von süss bis ungeniessbar

Was werde ich vermissen?

Die Koffer sind gepackt und es geht morgen zurück in die Schweiz. Ich sitze schwitzend auf der Terrasse und frage mich, was ich zu Hause vermissen werde. Die Antwort ist ziemlich einfach: Die Aussicht aufs Meer, die fehlt mir immer sehr.

Und sonst? Eigentlich nur sie:

Die Herzmenschin, die einfach alles mitmacht, immer da ist, versteht, zuhört, diskutiert, interessiert ist und so positiv durchs Leben geht, dass sie selbst mich dazu bringt, meine Grenzen immer wieder aufs Neue zu sprengen.

Seit der Göttergatte nicht mehr lebt, habe ich bestimmt schon 1000 mal gesagt: Jeder, der einen Tiefschlag einstecken muss im Leben, sollte eine solche Herzmenschin haben. Es macht doch so einiges einfacher! Unbezahlbar.

Ich habe sogar das grosse Glück, neben einer genialen Familie ganz viele tolle Menschen um mich herum zu haben. Die bestmögliche Ausgangslage in einer doch manchmal sehr bescheidenen Lebenssituation.

Worauf freue ich mich zu Hause?

Na klaaaar:
Auf meine beiden Zwerge!!!!!
Auf meine Familie.
Auf meine Freunde.
Auf meine TV-Couch.
Auf meine Dusche.
Auf mein Skyr.

Worauf freue ich mich gar nicht?
Auf die Tatsache, dass mein Zuhause eben nur noch mein Zuhause ist. Nicht mehr unser Zuhause. Dass der Göttergatte dort nicht wartet, um mich in den Arm zu nehmen und an seinen Bauch zu drücken. Dass er keine Witze über meine Berge von Schmutzwäsche machen wird und dass er auch den Kühlschrank nicht mit Lieblingsessen gefüllt hat.

Ja, verreisen und wieder nach Hause zurückkehren ist anders geworden, seit der Göttergatte fehlt. Sehr fest anders …

Andere Länder, andere Sitten

Ja, ihr armen Leser-/innen meines Blogs … ihr müsste die Marokko-Reise mit mir weitermachen. Schliesslich muss mein Frust irgendwo einen Ausgang haben – und das ist bei mir die Tastatur meines Laptops.

Frust und Ferien? Jap, bei mir absolut möglich. Vor allem, weil ich als westliche und sehr emanzipierte Frau in einem muslimischen Land ein Problem mit den Gepflogenheiten habe. Und das habe ich wohl ziemlich unterschätzt. Also: Ich spreche hier nicht von den textilen Gepflogenheiten. An die kann ich mich locker anpassen, das ist kein Problem. Sind schliesslich ihre Regeln hier. Aber ich habe ein grosses Problem damit, dass hier doch so einiges mehr als frauenverachtend ist. Und der Umgang mit Tieren entspricht auch so gar nicht meinem Geschmack. Hier scheinen sowohl Frauen als auch Tiere keine Rechte zu haben. Entsprechend werden sie auch behandlet. Lebewesen zweiter Klasse.

Und dann passiert es natürlich genau mir, dass ich ein Problem mit einem unserer Hotels habe. Was macht eine Modepraline, wenn sie ein Problem hat? Sie versucht es zu lösen. Mit Worten, Erklärungen und Lösungsvorschlägen. Ehm: Könnt ihr euch vorstellen, was die muslimischen Männer (und hier sind nur männliche Manager, soweit das Auge reicht) davon halten, wenn eine westliche Frau auf den Tisch haut? Sie sind total überfordert. Und der Göttergatte findet dabei, dass ich nicht schwierig bin (ich würde mich selber sehr wohl als schwierig bezeichnen), sondern er findet, dass ich einfach nur für mein gutes Recht einstehe. Jap, das tue ich – egal wo. Und ich lasse mich auch in Marokko nicht über den Tisch ziehen, nur weil das offenbar zuvor mit 100’000 anderen Touristen funktioniert hat. Ich werde in solchen Momenten zur bissigen Zicke und fahre die Krallen aus. Selbst wenn ich dafür halb Marokko auf den Kopf stellen muss.

Ich weiss bereits nach der Hälfte unserer Reise, dass ich nie wieder ein solches Land bereisen würde. Und ich werde den Beliebtheitsaward bei den marokkanischen Managern nicht gewinnen – aber das ist mir auch piepegal. Dafür weiss ich jetzt wieder, dass ich – wenn ich wütend genug bin – locker drei Fremdsprachen fliessend spreche … und zwar parallel.

Was haben wir doch für ein schönes Heimatland 🙂

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