Was diese beiden Themen gemeinsam haben? Ganz einfach:
Sie werden nicht angesprochen in unserer Kultur. Sie sind tabu!
Warum eigentlich?
In der „neuen Welt“, in der sich alles verändert, bleiben trotz Fortschritt gewisse Themen einfach in der Schublade versteckt. Dies, obwohl es sich dabei um dringliche Themen handelt, die uns alle betreffen. Ob im Business oder privat – unser Leben hängt unweigerlich mit dem Geld zusammen und auch der Tod hat noch niemanden ausgelassen. Es ist relativ einfach gesagt:
1. Ohne Moos nix los!
2. Keiner kommt hier lebend raus!
In der Schweiz ist das Geld ein wahres Politikum. Man schweigt es tot, wortwörtlich! Manche nehmen tatsächlich ihre Finanzen oder Schulden mit ins Grab – zum Ärger der Hinterbliebenen.
Hat man viel Geld, darf man nichts dazu sagen – es ruft die Neider auf den Plan. Hat man kein Geld, spricht man es auch nicht an – die falsche Scham steht im Weg. Kommt man mehr schlecht als recht über die Runden, verhält man sich still und versucht, bloss nicht aufzufallen.
Ähnlich verhält es sich beim Thema Tod. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass das Leben viel einfacher zu leben ist, wenn man sich rechtzeitig mit dem Sterben auseinandersetzt. Es ist ein Muss, alles gut zu regeln und sowohl im privaten als auch im geschäftlichen Umfeld zu kommunizieren, was wann wie und wo sein soll. Hat man dies einmal gemacht, lebt es sich um einiges leichter.
Ich teste den Umgang mit diesen Themen immer mal wieder sehr provokant, indem ich in unterschiedlichem Rahmen die Fragen in den Raum werfe:
„Verdienst Du eigentlich gut in Deinem Job?“
oder …
„Wie habt ihr eigentlich euer Ende geregelt?“
Ihr könnt euch sicher vorstellen, dass ich mit den unterschiedlichsten Reaktionen konfrontiert werde. Von geschockt bis überrascht ist alles dabei. Aber höchst selten öffnet sich jemand sofort und spricht über eines dieser Themen.
Mal ganz im ernst: Ihr könntet morgen über die Strasse gehen und überfahren werden. Tot! Wenn ihr euch zuvor NIE mit der Thematik auseinandergesetzt habt, dann wird das für euer Umfeld eine Mammutaufgabe. Und wenn ihr dabei noch einen heimlichen Schuldenberg oder ein riesiges Vermögen angehäuft habt, ohne dies zu kommunizieren, dann wird es richtig heftig.
Gerade Firmengründer sollten sich – trotz der ganzen Euphorie des neuen Unternehmerlebens – genau mit diesen Themen auch beschäftigen. Schliesslich soll ja eine Idee nicht mit dem Founder sterben, weil er sich nicht gekümmert hat.
Und ihr so – sind diese Themen bei euch am Tisch auch präsent, oder liegen sie in der Schublade und warten auf Tageslicht?
Als Oma zweier absolut einmaliger, aber auch extrem aktiver Enkelkinder habe ich hin und wieder das Vergnügen, die Kleinen zu Besuch zu haben.
Fazit: Jeder Supermanager kann mit seinem Pensum, seinen multitasken Fähigkeiten und seinen Diplomen einpacken. Ich ziehe meinen Hut vor allen Müttern oder Vätern, die es schaffen, ohne Blackout so unfassbar aktive Zwerge zu bändigen, ihre Bedürfnisse zu stillen, den Kühlschrank zu füllen und dessen Inhalt zuzubereiten, den Haushalt in Schwung zu halten, die Nächte zum Tag zu machen (wie gesagt, äusserst aktiv) und dabei NICHT die Nerven zu verlieren. Und all dies in Vollzeit!
Keiner wird auf diesen Fulltime-Job vorbereitet und man kann ihn auch nicht lernen. Erst wenn man Familienzuwachs bekommt weiss man, was die Überraschungstüte zu bieten hat. Und man muss sich täglich auf die neuen Situationen einstellen.
Zwei Hände sind irgendwie immer zu wenig – man müsste sich mehrere Tentakel wachsen lassen, um überall rechtzeitig Unheil abzuwenden. Und bei aller Liebe zu diesem „Job“, so kommt man ständig an seine Grenzen und geht gezwungenermassen darüber hinaus.
Auch als Oma komme ich – trotz jahrzehntelanger Erfahrung – immer wieder an meine Grenzen. Und auch bedingungslose Liebe macht die Verantwortung für diese kleinen Menschen nicht weniger.
Ich stelle mir hin und wieder vor, wie ein CEO eines Unternehmens reagieren würde, wenn seine Angestellten morgens schon die Büroräume einmal von rechts auf links drehen würden, um danach gleich lauthals zu motzen, dass es einfach viel zu wenig Arbeit hat, die Spass macht. Und anstelle von Feierabend würde die Belegschaft mit einem Sitzstreik demonstrieren, dass die Arbeitszeiten ziemlich bescheiden sind und man deshalb die Türe so lange verbarrikadieren wird, bis es mehr Geld gibt. Dabei gilt es immer zu beachten, dass man die Belegschaft nicht verliert. Sämtliche Verhandlungsgespräche können kläglich scheitern und der CEO müsste sich eine (Über)-Lebensstrategie überlegen, um irgendwie zur Ruhe kommen zu können und das Unternehmen am Laufen zu halten.
Der Job des Familien-CEO’s beinhaltet so viele Aufgaben und erfordert dementsprechend viele Kompetenzen, dass er mit Geld gar nicht aufgewertet werden kann. Zumal die Familien-CEO’s den Nachwuchs für die Welt da draussen grossziehen.
Wer das Familienmanagement beherrscht, kann eigentlich in jedem Unternehmen bestehen. Gäbe es für jede Kompetenz ein Diplom, wäre der Ordner ganz schnell voll.
Wenn belastbare, multitaskingfähige, nervenstarke, geduldige, aufmerksame, kreative und selbständige Angestellte gesucht werden, müsste eigentlich das Augenmerk auf die Familienmanager gelegt werden (egal, ob das die Mutter oder der Vater ist).
Familien sind Unternehmen, die alle Belangen des Lebens abdecken müssen. Es gibt keine Schule, die all dies abdeckt.
Ich breche eine Lanze für alle Fulltime-Familymanager!
Unzählige Jahre habe ich mich über den Begriff Mutterschaftsurlaub genervt. Ich kenne nicht EINE einzige Mutter, welche die Zeit mit dem Neugeborenen als Urlaub bezeichnen würde. Und ich bin selber auch Mama und habe es eher als
SURVIVAL – CAMP
erlebt!!! ????
Du kommst mit einem Säugling nach Hause (wo möglicherweise schon die grösseren Geschwister warten) und es ist vorbei mit
???? Ruhe
???? Pause
???? geregeltem Tagesablauf
???? Nachtruhe
???? Hobbys
???? Konzentration
???? Ordnung.
Stattdessen ziehen
???? Chaos
???? Müdigkeit
???? Stress
???? hoher Lärmpegel
???? zu wenig Hände
???? unendliche Wäscheberge
???? endlose Tage und Nächte
ein.
Der Name MUTTERSCHAFTSURLAUB kann nur einem verknöcherten Beamten in einem verstauben Büro eingefallen sein. Keine Frau hätte das jemals so genannt.
Und nun kommt der Wechsel, endlich. Mit kleinen Schrittchen versucht sich die Schweiz der Realität zu nähern und nennt es ELTERNZEIT! ???????? ???????? ????????
Applaus auf der ganzen Linie!
Kinder haben nämlich nicht nur eine Mutter; sie haben Eltern. Und – wie auch immer sich die Zukunft gestalten wird – Elternzeit hat relativ wenig mit Urlaub zu tun.
Ich habe meine Arbeitstage abseits des Familienwahnsinns immer so ein klitzekleines Bisschen als Urlaub empfunden. Der Tag hatte Struktur, ich hatte Kaffeepause, konnte mein Mittagessen zu mir nehmen, ohne mich danach duschen zu müssen, weil mir Karottenbrei in den Haaren klebte und – der Lärmpegel war tief. Wenn es zu Hause mal still war, dann wusste ich: Irgendwo wird gerade etwas zerlegt! ????
Ich bin froh für die jungen Mütter, dass der unsägliche Ausdruck Mutterschaftsurlaub bald aus dem Vokabular verschwinden wird und ich hoffe sehr, dass die Schweiz sich für eine familienfreundliche Unternehmenskultur entscheiden wird.
Ich bin froh, mich für Familie entschieden zu haben – aber uns wurde es echt nicht einfach gemacht! Working mum = Rabenmutter. Genauso war das damals. Und wenn der Papa zum Backmorgen ging, dann kam die Frage: Seid ihr geschieden? ????
Durchhalten, ihr arbeitenden Eltern – es könnte besser werden!
Wir könnten jetzt alle auf den Balkon stehen und klatschen – für jene, die sich täglich im Kampf gegen die Krankheit für die Patienten einsetzen. Leider nützt das nichts – wissen wir aus Erfahrung!
Als indirekt Betroffene, die sehr nahe am Geschehen ist, begleite ich inzwischen mit Rat und Tat nicht nur meinen eigenen Herzmenschen, sondern auch andere, die nach der Diagnose im Leeren stehen.
Die Diagnose Krebs verändert alles. Das ganze Leben wird einmal auf Links gedreht. Wer Glück hat, kann es danach wieder auf Rechts drehen – mit einigen oft traumatischen Überbleibseln.
Dann gibt es aber noch jene, die ihr Leben nie wieder auf Rechts werden drehen können. Jene, die eine Diagnose bekommen, die aufzeigt, dass das Leben schneller zu Ende sein kann, als man sich das gewünscht hätte.
Und nun?
Patienten werden zugehauen mit Fachausdrücken, müssen ganz schnell wichtige Entscheidungen treffen, werden von der Onkolawine komplett überrollt und brauchen jemanden, der ihnen in diesem Labyrinth zur Seite steht. Manche haben das Glück, einen Onkomanager an der Seite zu haben – in der Familie oder im Freundeskreis.
Dann gibt es aber ganz viele, die haben niemanden, der sie auf dem Weg mit dem Krabbentier begleitet. Der für sie übersetzt, versteht, nachfragt, kritisch hinterfragt, stützt, aushält, überwacht und begleitet.
Wo findet man so jemanden???? ????
Nein, die Krebsligen können diese Lücken nicht schliessen. Zu wenig Personal, zu wenig Geld, zu wenig von einfach allem.
Seit Jahren frage ich mich, wie man diese Lücke schliessen könnte. Es gibt ganz bestimmt Leute, die diese Begleitungen machen könnten – aber sie müssten entlöhnt werden. Aus welchem Topf müssten diese Gehälter bezahlt werden können. Bekanntlich mangelt es immer überall an Geld.
Ich setze mich ein für mehr Lebensqualität für Patienten mit lebenslimitierenden Diagnosen. Und das kann nur erreicht werden, wenn solche Patienten nicht einfach im Regen stehengelassen werden. Nur so haben sie die Kraft, den Blick trotz aller Widrigkeiten in die Zukunft zu richten.
Falls da draussen jemand die zündende Idee für ein Gefäss hat, wie man solche Onkomanager erreichen und entlöhnen könnte – ich bin dankbar für jeden Vorschlag!
Für einmal klingt es hier auf meinem Kanal ganz anders, als sonst.
„Ig bi gopferdami huere hässig!!!“
Gestern hat ein Beitrag von 10 vor 10 im Schweizer Fernsehen einmal mehr aufgezeigt, wie schwerkranke Menschen zum Spielball unseres kranken Gesundheitssystems werden.
„Do isch bi mir fertig luschtig, damminomou!“
Ich kenne den Kampf an der Onkofront selber aus meinem Alltag, begleite ich doch meinen Herzmenschen seit einer palliativen Krebsdiagnose vor gut 6 Jahren.
Ja, richtig gelesen: Seit über 6 Jahren palliativ und in dieser Zeit x-fach als hoffnungslos bezeichnet – wäre da nicht sein unbändiger Wille, leben zu wollen – und meine unbändige Wut, die mich zur Kampfsau an der Onkofront werden liess.
Das hässliche Spiel zwischen den Pharmagiganten und den Krankenkassen geht auf Kosten der Patienten. Einfach nur zum Kotzen! Es gibt leider kein schöneres Wort dafür ???? .
Ich hätte ganz gerne mal ein vernünftiges Pricing wichtiger Medikamente, das nicht nur für die Reichsten bezahlbar ist, weil die Kassen sich weigern, diese Medikamente auf ihre Listen zu nehmen. Oder weil die Pharmagiganten beim Pricing bereits eine gigantische Gewinnmarge einrechnen. Ethik, wo bist Du?
Ich möchte gerne einmal eine Kostenberechnung eines solchen Medikamentes sehen (die Gewinnmarge würde mich vor allem interessieren).
Ich möchte nicht in der Haut jener stecken, die darüber entscheiden, wann ein Leben noch als „unterstützenswert“ gilt. Wir – bzw. mein Herzmensch – wären aus diesem Raster nämlich brutal herausgekippt, häten wir nicht gegen alle Unmöglichkeiten so angekämpft, dass er auch heute noch als palliativer Patient wunderbar am Leben teilnehmen kann.
„Läck mir am Arsch, bini hässig!“
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