… oder wie das zweite Trauerjahr mich total ausbremst.
Die ausgebildete Trauerbegleiterin in mir weiss so vieles – am allerbesten, wie man andere Menschen begleitet. Gerade hilft mir dieses theoretische Wissen aber ziemlich wenig!
Nachdem ich im ersten Jahr nach dem Tod meines Göttergatten erfolgreich zwei Ausbildungen absolviert und 10 Reisen angetreten habe, dachte ich: „Wow, ich habs echt gut im Griff.“ Dann hat das zweite Trauerjahr angefangen und ich habe gemerkt, dass dieses Spiel des Lebens manchmal einfach nur ein Trauerspiel ist. Ich habe gefühlt täglich unzählige Trigger, die mich in mein altes Leben mit dem Göttergatten zurück katapultieren. Er fehlt – und zwar gewaltig!
Ja, ich weiss: Ich bin nicht alleine, habe wieder jemanden an meiner Seite und müsste doch eigentlich mit einem Dauergrinsen und happy durch die Welt marschieren. Blödsinn! Niemand wird je ersetzen, was ich verloren habe. Und auch wenn ich dem Schicksal dankbar bin, dass ich in der Trauer auch etwas Glück hatte und einen Seelenbuddy gefunden habe, so ändert es nichts an der Tatsache, dass die Trauertsunamis immer wieder zuschlagen.
Jahr zwei fühlt sich diesbezüglich hart an. Die grossen Hürden des ersten Jahres sind überwunden, jedes erste mal ohne den Göttergatten absolviert. Und man könnte meinen, dass es dann einfacher wird. Weit gefehlt! Im zweiten Jahr, wenn sich der Alltag leise wieder um die Ecke ins Leben schleicht und alles etwas ruhiger wird, kommt auch der Platz und die Musse für die Verarbeitung eines ganzen Lebens an der Seite eines Menschen, der einfach nicht mehr da ist. Und es kommt die hässliche Gewissheit, dass das auch so bleiben wird.
Aus der starken Kämpferin in mir wird auf einmal eine orientierungslose Heulsuse, die von Ängsten und Albträumen geplagt wird und die sich am liebsten in einem Loch verkriechen würde.
Und an jeder Ecke gibt es Dinge, die mich erinnern, die ich liebe, die ich nicht loslassen möchte und die mich in der Trauerspirale ganz weit nach unten ziehen. Sei es, dass es immer noch Unternehmen gibt, die einfach nicht begreifen, dass die Post an FRAU DANIELA JÄGGI und nicht an HERRN DANIEL JÄGGI adressiert werden soll. Oder dass mir Dinge in die Finger kommen, die mich zuerst grinsen und dann heulen lassen. Oder sei es der stolze Blick auf die Enkelkinder, an denen der Göttergatte sich so unsäglich erfreuen würde. Ich würde ihm so gönnen, all dies miterleben zu können.
Das Schicksal wollte es anders und deshalb bin ich gerade einfach nur müde, leer und manchmal schlicht und ergreifend am Ende meines erlernten Trauerlateins.
Das Leben kann so schön sein – oder eben manchmal einfach nur ein Trauerspiel.
Es wird wieder besser …