Ich gehe ziemlich eindeutig auf die 50ig zu. Und ich kenne diverse, denen es genauso geht. Manche von ihnen haben die 50ig auch schon überschritten. Dabei handelt es sich sowohl um Männer, als auch um Frauen. Und diverse dieser Menschen sind auf Jobsuche. Ein schwieriges Unterfangen, wenn man eben die 50iger-Grenze mal überschritten hat. Ich dachte ja immer, dass Erfahrung Gold wert ist. In Tat und Wahrheit scheint für die meisten Erfahrung einfach nur viel zu teuer zu sein. Also, eigentlich wäre ein Wunschkandidat 25-jährig, müsste aber trotzdem 15 Jahre Erfahrung haben und sollte mit dem Mindestlohn zufrieden sein. Hallo? Weiterlesen
Viele meiner Blogleser-/innen sind gleichzeitig auch Familienmitglieder, Freunde oder Kundinnen in meinem Geschäft. Für die ist es nicht neu – für alle anderen: Ja, ich schliesse meine beiden Läden in der Ambassadorenstadt Solothurn defintiv im Sommer. Und ja, ich ziehe mich gänzlich aus dem Textilmetier zurück. Nach 10 Jahren ist mir mental die Puste ausgegangen. Die Onlineshopper und die Eurolandhopper haben mir noch den letzten Nerv geraubt. Der Kampf um jeden Kunden wurde täglich härter und die Bedingungen für kleine Geschäfte immer unfairer. Grosse Billiggiganten zwingen kleine Geschäfte in die Knie und jene Idioten, welche sich bei uns nur noch zum Kaffeetrinken sehen liessen, um uns dann zu erzählen, wie günstig sie all die Dinge schon in Konstanz eingekauft hätten – ja genau jene hätten mich irgendwann zur Schlägerin werden lassen. Drum habe ich beschlossen, die Reissleine zu ziehen. Weiterlesen
Dies, meine lieben Leser/innen, ist ein Gastbeitrag einer guten Bekannten aus dem Emmental:
Warum assoziiert man mit dem schwarzen Schaf eigentlich etwas Schlechtes? Wenn alle Schafe weiss sind und eines schwarz (was ich persönlich hübscher finde, weil weiss zu schmutzigem Beige wird), dann ist es doch nur anders.
Bleibt die Frage, ob anders schlecht ist.
Also ich bin Zeit meines Lebens schwarz im Sinne von anders. Ja ok, mein Haar ist dunkel, aber das gibt es ja öfters. In meiner Heimatstadt Düsseldorf fiel ich damit nicht so auf. Eher mit meiner etwas rebellischen Art, und mit der Verweigerung, mit dem Strom zu schwimmen und Männer als Mass aller Dinge zu akzeptieren.
Mit Anfang 20 machte ich mich dann auf ins Land wo Milch und Honig fliessen, die Kühe lila sind und der Käse riesige Löcher hat. Das Land, in dem Heid, Peter und der Almöhi jodelnd die Berge runterrodeln. Und ich wurde die erste Frau, die in der Schweiz Autos verkaufte (kein Scheiss) – ein schwarzes Schaf eben!
Das grenzte schon beinahe an Gotteslästerung – sowas geht offenbar gar nicht!
Ich hörte tatsächlich Sätze wie: „Du nimmst den Männern die Arbeitsplätze weg. Frauen bleiben daheim, versorgen die Kinder und hüten das Feuer.“ Kein Witz! Ich glaubte zunächst an eine besondere Art Humor – aber ich lachte nicht lange darüber. Als nächstes kam der mit dem Hitler. Deutsche!!???? Sie schlugen das Kreuz, hängten sich Knoblauchketten um den Hals (sinnbildlich) und diskutierten mit mir über Judenvernichtung und Weltkrieg, obwohl ich öfter darauf hinwies das ich 1960 geboren wurde, der Krieg aber 1945 beendet war. Ein schwarzes, hochdeutsch sprechendes Schaf also.
Ich lernte meinen zukünftigen Ehemann kennen, seines Zeichens Emmentaler, Geschäftsmann, Offizier und A-Liga Eishockeyspieler – also ein Vorzeigeschweizer. Er brachte mir bei, dass im Emmental noch der Handschlag zählt und dass Zusammenhalt, Neutralität und Ehrlichkeit gross geschrieben werden. Er schloss sein Auto nicht ab, selbst mit Wertgegenständen drin und auch die Wohnungstür blieb meist unverschlossen. Wir sind schliesslich in der Schweiz.
Wir heirateten – der Emmentaler und das schwarze Schaf.
Wenn wir mit den 3 Kindern durchs Emmental fuhren, konnte es passieren, das er unvermittelt mitten auf der Strasse anhielt, pathetisch mit dem Arm in die Runde deutete und ausrief: „Kinder, das ist Heimat!“ Und die Kids verdrehten die Augen und stöhnten: „Jetzt kommt der schon wieder mit seiner Heimat..!“
Wir zogen gemeinsam unsere 3 Kinder auf in einem Bauerndorf im Emmental auf, bauten ein Haus. Nun waren wir 4 schwarze Schafe und ein Graues. Die Kinder und ich wurden mit Vorurteilen und Neid überschüttet. An Schulfesten sassen wir allein am Tisch, eingeladen wurden wir nie und als auch noch bekannt wurde, dass ich nicht nur Deutsche bin, sondern noch italienisch-türkische Wurzeln habe, eine Harley fahre und ohne meinen Mann in den Ausgang gehe, wurden Fenster und Türen abgeschlossen, wenn ich auftauchte.
Dann passierte unser Schicksal: Wir waren gezwungen, eine Hypothek auf unsere Geschäftsliegenschaft aufzunehmen, um den darin befindlichen Garagenbetrieb zu modernisieren. Kein Problem, wie die Bank meinte. Ein gesunder, 120 Jahre alter Familienbetrieb und eine Liegenschaft an guter Lage bergen kein Risiko. Und doch wurde uns die Hypothek nach einiger Zeit unter fadenscheinigen Gründen gekündigt. Das geforderte Geld trieben wir durch den Verkauf unseres Hauses, also unseres Daheims auf. Da erhöhte die (ortsansässige) Bank ihre Forderungen. Wir schafften es noch einmal, das Geld aufzubringen, worauf die Bank den Freihandverkauf ablehnte und die Versteigerung einleitete, welche sie abrach als sie bemerkten das in unserem Auftrag jemand mitsteigerte. Wir wurden an Ort und Stelle enteignet.
Und ich sass da und dachte daran, wie mein Mann damals gesagt hatte, dass im Emmental der Hangschlag noch etwas gelte. Wörter wie bodenständig oder Zusammenhalt kamen mir wieder in den Sinn – während unsere Nachbarn, Bekannte und Freunde, Weggefährten und
Kollegen die Hand hoben, um unser Hab und Gut zu ersteigern, statt uns zu helfen. Tja … und jetzt – jetzt sind wir 5 schwarze Schafe!
Ich bedanke mich bei meiner Gastautorin für diese eindrückliche Geschichte!
Kennt ihr die Gourmet-Bibel Gault-Millau? Das ist jene Bibel, welche die besten Köche und ihre Esstempel führt. Je mehr Punkte man sich erkocht, desto höher steht man dort im Kurs. Und wer ganz oben steht, der verdient sich nicht nur Ruhm, sondern auch eine goldene Nase! Aber abgesehen davon, vor allem Druck und Zwang ohne Ende.
Gerade vor ein paar Tagen hat sich der weltbeste Koch Benöît Violier das Leben genommen. Und dies, kurz nachdem er vom Gault-Millau mit 19 von 20 möglichen Punkten in den Kocholymp gehoben wurde. Der Hang zum Perfektionismus und der Druck, diesen Standard halten zu können wurden wohl zu gross. Und leider ist er nicht der einzige in der Gilde der Sterneköche, welcher dem Druck zum Opfer gefallen ist. Schon 2003 nahm sich der Superkoch Bernard Loiseau nach der Herabstufung in der Gourmet-Bibel durch die Gault-Millau-Jury das Leben. Im Stolz getroffen, im Ego verletzt, dem Druck erlegen. Jährlich werden diese Köche ja der harten Prüfung der erlesenen Jury wieder ausgesetzt. Und man kann wohl sagen, dass die Leidenschaft des Kochens auf diesem Niveau tatsächlich Leiden schafft! 2011 hat sich Friedrich Zemanek das Leben genommen, kurz nachdem er von Gault-Millau 14 von 20 Punkten erhalten hatte. Er hatte sich mehr erhofft und konnte wohl die Enttäuschung nicht verkraften.
Alles nur Mutmassungen, aber es ist doch auffallend, dass im Kreise dieser Superköche immer wieder Selbsttötungen passieren. Das kann doch nicht gesund sein. Kochen bis in den Tod…
Jetzt frage ich mich, ob die Kochformate im Fernsehen, welche in den Vorschauen angepriesen werden mit Sätzen wie: „Der Kampf der Sterneköche!“ schlau sind? Sollte man diesen Druck tatsächlich noch schüren und unterstützen mit solchen Formaten? Ich glaube nicht! Ein ungesundes Metier mit gesundem Essen. Gäste glücklich, Koch tot. Irgendwas läuft da aber gehörig falsch – und wenn ich sehe, wie sich der Vorzeige-Fernsehkoch Tim Mälzer tödlich aufregen kann, wenn ihm im Wettbewerb etwas nicht gelingen will, dann muss ich sagen: Tödlich aufregen hat wohl noch nie so gepasst, wie im Kreise der Sterneköche.
Die Trends der Frühlingsmode hängen bereits in den Läden und in den Magazinen werden schon die nächsten Wintertrends fürs 2017 gezeigt. Unglaublich, oder!? Das Textilbusiness hat noch immer nicht begriffen, dass sich das Klima nicht uns, sondern wir uns dem Klima anpassen sollten. Es wäre daher schon lange angebracht, die neuen Kollektionen drei Monate nach hinten zu schieben. Der Kunde ist nämlich nicht selten total überfordert, wenn er im Dezember schon die Frühjahrsmode einkaufen soll. Und noch viel weniger hat der Kunde Lust, im Juli die Winterkleider zu besorgen. Aber das ist ein anderes Thema.
Derzeit sieht man überall einen Trend, den ich persönlich extrem schwierig finde. Das Teil, bei welchem sich die Geister scheiden, nennt sich Culotte.

Die Culotte war ursprünglich die Männerkniebundhose des späten 17. & 18. Jahrhunderts. Jetzt hat der Modezirkus das Ding wieder ausgegraben und die Hose zum It-Teil der Frau erkoren. Als ich diese Hose zum ersten Mal in einem Showroom gesehen habe, dachte ich ja, es wäre ein Witz. Mir kam unweigerlich das Bild des Zirkusclowns in den Sinn. Aber eben: Es gibt Trends, die man zumindest in der abgeschwächten Version einfach in einem Geschäft mitmachen muss, um dabei zu sein. Also haben wir auch für unser Geschäft solche Hosen besorgt. Inzwischen ist mir aber klar, dass die Hose – so wie auf dem obigen Bild – nur an Frauen gut aussieht, die mindestens 1.80 m gross sind und Beine haben, die bis zum Himmel ragen. Dazu sollte man vermutlich besser auch nicht mehr als 60 Kilo wiegen, sonst sieht es – mit Verlaub – bescheiden aus. Ich habe diese Culotte also selber anprobiert und stand vor dem Spiegel mit dem Gedanken, mich von einer Brücke zu stürzen, bevor ich so durch die Strassen laufen würde. Ich sah aus wie ein Nilpferd, welches man überfüttert und abgesägt hat. Irgendwie stimmte absolut gar nichts an den Proportionen und die Hose machte noch mehr aus meinen Kurven, als mir lieb ist. Und meine Beine sahen aus wie viel zu kurze Stummel.
Auch wenn ich selber die Trends immer mitgemacht habe – diesen werde ich auslassen.