perfect.

Das Schlimmste daran: Ich bezahle Geld dafür, dass ich mich mit fast 50 Jahren noch erziehen lassen muss. Hilfe! Wie gut, dass ich mich mit der Trainerin so gut verstehe, sonst würde ich es ihr vermutlich übel nehmen. Ich meine, Sätze wie:

„Stell Dich gerade hin – Deine Körperhaltung ist zu wenig dominant.“
„Setz Dich mal durch, auch wenn es bedeutet, dass Du laut werden musst!“
„Die kleine Motte verarscht Dich, und Du merkst es nicht.“
„Du bist doch eine gestandene Frau, also zeig der Kleinen, wo es lang geht, los.“

…ja, das sind Sätze, die mir nicht jeder einfach so sagen dürfte. Und ich finde es lustig, dass die Hauptarbeit eines Hundetrainers eigentlich jene mit dem Hundehalter ist. Nicht etwa mit dem Tier – nein, mit dem Halter … oder in meinem Fall eben mit der Halterin.
Gerade kürzlich musste ich mir nämlich von der Hundetrainerin anhören: „Nun ja, ich glaube ja, dass Ellie es schon lange kapiert hat. Jetzt müssen wir es einfach noch in Deinen Schädel bringen.“ Dankeschön!

Ja, ich bezahle also Geld dafür, dass man mich regelmässig auf meine Defizite aufmerksam macht, und ich bin dankbar dafür. Ich lerne unglaublich viel über mich, meine Körpersprache und meine Zeichen, die ich unbewusst gebe. Ich bin in Sachen Erziehung einfach ein Weichei – das habe ich inzwischen definitiv kapiert. Und ja, die Hundetrainerin hat recht. Ich arbeite an meiner konsequenten und disziplinierten Linie! Und wenn ich die Veränderung bei mir und meinem Hund so anschaue, dann hat sich die Investition bereits sehr gelohnt. Hätte ich mal vor der Pubertät meiner Kinder gewusst, was eine Hundetrainerin so alles kann – ich hätte eine gebucht. 1000 mal effizienter als jede Kinderpsychologin oder Mütterberaterin!

Test nicht bestanden

Ich bin viel in der Natur unterwegs – Hund sei dank! Und ich habe die Angewohnheit, jede/n zu grüssen, die/der mir begegnet. Das scheint aber nicht mehr üblich zu sein. Ganz im ernst: Ist es so schwierig, den Gruss abzunehmen? Fällt eine Zacke aus der Krone, wenn man zurück grüsst? Und weil ich mir nicht sicher war, ob es an mir liegt, habe ich nun dreimal in verschiedenen Konstellationen den ultimativen Grusstest gemacht. Weiterlesen

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