von süss bis ungeniessbar

Bunt und mit viel Liebe

Hey Mick

Keine Ahnung, ob Du das lesen kannst. Und ich weiss auch nicht, ob ich jemals ein Zeichen bekommen werde. Ich kann Dir aber garantieren, dass heute unfassbar viele Menschen an Dich gedacht und Dich gefeiert haben.

Ich frage mich gerade, ob Du eigentlich gewusst hast, wie vielen Menschen Du wahnsinnig viel bedeutet hast. Du wurdest so geschätzt – und ich habe heute über Dich Geschichten gehört, die mir jede für sich ein Grinsen entlockt haben. Es klang alles so fest nach Dir. Und mir wurde klar, dass Du soviel Gutes getan hast, das Du immer für Dich behalten hast; weil Du bescheiden und leise warst. Und weil für Dich gute Taten selbstverständlich waren.

Ich hatte Dir versprochen, dass es nie eine Abdankung geben würde. Stattdessen wolltest Du, dass wir Dein Leben feiern. Das haben wir gemacht.

Ich hatte unglaubliche Helfer und Deine Hawaii-Reisebuddy Manu hat alles so wunderbar gemanagt. Du hast immer gesagt, Manu sei mir ähnlich. Jup – da hattest Du recht. Sie hat alles gerockt, wie ich es auch getan hätte – und damit hat sie nicht nur mir ganz viel Luft und Raum gegeben – sie hat es auch für Dich perfekt gemacht.

Deine Thailand-Reisebuddy Carmen war das Helferlein hinter Manu. Du hättest Dich mal wieder köstlich amüsiert über ihre liebevoll schusslige Art. Ich habe mehr als einmal die Hände über dem Kopf zusammengeschlagen und gesagt: Wenns jetzt donnert, dann ist es Mick, der sich kugelt vor lachen.

Es war alles so, wie Du warst:

– bunt
– liebevoll
– unkompliziert
– perfekt organisiert
– mit Zuckerstock
– mit Wurst und Bier
– mit Witz und Humor
– mit einem Augenzwinkern
– und mit unzähligen Ballongrüssen, die wir für Dich in den Himmel geschickt haben.

Unsere Enkelin hat bestimmt 5 Ballons hochgeschickt, auf welchen steht, dass sie so gerne von Dir eine Antwort hätte. Ich weiss, dass das nicht geht – sie weiss das aber nicht. Und wer weiss – eines Tages bekommt sie vielleicht Antworten auf Fragen, die sie an ihre Ballons erinnern werden, die sie für Dich losgelassen hat. Mit jedem der Ballons haben wir uns ein Stück an Dich erinnert, Dich aber auch ein Stück loslassen müssen.

Es war wunderbar, Dich so feiern zu dürfen. Ich glaube, dass es Dir gefallen hätte.

Ich liebe Dich.

Dani

Zwischendurch etwas Schönes

Heute hatte ich eigentlich einen Scheisstag. Dünnhäutig, gereizt, weinerlich und überfordert.

Trotz allem gab es einen Lichtblick: Mein Projekt, welches ich im letzten Jahr geboren und umgesetzt habe, wird in Kürze für euch alle erhältlich sein.

Ja, mein drittes Buch kommt auf den Markt. Und auch wenn mein Leben sich im Moment im Schleudergang befindet, so bin ich nicht weniger stolz, dass mein neues Baby nun zum Greifen nah ist.

Ich bin sehr dankbar, dass mein Göttergatte vor seinem Tod den Vorabdruck meines Buches noch sehen konnte. Und ich weiss, dass er – wo auch immer – saustolz auf mich ist.

Lange Rede kurzer Sinn: Trotz mühsamem Tag kann man bei meinem neuen Buch jetzt Vorbestellungen platzieren. Sobald der Buchhandel es am Lager hat, wird es ausgeliefert – in den nächsten Tagen.

Ja, es gibt also tatsächlich auch bei mir wieder freudige Ereignisse – und auch wenn ich deswegen nicht gerade tanze, so hüpft mein Herz.

https://www.orellfuessli.ch/shop/home/artikeldetails/A1074224276

https://www.buchhaus.ch/de/buecher/kinderbuecher/ersteslesen/detail/ISBN-9783990187258/J%C3%A4ggi-Daniela/SCHMUNZEL-GESCHICHTEN?bpmctrl=bpmrownr.2%7Cforeign.733479-1-0-0#r707402-0-711447:718972:589430

Gemischter Salat …

… etwas, was ich im Leben nie bestellen würde.
Warum?
Weil da die Gefahr besteht, dass immer mal Dinge drin sind, die ich nicht mag. Ein gemischter Salat ist unberechenbar …

Meine Tage fühlen sich gerade sehr an, wie gemischter Salat. Es hat Dinge, die ich sehr mag und gerne entgegen nehme – dann hat es aber auch ganz vieles, worauf ich gerne verzichten würde. Das ganze Kohlzeug, die Bohnen und die fette französische Sauce, die ich ganz furchtbar finde, die landen ungefragt auf meinem Tagesteller. Ich versuche, sie beiseite zu schieben, aber das Zeug schleicht sich irgendwie immer wieder zurück auf meinen Teller.

An krassen Tagen würde ich am liebsten den Mülleimer aufmachen und den ganzen Salat mitsamt Geschirr einfach entsorgen. Dumm nur, dass anderntags wieder so ein gemischter Tagesteller mit Sauce auf mich wartet.

Ich bin aber schon einen Schritt weiter, als ich es noch vor einer Woche war. Da hat es sich nämlich angefühlt, als ob jemand mit diesem ganzen gemischten Durcheinander um sich wirft und ich nicht annähernd eine Chance habe, auszuweichen. Inzwischen weiss ich, dass ich die Bohnen akzeptieren, anschauen, probieren und möglicherweise sogar verdauen muss. Werfe ich sie aus dem Fenster, holen sie dort nämlich ihre ganzen Verwandten und kommen zur Haustüre wieder herein. Genauso sieht es mit dem Kohlzeug und der Sauce aus. Ich lerne, dass ich diese Dinge auf meinem Tagesteller akzeptieren muss, weil sie sonst soviel Platz einnehmen, dass ich meine schönen grünen Kopfsalatblätter und meine Radieschen nicht mehr sehe.

Was habe ich also in den letzten Tagen schon lernen können? Ich muss akzeptieren, was ich nicht mag – immer mit dem Gedanken, dass ich es verdauen werde. Und ich darf umso mehr geniessen, was ich mag – das schüttet nämlich Glückshormone aus. Davon kann ich im Moment nicht genug bekommen.

Ja, das Leben schmeisst grad mit sehr viel Leben um sich – oder eben mit sehr viel gemischtem Salat.

Und ich weiss jetzt schon, dass ich nie wieder objektiv einen gemischten Salat in einem Restaurant werde anschauen können. Meine Fantasie hilft mir zwar durch all diese Zeit. Aber sie kreiert auch Bilder, die ich vermutlich nie wieder wertfrei werde betrachten können.

Gemischter Salat zum Beispiel.

Eine Woche ohne Dich …

… und es fühlt sich alles irgendwie falsch an.

Die Sonne geht auf, ohne Dich.
Die Vögel zwitschern, ohne Dich.
Die Zeitung liegt auf dem Tisch, ohne Dich.
Ich trinke meinen Kaffee, ohne Dich.
Ich schaue unseren Krimi, ohne Dich.
Ich falte Deine Wäsche, für Dich ….

… obwohl Du sie gar nicht mehr brauchst.

Die Welt dreht unerbittlich weiter – zum Glück. Würde sie stehenbleiben, geriete alles noch mehr aus den Fugen. Meine eigene kleine Welt ist aber vor einer Woche einen Moment stehen geblieben. Es scheint mir unmöglich, wieder zur Tagesordnung überzugehen, obwohl ich weiss, dass ich das irgendwann wieder schaffen werde. Meine schützende Blase in unserem Zuhause tröstet mich. Deine Gerüche sind überall, Deine Energie ist überall, Du bist überall. Ich möchte all das gerne konservieren, um es niemals zu verlieren.

Meine Ratio weiss genau, dass alles, was jetzt mit mir passiert, normal ist. Meine Seele hinkt aber mit gebrochenem Bein, mit Krücken, flügellahm und total lädiert hinter meiner Ratio her und hat keine Chance, sie einzuholen. Der Kopf versteht, die Seele weint.

Mit soviel Liebe durfte ich Dich ein Leben lang begleiten. Und mit soviel Liebe musste ich Dich ziehen lassen. Ich habe Dich gefragt:
„Werde ich es alleine schaffen?“
Für Dich war die Antwort so einfach und klar:
„Logisch wirst Du das! Wenn nicht Du, wer dann? Du bist stark.“

Es gibt in meinem Minikosmos in unserem Zuhause Momente, in denen ich glaube, dass Du recht hattest. Dann gibt es Momente, in denen es mich im Schleuderprogramm durch sämtliche Gefühlsfacetten spült und ich mir sicher bin, es niemals zu schaffen.

Und dann höre ich auf meiner Playlist mein Lied, dass Du ganz am Schluss unserer Reise zu unserem Lied gemacht hast:

„So wie du warst, bleibst du hier
So wie du warst, bist du immer bei mir
So wie du warst, erzählt die Zeit
So wie du warst, bleibt so viel von dir hier“

Lied von Unheilig, Der Graf

Danke Mick, dass Du mir diese wertvolle Erinnerung hier gelassen hast.

„… und tschüss!“

Die Worte meines Göttergatten, wenn er sich von jemandem oder von etwas verabschiedet hat.

Und nun sind es meine Worte, mit denen ich mich von ihm am vergangenen Samstag, 18. Januar 2025 verabschieden musste. Er hat seine letzte Reise angetreten, wohin diese ihn auch immer führen mag.

Unsere Kinder und ich hatten das grosse Privileg, unseren Helden bis zum Schluss und noch darüber hinaus begleiten zu dürfen. Es tut unsagbar weh und was bleibt ist ein Herz voller Trauer, aber vor allem voller Liebe!

Fast 40 Jahre durfte ich an der Seite dieses Menschen verbringen.

Er war
. mein Skilehrer im Schulskilager
. meine erste wirklich echte grosse Liebe
. mein Fels in der Brandung
. mein Ehemann
. mein Freund
. der Vater unserer Kinder
. mein Schnarchbär
. mein Sturkopf
. der stolzeste Grosspapi
. mein Einkäufer
. mein Koch
. mein „Hinterherräumer“
. mein Onkokämpfer
. mein Vorzeigeoptimist
. mein Krankenhausrocker
. mein Statistikumkipper
. mein Held
. meine andere Hälfte.

Wir haben auf unserem langen gemeinsamen Weg alle Höhen und Tiefen erlebt, die eine gesunde Beziehung ausmachen. Und wir haben sie alle durchgestanden. Wir haben zusammen gelacht, geweint, gestritten und versöhnt.

Die fatale Krebsdiagnose vor über acht Jahren hat uns zuerst den Boden unter den Füssen weggezogen. Wir haben uns aber ganz schnell wieder aufgerappelt und beschlossen, dem Krabbenvieh den Kampf anzusagen. Unsere Familie hat sich zu einer Onkokampffront formiert und wir haben über etliche Operationen, Therapien, Bestrahlungen, Tiefschläge und falsche Prognosen Runde für Runde geschafft. Etliche Runden, welche die Medizin sich bis heute nicht erklären kann.

Dass sich der fiese Untermieter vor gut zwei Monaten nun doch massiv mehr breit gemacht hat, war leider nicht mehr wegzudenken. Die Schmerzen haben meinem Kämpfer täglich bewusster gemacht, dass dieses Vieh sich ungefragt an Orte geschlichen hatte, die kaum noch zu kontrollieren waren.

Zum Jahresende haben wir unsere letzte gemeinsame Reise in unser geliebtes Hamburg gemacht. Eine Reise für uns, auf unser Leben und mit ganz viel Liebe. Wir hatten Zeit, auf unser verrücktes, spannendes und erfülltes Leben zurückzublicken. Und wir konnten mit Stolz sagen, dass es – auch während der acht Jahre Erkrankung – nichts gab, was wir ausgelassen haben. Unsere Bucketlist hatte hinter jedem Punkt ein grünes Häkchen.

Auch sein letzter Wunsch, zu Hause sterben zu können, ohne monatelang an eine Spitaldecke starren zu müssen, konnte erfüllt werden, und sein Plan seines eigenen Weges ist bis zum Schluss aufgegangen.

Er lässt uns zwar zurück – aber wir sind alle unglaublich stolz auf unseren Helden. Auch wenn uns manchmal die Puste ausgegangen ist und ich dachte, mir würde die Energie für eine weitere Kampfrunde im Ring gegen das Vieh fehlen, so haben wir nie aufgegeben.

Und so lassen wir ihn ziehen. Mit viel Tränen, mit grossen schwarzen Löchern, mit Ratlosigkeit aber mit noch mehr Liebe und Stolz. Und was er uns zurücklässt sind unendlich viele Erinnerungen, die wir gemeinsam in all dieser Zeit schaffen konnten. Für ihn, für uns, für unsere Kinder, Enkelkinder und für alle, die ihn geliebt haben.

Gute Reise, Mick – sorry, dass ich Deine vorgekochte Bolognese-Sugo aus dem Tiefkühler bereits anbrennen liess … ich weiss, dass Du mich trotzdem liebst.

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