von süss bis ungeniessbar

Das Leben ist kein Ponyhof

Meine Güte – manchmal schmeisst das Leben mit soviel Leben um sich, dass ich es fast nicht bewerkstelligen kann. Ich, die immer einen Plan hat, habe gerade ziemlich wenig Plan.

Meine bald 14-jährige Hündin Ellie macht mir das Leben schwer. Neben den normalen Altersbeschwerden hat sie angefangen, mich nachts mit Bellen wach zu halten. Ganz schöne Folter. Sobald es etwas wärmer wird, kippt sie beim Spazieren einfach um. Sie hechelt viel mehr als sonst. Sie läuft nicht mehr rund und hinkt manchmal mehr, manchmal weniger. All das in Summe hat mich veranlasst, sie gestern in der Tierklinik vorzustellen. Fazit:

. Ellie hat einen Bandscheibenvorfall, der ihr auf die Luftröhre drückt.
. Ellie hat die Leber voll Tumore.
. Ellie hat einen „Trommelbauch“, der schmerzt.
. Ellie hat eine verdickte Magenwand vom Erbrechen.
. KURZ: Ellie ist eine Baustelle, die aufgrund des hohen Alters schlecht noch therapiert werden kann.

Ja, und dann kam die ultimative Frage: Möchten Sie Ellie gehen lassen?

Wenn mich das nachts jemand fragen würde, wäre meine Antwort ein klares JA. Meine Güte, ich bin müde!!!

Gestern in der Klinik konnte ich dieses JA nicht geben. Ellie hat sich nämlich nach dem Röntgen so gefreut, mich wiederzusehen, dass ich es nicht geschafft hätte, sie einschläfern zu lassen. Auch wenn sie mich nervt und ich müde bin – ich habe gerade sehr Mühe, über ihr Leben oder ihren Tod zu bestimmen. Zumal ich mich mit meinem Göttergatten nicht mehr austauschen kann. Die beiden waren dicke Buddies und er hat für Ellie alles gemacht.

Ja, ich wünschte, ich könnte ihn um Rat fragen …

Ellie ist letzte Nacht in der Klinik geblieben. Sie wollten ihr Verhalten auch in der Nacht studieren und sie mit Medikamenten über die Infusion behandeln. Sie hat offenbar die Klinik zusammengebellt und war sehr unruhig, als die Nacht begann. Willkommen im meinem Leben. Sie mussten sie sedieren, damit sie zur Ruhe kommen konnte.

Nun hole ich heute Ellie nochmal nach Hause und will versuchen, sie mit Medikamenten einzustellen. Aber: Es ist nur ein Versuch! Wenn sie die Medikamente erbricht, wird es nicht funktionieren.

Die Tierärzte der Klinik konnten auf meine Frage, was sie machen würden, mir auch keine klare Empfehlung abgeben. Ellie’s klinische Befunde und ihr Alter würden für ein Einschläfern sprechen. Ellie’s Verhalten zeigt aber nicht, dass sie sterben möchte. Es ist also ein fifty-fifty Fall.

Ich will, dass Ellie diese Chance noch bekommt, zu Hause sterben zu können oder mir zumindest anzuzeigen, dass sie nicht mehr will. Wenn alles nicht greift, werde ich wohl oder übel den Weg des Einschläferns wählen müssen. Aber eines steht fest: Es ist verdammt viel schwieriger, als ich mir das vorgestellt hatte. Die Entscheidung über Leben und Tod für ein anderes Lebewesen fällen zu müssen, setzt mir grad übelst zu.

Wäre schön, wenn ich ein klares Zeichen bekäme. Und: Ich würde mir niemals mehr einen Hund holen … die meiste Zeit mit Ellie war cool … das jetzt, auf das könnte ich echt verzichten und das kommt bei jedem Hund irgendwann.

Neues Zuhause

Hey Mick

In der Nacht, bevor Du gestorben bist, hast Du mir bei ganz wenigen Dingen gesagt, zu wem diese gehen sollen. Eines davon war Dein geliebtes Motorrad. Und es war sonnenklar, wem Du das vermachen wolltest:

„Ich möchte, dass mein Töff zu Beat geht. Wir haben alle Touren zusammen gemacht. Er war mein Buddy zu jeder Zeit und mit ihm war jede Tour besonders. Er hat zwar den Bruder meines Motorrads, aber dort wird mein Gefährt gut aufgehoben sein.“

Für die Kinder und mich war immer klar, dass Beat der neue Besitzer werden MUSS. Niemand hat auf dem Bike mehr mit Dir erlebt, als er.

Und so kommt es, dass Beat heute Deine Maschine abgeholt hat.

Das Geräusch, als Beat den Motor gestartet hat, war zwar vertraut, tat aber auch weh. Genauso weh tat es aber, Dein Motorrad immer wieder still in der Garage stehen zu sehen. Jetzt ist schliesslich die Zeit, in der Du mit Beat und den Jungs über die Pässe fahren würdest.

Dein Gefährt hat also heute ein neues Zuhause bekommen. Und ich bin mir sicher, dass Du heute mit Beat mitgefahren bist.

Dinge ziehen zu lassen, ist das eine. Zu wissen, dass Du nie mehr kommen wirst, das andere. Mal ist es erträglich, mal tut es unsäglich weh. Und manchmal versuche ich, einfach nicht daran zu denken.

Ich liebe Dich – für immer.

Bei mir spukt es manchmal …

Seit mein Göttergatte sich von uns verabschiedet hat, geschehen manchmal unerklärliche Dinge. Nein, ich sehe keine Gespenster und ich habe auch nicht das Bedürfnis, mit Räucherstäbchen unser Zuhause zu säubern.

Ich bin ziemlich kopflastig und pragmatisch gestrickt. Das will heissen, dass unerklärliche Dinge eben einfach unerklärlich sind. PUNKT. Ich habe keine Angst vor ihnen, habe aber auch nicht das Bedürfnis, sie zu analysieren oder einen tieferen Sinn darin zu suchen.

Kürzlich hat sich ein Sichtmäppchen von meinem Tisch selbständig gemacht und ist zu Boden gefallen. Kein Fenster war offen und keine Katze war im Haus. Einfach so hat es sich verselbständigt. Man könnte jetzt stundenlang darüber rätseln, wie das geschehen konnte. Und ich habe tatsächlich eine Sekunde gedacht: „Spinne ich jetzt?“ Dann habe ich das Sichtmäppli wieder an seinen Platz gelegt und meinem Göttergatten imaginär gesagt, er soll diese Faxen lassen.

Solche Ereignisse passieren immer mal wieder. Und weil ich sie lustig finde, erzähle ich sie in Alltagsgesprächen. Dass ich dabei aber offenbar bei vielen Leuten das Bedürfnis auslöse, Analysen zwischen den Welten zu machen, war mir nicht bewusst. Ich glaube nämlich nicht, dass mein Göttergatte mir mit diesem Sichtmäppli etwas sagen wollte. Und ich habe auch nichts gesehen ausser dem Mäppli. Auch wenn es Menschen gibt, die mich nun auffordern, die Zeichen deuten zu lernen – NÖ, nicht meine Denkweise.

Dinge passieren und es ist müssig, sich darüber Gedanken zu machen, warum sie passieren. Sie tun es einfach. Ende der Diskussion. Hätte ich in den letzten Monaten bei allem, was passiert ist, nach Zeichen oder tieferem Sinn gesucht, dann wäre ich jetzt vermutlich in der Klappsmühle oder hätte einen Geisterjäger bestellt.

Es ist nämlich so: Habt ihr euch schonmal überlegt, dass bei allen Menschen hin und wieder solche Dinge einfach passieren? Solange man aber mehr als eine Person in einem Haushalt ist, hinterfragt man die Dinge nicht. Man geht einfach davon aus, dass die anderen Personen es waren, die etwas ausgelöst haben (Licht brennen lassen, Klodeckel geöffnet, Durchzug ausgelöst etc. etc.). Sobald man alleine lebt zweifelt man manchmal am eigenen Verstand, wenn etwas Unverständliches geschieht, oder man fängt wie wild an, nach einem tieferen Sinn zu suchen. Oder man macht es einfach wie ich und denkt: „Dinge passieren – warum auch immer!“

Mein Göttergatte ist von dieser Welt gegangen und hat mir versichert, dass er sich nicht mehr zeigen werde – für ihn gebe es nämlich danach nichts mehr. Das sehe ich zwar anders, bin aber trotzdem nicht von der magischen Brigade, die nun alles zu deuten versuchen.

Mir reicht bei meinem bescheidenen Denken die Erklärung: „Er macht sich mal wieder einen Spass mit mir – wie er es auch zu Lebzeiten immer mal wieder getan hat!“

Punkt.

P.S.: Ich brauche weder ein Medium, noch einen Hexenkreis, noch eine Glaskugel noch gescheite Bücher zu übersinnlichen Aktivitäten. Für mich stimmt es so, wie es ist.

Lachen erlaubt

Es ist an der Zeit, alte Zöpfe abzuschneiden. Es darf gerne auch ein Millimeterschnitt sein!

Wieso?

Jetzt gehe ich seit etwas mehr als vier Monaten ohne meinen Göttergatten durchs Leben. Ich trage keine schwarzen Kleider und ich bleibe auch nicht zu Hause in den eigenen vier Wänden. Ich lebe weiter – so wie ich eben bin:

Laut, fröhlich, quer und manchmal etwas schräg!

Warum?

Mein Göttergatte hat sich in meinen Charakter verliebt. In meine sehr eigene Art. In die Eigenständigkeit, die ich schon früh mit vielen Ecken und Kanten entwickelt habe. Und er hat sich nicht selten von mir und meiner Energie mitreissen lassen. Und auch meine freche Schnauze hat er geliebt.

Jetzt stellt euch mal vor, ich wäre auf einmal eine dunkle und leise Gestalt, die nur noch in den Tälern der Tränen wandelt … schräger Gedanke oder? Und der Göttergatte würde mir – wo auch immer er gerade ist – den Vogel zeigen und fragen:
„Was tust Du da – wo ist DIE Frau hin, in die ich mich verliebt habe?“

Und genau deshalb ist diese Frau hier geblieben. Und noch aus vielen anderen Gründen! Okay, ich habe harte Momente in meinem neuen Leben. Momente, in denen ich wütend, traurig und verzweifelt bin. Aber die sind zum Glück kürzer als jene Momente, in denen ich weiss, dass mein Leben noch nicht zu Ende ist. Irgendwann wird es zu Ende sein – bis dahin habe ich aber vor, jedem Tag das beste abzugewinnen.

Ist das nun pietätlos, wenn ich laut lache und Blödsinn im Kopf habe?

Ich sage NEIN. Trauer hat nämlich abertausende von Gesichtern. Menschen, die gerne laut und fröhlich sind, trauern auch. Und sie trauern nicht weniger, als jemand, der sich zu Hause in der dunklen Stube einbunkert und mit keinem mehr redet. Sie tun es einfach anders!

Ich liebe das Leben und jeder Tag, an dem ich nicht lache, ist ein verlorener Tag. Mein Göttergatte kommt nämlich auch nicht zurück, wenn ich mir die Augen aus dem Kopf heule. Es nützt nichts! Okay, es gibt Momente, da geht es nur mit Heulen und Vermissen, bis alles weh tut. In allen anderen Momenten ist aber das Leben nach wie vor lebenswert und ich will mich und meinen Humor nicht verlieren.

Nicht für mich – nicht für mein Umfeld und schon gar nicht für meinen Göttergatten. Der hat mich nämlich genauso geliebt!

Und Leute – es hat beides Platz, weil:

Tränen reinigen die Seele UND Lachen ist gesund!

Voilà.

Du bist überall

Hey Mick

Gerade habe ich dieses Bild an unserer Pinwand in der Küche angesehen und gedacht: „Krass, Du warst doch eben noch hier!“ Und dann fällt mir ein, dass es nun schon mehr als vier Monate sind, seit Du gegangen bist.

Mein Zeitverständnis steht irgendwie auf dem Kopf. Auf der einen Seite habe ich das Gefühl, dass Du gerade noch da warst; auf der andere Seite fühlt es sich an, als ob es Jahre her wäre. Manche Erlebnisse kann ich zeitlich gar nicht mehr richtig einordnen, weil soviel passiert ist in den letzten Jahren. Du fehlst jeden einzelnen Tag!

Was gäbe ich dafür, wenn ich wüsste, wo Du jetzt bist. Ja, ich weiss – Du bist nirgends! Das hast Du mir oft genug gesagt. „Es gibt kein Jenseits, wenn ich weg bin, dann bin ich weg.“
Ich will daran nicht glauben und ich bin mir sicher, dass Du irgendwo bist. In unserer geliebten Hansestadt hatte ich die letzten Tage das Gefühl, dass Du die ganze Zeit um mich rumgeschwirrt bist. Sogar der Klodeckel vom Closomat im Hotelzimmer hat sich genauso verselbständigt, wie unserer Zuhause das nach Deinem Tod getan hat. Ich musste schallend lachen und habe mich gefragt, ob Du eigentlich irgendwo in diesen Closomaten wohnst – Du hast das Ding schliesslich geliebt … ich finde Closomaten ätzend!

In unserem Zuhause hängen lauter Erinnerungen von Dir und mit Dir. Und ich liebe jede einzelne.

Und weisst Du was? Deine besten Freunde melden sich regelmässig bei mir. Ist das nicht wunderbar?

Du wurdest so geliebt – und ich hoffe, dass Du das gepürt, gewusst und mitgenommen hast. Übrigens schaue ich beim Fliegen immer aus dem Fenster und frage mich, auf welcher Wolke Du wohl sitzt?! Also ob man auf Wolken sitzen könnte. Ich höre Dich schon wieder lachen. Ja, wenn man den Weg alleine weitergehen muss, dann kommt man auf die abstrusesten Gedanken. Mein Kopf weiss das schon, aber mein Herz mag diese Bilder. Auch wenn sie völlig irrational sind. Egal! Ich finde die Vorstellung lustig, wie Du auf einer riesigen Zuckerwattenwolke sitzt und dafür sorgst, dass ich immer heil überall wieder lande.

Übrigens: Ich hatte kürzlich eine gigantisch grosse Spinne vor der Haustüre sitzen. Ja, Augenabstand mindestens 10 Centimeter (würdest Du jetzt sagen) und mit Haaren übersät. Früher habe ich immer laut „Miiiiiiiiiiiiick“ geschrien. Diesmal war es nur „iiiiiiiiiiiiiiii“ und ich musste das Vieh selber killen. Die hat dort darauf gewartet, ins Haus spazieren zu können. Könntest Du bitte dafür sorgen, dass mich diese Monster in Ruhe lassen. Du weisst doch, dass ich eine Scheissangst vor diesen Viechern habe.

Ich liebe Dich – bis zur Venus und zurück!

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