Mit 58 das Leben nochmal auf links zu drehen, mag für viele irrsinnig klingen. Für mich ist es die sinnvolle Konsequenz aus den letzten knapp 9 Jahren Lebensschule. Eine Lebensschule, die mich gelehrt hat
– mit Schock und Angst umzugehen
– mit Ungewissheit leben zu lernen
– sich von Insel zu Insel zu hangeln
– auch im Sturm weiter zu schwimmen
– nach dem Untergang wieder den Horizont zu sehen
– durch das Tal der Tränen der Sonne entgegen zu gehen
– zu kämpfen, auch wenn aufgeben einfacher wäre
– und dem Leben ganz viel Sinn zu geben.
Nun, worin besteht er denn eigentlich, der Sinn des Lebens?
– Unternehmerischer Erfolg?
– Diplome, Titel und Auszeichnungen?
– Monetär durchschlagende Ergebnisse?
Mag für viele so sein. Und war tatsächlich auch eine Weile ein Teil meines Sinnes.
Die Lebensschule hat mich gelehrt, dass es komplett andere Werte sind, die mich durch diese Ausnahmejahre getragen haben. Deshalb werde ich mich künftig auf mein neues Projekt konzentrieren, welches Menschen in ausnehmend schwierigen Situationen infolge schwerer Krankheit oder Tod begleitet. Diese Menschen fallen nämlich in unserem Gesundheitssystem leider durchs Netz und müssen selber schauen, wo sie bleiben.
Und weil ich die Welt nicht alleine retten kann, brauche ich Menschen mit demselben Mindset und ebenso harten Erfahrungen, die bereit sind, ihr Wissen zu teilen.
Nach dem Motto: Menschen für Menschen! Weil es gemeinsam besser geht, als alleine.
Weitere Infos folgen demnächst. Seid gespannt!
Wow, was bin ich für ein privilegiertes Glückskind. Ich habe echt die besten Freunde der Welt!
Da komme ich abends vom Familienessen nach Hause und vor meiner Türe warten nicht nur meine beiden Kater auf mich – da steht auf einmal noch ein drittes Tier:

Ausgestattet mit einem Ringelschwänzchen, einer pinken Masche und einem Söischnörli steht da Egon. Ja, Egon! Sein Überbringer hat ihn so getauft und mir per Whats app mitgeteilt, er habe ein bitzeli eine Sauerei vor meiner Haustüre veranstaltet. Ich hatte also den ganzen Abend das Wissen, dass da etwas sein würde, aber ich hatte keine Ahnung, WAS oder WER ist.
Egon hat mich laut lachen lassen!!!
Und es sind genau diese Zeichen, die mein Leben immer wieder aufs Neue lebenswert machen. Egal wie gross ein Gedanke oder ein Zeichen ist – ich weiss, dass da draussen ganz viele Menschen sind, die mich unterstützen. Menschen, die einfach da sind, ohne Bedingungen daran zu knüpfen und bei denen man auch nicht drei Monate warten muss, um einen Termin vereinbaren zu können.
Oli – mit dieser Aktion hast Du mir einen Seelenhüpfer beschwert und dafür danke ich Dir von Herzen. Ich habe die Sauerei neben den Eingang geschoben, damit ich ins Haus konnte.
Sauschwer, der kleine Egon … passt zu mir!!!
Bald werde ich 58 Jahre alt und ich habe immer noch die Fantasie eines Kindes – dafür bin ich endlos dankbar. Ich habe keine Ahnung, woher meine doch etwas besondere Art in meinen wirren Hirnwindungen kommt, dass ich mit allen vermeintlich schwierigen Themen des Lebens anders umgehe, als das die Mehrheit der Menschen tut. Es ist aber sicher, dass es mir das Leben ungemein erleichtert. Und ganz offensichtlich haben meine beiden Enkel (6 & 4) diese Fantasie auch.
Dass der Gropi (Grosspapi) vor knapp 5 Monaten mit seinem Tod auf die Venus umgezogen ist, das wissen alle, die hier schon länger mitlesen. Dass ihm vor einer Woche unsere Hündin Ellie gefolgt ist, das haben die Enkelkinder auch gut verstanden. Für beide war sofort klar, dass der Gropi nun mit Ellie wieder spazieren kann – auf der Venus, logisch!
Nun ist gerade kürzlich ein guter Freund meines Vaters verstorben. Er war Schuhmacher von Beruf und wir haben das heute beim Abendessen mit der ganzen Familie diskutiert. Gwendolin hat das aufgeschnappt und meinte:
„Oh, wie praktisch, dann hat der Gropi jetzt noch jemanden, der seine Schuhe flicken kann.“
Sonnenklar – der ist ja jetzt auch auf der Venus.
Dann kam der Oberknaller aus dem Mund der 6-Jährigen:
„Wenn jetzt noch ein Bauarbeiter stirbt, dann hat der Gropi danach auch wieder ein Haus.“
Für alle, die jetzt denken, dass das pietätlos sein könnte: NEIN, ist es nicht. Es ist die wunderbare kindliche Art, Dinge zu erklären und für sich passend zu machen. Mit einer unfassbar schönen Fantasie. Und wenn wir uns alle etwas mehr davon bewahrt hätten, dann wäre unser Leben manchmal soviel einfacher.
Ich werde meine Fantasie hüten wie einen Schatz. Es ist nämlich etwas ganz Besonderes, so denken zu können.
Heute war das erste mal ein Tag, an dem mich die Ruhe so richtig genervt hat. Seit nun klein Ellie auch nicht mehr da ist, scheint das Haus absolut still. Keine kleinen Krallen und auch kein Hecheln mehr, das um die Ecke klingt. Nichts, nada. Doch, meine zwei Kater – aber die Samtpfoten sind so leise, dass man sie kaum hört.
Also habe ich heute nach dem Spaziergang und Kaffee bei Mama beschlossen, mich auf den Weg nach Unterhaltung zu machen.
Kaffee bei einer lieben Freundin – Apéro bei einem lieben Freund – und dann gemeinsames Abendessen spontan zu dritt.
Was soll ich sagen? Es war ein gelungener Tag!!!
Und warum? Nun ja, es haben mir so viele liebe Menschen immer gesagt, ich soll mich melden, wenn ich Zeit, Lust und wieder Musse dazu habe, dass ich das nun einfach tue. Stinkfrech dränge ich mich charmant auf – einfach so, dass das Gegenüber kaum nein sagen kann. Oder: Es könnte, wenn ich ihm die Wahl liess. Tue ich aber nicht!
So funktioniert alleine sein ganz gut. Ich bin es nur, wenn ich es möchte. Und sonst hole ich mir Unterhaltung ins Haus oder suche sie draussen. Was bin ich doch froh um mein hervorragendes Netz und um meine freche Klappe. Nicht vorzustellen, wie schwer das für schüchterne Menschen sein muss, die auf einmal alleine sind.
Danke Claudia und Oli für den gelungenen Sponti-Feiertag. Es hat saumässig Spass gemacht mit euch. Gerne wieder … ob ihr wollt, oder nicht!
Letzte Nacht musste ich – mit Blitz und Donner – Ellie ziehen lassen. Es ging nicht mehr.
Ich dachte, es würde einfacher, weil die kleine Nervensäge mir das Leben oft nicht leicht gemacht hat. BLÖDSINN – es ist knüppelhart. Es tut weh!
Auch wenn wir mehrheitlich lustige Jahre hatten, die kleine Fellnase und wir, so war das letzte Jahr doch ziemlich mühsam geworden. Altersgebrechen, Taubheit, schlechte Sehkraft und dann die Tumore … all das hat es zu einer mühseligen Geschichte werden lassen.
Letzte Nacht ist es komplett aus dem Ruder gelaufen und ich musste mich für Ellie und gegen ihr Leiden entscheiden. Und nun ist das Flashback da, weil ich vor knapp 5 Monaten meinen Göttergatten ziehen lassen musste. Es spült mich gerade wieder aus der Spur in die Trauer. Alle Gefühle sind wieder da.
Ellie war nur ein Hund, richtig. Aber ich habe Ellie vor 11 Jahren aus dem Tierheim geholt, weil keiner sie haben wollte und sie ausgesetzt worden war. Sie war damals 2 1/2 Jahre alt und ehrlich keine Schönheit. Ein Fellhaufen, bei dem man nicht wusste, wo vorne und wo hinten war. Aber ihre lustige Art und ihre Knopfaugen hatten mich ab Minute eins!

Sie sass in meinem Fussraum vom Auto und ich hatte den Plan, sie probehalber mal heim zu nehmen, um zu schauen, wie der Göttergatte auf sie reagieren würde. Er war nämlich von meiner Idee, einen Hund zu haben, nur mässig begeistert.
Nun, was soll ich sagen: Er war von vielen meiner schrägen Vorhaben oft nicht so begeistert – aber Ellie hatte auch sein Herz subito für sich gewonnen. Sie war zwar eigentlich mein Hund, er versprach aber, zu helfen!
Und kurze Zeit später bekam mein Göttergatte die Krebsdiagnose und ab da war Ellie sein Seelentier – seine Buddy! Die beiden wurden ein Team. Sie gab ihm Struktur und viele Spaziergänge an der frischen Luft, er gab ihr Liebe und Wärme.
Kurz nach dem Tod des Göttergatten dachten wir, Ellie würde gerade mitgehen. Sie hatte fast zwei Wochen keinen Lebensmut mehr. Sie lag im Dunkeln, sie folgte mir nicht mehr auf Schritt und Tritt. Sie trauerte heftig. Aber dann rappelte sie sich nochmal.
Bis jetzt alles mit voller Wucht aus dem Ruder lief. Und ich nach einigen heftigen Tagen und Nächten entscheiden musste, Ellie gehen zu lassen.
Tschüss Fellnase – ich hoffe, Du bist gut auf der Venus bei Deinem Buddy angekommen.