von süss bis ungeniessbar

Konversation auf 2021-isch

„Gehen wir heute – ähm … Moment mal …“, A scrollt durchs Handy während B fragt:
„Was suchst Du?“
„Ist jetzt heute das Möbelhaus in Hinterarschfaltigen geöffnet oder nicht?“
B so: „Wie geöffnet, ich dachte, alles hat zu!“
A interventiert: „Nein, in manchen Kantonen nicht:“
B erwidert: „Und in welchen?“
A genervt: „Das suche ich doch grad auf meinem Handy!“

C läuft dazu. „Na Leute, was läuft?“
A und B unisono: „Wenn wir das wüssten!“
C so: „Hä, wieso das denn?“
A nervös am Handy suchend: „Weil wir nicht wissen, ob in Hinterarschfaltigen der Möbelladen geöffnet hat.“
C versichert: „Nö, die haben alle zu – nur Güter des täglichen Bedarfs haben geöffnet.“
B fragt: „Wenn ich meinen Stuhl täglich brauche – ist er dann nicht ein Gut des täglichen Bedarfs?“
A zischt: „Stimmt – wer zum Teufel bestimmt, was wir täglich brauchen?“
C so: „Geh doch mal auf die Bundesseite – da steht das bestimmt drauf!“

… und dann lachen A und B und C herzlich und spazieren mit insgesamt drei Metern Abstand von dannen …

… wäre es nicht so traurig, wärs lustig!

… tschüss 2020 …

… Du hinterlässt tiefe Spuren – nicht nur in den Geschichtsbüchern, sondern auch in unseren Köpfen, Seelen, Körpern und Familien.

Ich habe viel gelernt – soviel wie selten in meinem Leben. Lernen bringt einen vorwärts. Ja, das hat es getan, schliesslich habe ich 2020 überlebt – und das ist nicht selbstverständlich!

Leider habe ich aber auch gelernt, dass der Mensch ganz offensichtlich lange nicht so gut ist, wie ich immer dachte. Solidarität ist wunderbar, aber für die meisten nur kurz – dann ist genug Solidarität! Zusammenhalt ist wichtig, aber für die meisten auch nur solange, bis es an ihre persönliche Freiheit geht. Verzicht ist nötig; wirklich kapieren tun das aber nach wie vor ganz viele nicht.

Alle verschicken munter Sprüche und Bilder für ein bessere neues Jahr. Hinter jedem dieser Bilder steckt für mich die Frage: Ihr wisst aber schon, dass nur WIR ALLE es in der Hand haben? JEDER EINZELNE von uns!!! Und weil ich das weiss, macht mir das neue Jahr eigentlich nur Angst. Ich habe begreifen müssen, dass ich nicht für die anderen aufpassen kann. Ich kann es nur für mich tun. Was andere aus den Ereignissen lernen, das kann ich leider nicht beeinflussen. Und deshalb habe ich in diesem Jahr unglaublich Mühe, mich auf ein besseres Jahr zu freuen. Stattdessen befürchte ich, dass 2020 nur der Trailer für 2021 war, welches all das noch toppen wird.

Ich stelle fest:

Gesunder Menschenverstand – nicht vorhanden …
Mutige Politiker – zu schwach vertreten …
Klare Ansagen – nie da gewesen …
Einheitliche Richtung – abhanden gekommen …
Vertrauen – bröckelt vor sich hin …
Zuversicht – ersetzt worden durch Frust …

Und weil mich das alles sehr erschüttert, habe ich unendlich Mühe, Silvester zu zelebrieren und auf ein gutes neues Jahr zu hoffen. Letztlich ist es nur ein Kalenderblatt, das in dieser unbegreiflichen Geschichte umgedreht wird.

Bleibt gesund – das ist das einzige, was ich euch wünsche!

Dezembermärchen Teil 4

Es ist Weihnachten und ich sitze am Computer – das ist doch schon mal sehr besonders. Zuvor war ich aber mit meiner Mama und mit klein Ellie auf einer abendlichen Tour durchs Dorf. Es ist zwar arschglatt und saukalt (es stürmt mit gefühl 100 km/h) und Ellie fand das mässig cool. Mama und ich lieben es aber. Und wir sind „gwunderig“.

Ich wollte ihr ja die kleine hässliche Knolle zeigen, die mir in letzter Zeit ständig begegnet. Aber: Fehlalarm. ES war nicht unterwegs. Und wir waren extrem überrascht!

Also haben wir uns angemasst, in die hübsch dekorierten Wohnzimmer der Menschen im Dorf zu gucken. Und was wir gesehen haben, hat uns gefreut. Kleine Familien – keine Partys – nirgends eine Menge Autos und sogar Hartgesottene, die dem Sturm im Garten trotzten und über der Feuerschale verzweifelt versuchten, ihre Marshmellows zu bräteln. Das ist bei soviel Wind eine ziemliche Challenge. Wir waren echt unfassbar positiv überrascht, dass offenbar die meisten den ernst der Lage erkannt haben. Wie schön! Wir sind also noch nicht ganz verloren. Das lässt hoffen!

Danke an alle da draussen, die Covid den 19. aus Wuhan nicht zu einer Riesenparty eingeladen und sich an den kleinen Kreis mit Abstand gehalten haben.

Wenn ihr jetzt noch den Jahreswechsel mit derselben Disziplin schafft, dann könnte das nächste Jahr wieder Lichtblicke haben.

Dankeschön 🙂

Dezembermärchen Teil 3

Jaja, ich weiss – ihr wisst wie das Märchen beginnt: Ich gehe mit klein Ellie auf meinen abendlichen Rundgang … RICHTIG!

Es regnet, es ist düster und die Stimmung ist am Tiefpunkt angelangt. Zumindest dachte ich das bis zum kleinen Strässchen, wo es immer stockdunkel ist. Da leuchtet etwas in hellem Orange auf einer Steinmauer. Ellie hat die Rute mal wieder tief und die Nackenhaare hoch. In meinem Kopf geht schon wieder das Karussell vom Covid dem 19. aus Wuhan los.

„Ich kenn Dich schon“, rufe ich dem orangefarbenen Knollen entgegen und gehe näher ran.
„No, you can not kenn mich!“
„Aha, inzwischen hast Du noch die Sprache verlernt?“ fauche ich übellaunig.
„No, this is my Sprache – my Name is Mutanto änd I am from London.“
„Wie jetzt? Du bist doch noch gar nicht bei uns in der Schweiz – dachte ich zumindest?“ Ich gucke es verwundert an.
„You dachtest wrong! I travelled in a Koffer with a Skiurlauber and now I am here.“
„Und was willst Du hier?“
„I am waiting for a Dubeli ohne Maske and with einer grossen Family!“
Ich überlege, ob ich es einfach tot treten soll. Aber dann wäre ich zu einem Kontakt gezwungen – und wer will schon Kontakt mit solch einer hässlichen Knolle?

„Guck mal – könnten wir nicht einen Deal machen? Du haust wieder ab und wir killen Dich dafür mit der Impfung nicht!“
„I am sehr sorry, böt das ist zu spät. My family änd my friends are schon in den Hotelrooms der Skigebiete.“
„Und was machen die da?“
„Waiting for the big Partys für Weihnachten änd Silvester. Your Party is our Party, Du weisst! We leben from your Parties!!“

Ich schäume vor Wut. Und schreie ihn auf Englisch an:
„Fuck off, stupid ugly Virus!“
Es ganz ruhig: „Do not aufregen, I äm not dumm. Dummheit is your problem!“ Mit einem fiesen Grinsen verschwindet es im Regen …
Jetzt geht also nur noch volle Pulle mit dem Impfen – aber subito. Und dabei hoffen, dass wir diese Viecher allesamt killen!

Was zum Geier begegnet mir eigentlich noch so alles auf meinen nächtlichen Spaziergängen mit Ellie – so langsam wäre mein Bedarf an hässlichen Knollen gedeckt.

In diesem Sinne: Haltet die Füsse still und den Abstand gross – und denkt daran – DIESE VIECHER SIND NUR SO STARK, WIE WIR SCHWACH UND DUMM SIND!!! Frohe Weihnachten 🙂

Dezembermärchen Teil 2

Wie immer: Mein Abendrundgang mit klein Ellie und ich bestaune die vielen wunderbaren Weihnachtsbeleuchtungen der Häuser. Bis mir ein komisch bunter Haufen farbig leuchtender Punkte auffällt. Er ist anders als die anderen – er ist ständig in Bewegung und passt so gar nicht ins schöne Bild der Weihnachtslichter. Ich gehe näher hin und Ellie knurrt. Da erkenne ich die kleine grüne Schrumpelkartoffel mit den Pickeln mittendrin. Ja, genau der kleine grüne Kerl mit den fetten Patschhändchen, der mir letzthin schon im Weg stand.

„Hey, dich kenn ich doch!“ trötet er frech aus dem Gewusel raus.
„Ja, Du bist doch dieser Covid der 19. aus Wuhan, oder?“
„Genauuu!!!“ er klatscht freudig in seine gruseligen Patschände und kreischt: „Ich habe meine Familie dabei!“
„Aha – und was wollen die alle da?“ Ich studiere dabei all die bunten hässlichen Gesichter mit ihren Pickeln, die da wild drucheinander hüpfen und ziehe mein Gesicht noch tiefer in meinen Schal.
„Die freuen sich alle schon mächtig auf die diversen Reisemöglichkeiten, die sich ihnen bieten. Wir stimmen uns auf die grosse Megaparty ein – gemeinsam!“
„Welche Megaparty?“ frage ich erstaunt.
„Wo lebst Du?“, fragt mich klein Covid frech.
„Zuhause“, antworte ich knapp.
Er so: „Ach so, deshalb kennst Du die Party nicht. Die läuft derzeit tagsüber in den Städten!“
„Echt jetzt?“ Ich verstehe nur noch Bahnhof.
„Klar, da kommen ganze Scharen von gestressten Reisegelegenheiten und drängeln in diese Häuser mit den Spielsachen und Fernsehern und all dem bunten Zeug. Die kann ich doch nicht alle alleine begrüssen. Dafür brauche ich Verstärkung!“
„Oh – so macht ihr das also? Findest Du das nicht fies?“ ich gucke böse.
Er so: „Wieso fies – wir suchen ja nicht bewusst – wir warten nur und steigen zu, wenn sich die Gelegenheit bietet. Und es bieten sich massig Gelegenheiten.“
„Und warum lasst ihr uns nicht einfach in Ruhe?“ ich fauche inzwischen beim Sprechen.
„Warum sollten wir? Wir leben von euch – und ihr lasst uns leben. Und ich bin ja kein Egoist. Partys feiert man nicht alleine – also habe ich meine Freunde noch gerufen – die treffen alle in Kürze auch ein.“
Er sagt das und seine ganzen bunten und hässlichen Familienmitglieder hüpfen wie die Irren hoch und runter.

Ich schaue ratlos in diesen bunten Haufen und Ellie hat inzwischen ihre Rute zwischen die Beine geklemmt. Sie winselt leise. Ich koche innerlich.

„Du weisst schon, dass ich euch alle gerne totschlagen würde?“ fauche ich den hässlichen Schrumpelknollen an.
„Echt jetzt? Schade, ich liebe euch alle sehr. Ihr seid so nett und serviert mir immer wieder neue Reisemöglichkeiten auf dem Silbertablett. Grad gestern bin ich mit einem Zweibeiner mit komischen Dingern an den Füssen einen weissen Hang runtergedüst. Davon hatte es dort so viele, dass ich meine Familie auch zur Verstärkung rufen musste.“

Ich schüttle den Kopf und flüstere: „Du weisst gar nicht, wie sehr ich euch alle hasse!“
Er so: „Warum denn? Wir nehmen nur, was ihr uns anbietet! Und jetzt müssen wir los – wir bereiten uns auf unseren Tag vor den grossen Häusern mit den bunten Sachen vor!“

Der bunte und wirre Haufen verschwindet im Dunkeln und ich gehe irritiert meinen Rundgang mit klein Ellie weiter. Mir läuft es immer wieder kalt den Rücken runter – aber nicht, weil es Winter ist … nein: Mir macht Angst, was da noch alles auf uns zukommt. Und Angst ist ein schlechter Begleiter. Aber die kleine Schrumpelkartoffel und sein Gefolge scheinen weit cleverer zu sein als wir.

Das macht mich traurig …

« Ältere Beiträge Neuere Beiträge »

© 2026

Theme von Anders NorénHoch ↑