von süss bis ungeniessbar

Diskriminierung

Viele meiner treuen Leserinnen und Leser wissen es, die anderen erfahren es jetzt: Ich habe auf meinem Unterarm eine hübsche Weinbergschnecke tätowiert. Die Schnecke heisst Luigi und ich habe dieses Tier gewählt, weil ich es wunderschön finde und weil es für mich das perfeke Zuhause hat. Schliesslich trägt Luigi sein Zuhause immer mit sich rum. Er muss sich also weder um den Umzug kümmern, noch ein Hotelzimmer suchen … er ist eigentlich immer zu Hause.

Und nun kommt der springende Punkt. Das Tochterkind meiner Freundin hat mir heute nämlich erklärt, dass die Natur da ganz schön fies war. Sie hat die Weinbergschnecke mit dem wunderschönen Zuhause kreiert – und alle Welt findet das Tier schön. Und dann hat Mutter Natur aber auch noch die Nacktschnecke kreiert: Glitschig, nackig, gruselig und von allen gehasst. Die Weinbergschnecke ist ja sogar geschützt während  der Nacktschnecke mittels Schneckenkörnern der Kampf angesagt wird. Soweit so gut. Wäre da nicht folgende Überlegung des befreundeten Tochterkinds: Wieso wird ein Tier mit einem Zuhause geliebt, während das andere ohne Zuhause verhasst und hässlich ist? Das ist doch Diskriminierung von Obdachlosen!

Jap – mein Lacher war durch den ganzen Wald zu hören. Von dieser Seite habe ich das noch gar nicht betrachtet. Aber im weitesten Sinne ist diese Überlegung richtig. Das arme nackige Tier ohne Zuhause wird nicht nur diskriminiert, es wird sogar umgebracht. Und das hübsche und ohnehin bevorteilte Tier wird geschützt und von allen bewundert. Fast ein bisschen wie im Menschenland.

Danke liebe Oli, für den Lacher 🙂

Gefunden!!!

Nach meinem letzten Post über die Midlifecrisis und die lustigen oder unlustigen Begleiterscheinungen haben mich viele Leute lachend darauf angesprochen. Den besten Kommentar hat aber meine liebe Freundin abgegeben:

„Also, ich möcht ja auch mal sowas Irres tun, wie viele in der Midlifephase tun. Aber mich selber suchen, das wär mir dann doch zuviel. Stell Dir vor, ich finde mich!!!! Hilfe!!!! Ich möchte mir nicht begegnen – was für eine grässliche Vorstellung. Dann komme ich da ums Eck und da steh ich schon und winke mir zu. Ne!“

Man muss dazu sagen, dass die Gute diesen Monolog im Auto während des Fahrens rausgehauen hat. Und ich war die Fahrerin – auf der Autobahn – bei 120 km/h. Ich hatte Mühe, mich mit dem Lachflash noch auf die Strasse zu konzentrieren.

Und dann habe ich im Verlauf des folgenden Abends versucht, mir das bildlich vorzustellen. Ich wandere über die sieben Berge zu den sieben „Was weiss ich was“ und dann steht da … ähm … ICH??? Und ich würde mich angucken und vermutlich sagen: „Wow, bist Du alt geworden. Und weniger Kilos hattest Du auch schon auf den Rippen. Irgendwie dachte ich ja, Du sähest besser aus. Zumindest habe ich mir das immer eingebildet.“

Wenn man auf dem Weg ist, um sich selber zu finden … was genau sucht man dann da? Ich bin zu einfach gestrickt, um es zu kapieren. Und ich habe den Reaktionen meines letzten Posts entnommen, dass es offenbar den meisten Leserinnen und Lesern so geht. Ich weiss schliesslich, wo ich gerade bin und was ich gerade tue. Warum muss ich mich denn dann suchen? Oder ist diese Selbstfindung einfach ein Modewort? Jeder sagt er täte es, also macht man mal mit? Genauso schräg finde ich auch Bücher mit Titeln wie „Der Weg zum eigenen Ich“. Ist das nicht ein Pleonasmus? Ich bin doch eigen. Wie kann ich dann mein eigenes Ich suchen? Und wo geht dieser Weg entlang? Einmal um sich selber drehen und dann merken, dass ich immer noch da bin?

Fragen über Fragen – mit welchen ganz viele selbsternannte Gurus ganz viel Geld verdienen. Schliesslich findet man sich heute in teuren Thearpien mit ausführlichen Atemtechniken gemeinsam und verlässt mit den neusten Erkenntnissen über sich selber total überrascht die Therapie. Und dann wird das Ich neu erfunden, mit neuer Frisur, neuer Brille, Ernährungsumstellung und Laufschuhen.

Fazit: Meine Freundin hat recht. Ich will mir gar nicht irgendwo auf einem Berg oder einem Wanderweg selber begegnen … sonst finde ich mich womöglich ätzend und verändere mich total. Und dann kenn ich mich selber nicht mehr und muss tatsächlich auf die Suche nach mir gehen. Ne, alles viel zu kompliziert! Es ist ganz gut so, wie es ist 🙂

Midlifedingens …

… und andere Krisen in der Mitte des Lebens.

Ich kenne eine Menge Menschen; die Mehrheit davon sind die sogenannten „best ager“ (in den besten Jahren). Es wird behauptet, die besten Jahre seien so um die 50 oder 60. Also ich weiss ja nicht so recht, was ich davon halten soll. Aber ich fand es irgendwie besser, als die Wallungen mich noch nicht zur Dauerschwitzerin machten und ich mich nicht ständig bei den Leuten entschuldigen musste, weil ich bei Begrüssungen schwitzend an deren Wangen kleben bleibe. Auch die steifen Knochen in der Früh, die man knackend zuerst sortieren muss, gehören bei mir nicht zum absoluten Highlight – und die Anzeige auf der Waage, die stetig nach oben zeigt … naja … anderes Thema!

In den allermeisten Belangen scheine ich aber dem Trend der „best ager“ und deren Allüren nicht zu folgen. Ich habe nämlich irgendwann beschlossen, das Kind in mir niemals zu verlieren. Ähnlich wie Pippi Langstrumpf. Was gibt es schlimmeres, als auf einmal alles nur noch erwachsen und realistisch zu sehen? Grauenvolle Vorstellung!

Und genau deshalb gehöre ich NICHT zur Kategorie jener, die …

… wie die Gestörten mit ihren Superbikes sämtliche Pässe erzwingen müssen …
… auf einmal zu Marathonläufern mutieren …
… den Jakobsweg in gefühlt 20 Varianten marschieren, um sich selber wieder zu finden …
… ins Kloster gehen, um über das Leben nachzudenken …
… Seminare besuchen, in welchen sie im Schneidersitz im Kreis sitzend über den Sinn des
Lebens diskutieren …
… ihre Ernährung auf bio-extra-ultra-vegetarisch-ober-vegan umstellen …
… sich auf einmal wieder neu erfinden und rumrennen, als ob sie 20 wären …
… ihre Falten einfach mit Polstern unterspritzen, um wieder in neuem Glanz zu erstrahlen.

Ich bin da wohl ziemlich einfach gestrickt. Das Leben hält auch so genug Prüfungen für einen bereit. Zum Teil sogar verdammt schwere Prüfungen. Warum also soll ich mir da noch zusätzliche Challenges auferlegen? Ich habe also schwitzend beschlossen, einfach ich zu bleiben. Mit Macken, mit Falten, mit mehr Kilos, mit grauem Haar, mit immer stärker werdender Brille, mit Dummheiten im Kopf – mal glücklich, mal traurig, mal hadernd, mal zurfrieden – aber immer 100% Modepraline. Und weil ich immer schon ich war, muss ich mich weder suchen, noch neu erfinden. Ich muss mir auch nichts mehr beweisen. Mit Ü50 weiss Frau, was sie kann, will oder eben nicht will.

Und ich werde mich – bei allen Prüfungen, die das Leben mir stellt – strikte weigern, jemals so richtig erwachsen zu werden. Das Kind in mir hält mich nämlich davon ab, vor dem Leben wegfahren, wegrennen, wegdiskutieren oder wegschweigen zu wollen.

P.S.: Ja, ich habe ein Fahrrad und staube es regelmässig ab! 🙂

 

Ich will meine Rakete zurück!!!!

Wir leben im 2018 – ich weiss. Alles ist fortgeschritten … und manches sogar gut. Unsere Telefone haben keine Wählscheiben mehr, welche die Fingernägel killen und die Autos sind nicht mehr die Dreckschleudern, die sie früher waren. Das ist alles schön und gut. Aber es gibt Dinge, die finde ich einfach nur dämlich!

Kennt ihr sie noch, das Eis am Stiel, welches aussieht, wie ein Raumfahrzeug? Ja, die Rakete!!! Ich habe sie geliebt. Alle Kindern haben sie geliebt, auch meine Kinder. Am Kiosk, wenn die Frage kam, welches Eis man denn gerne hätte, dann kam bei den meisten Kindern: „Eine Rakete.“ Meine Kinder sagten im Kleinkindalter Karete zu dem leckeren Wassereis. Und nun? Nun das ….

Muss das sein? Warum konnte die gute alte Rakete nicht einfach selbige bleiben? Weil das andere hipper ist? Welches kleine Kind kann das Wort „Explorer“ denn schon aussprechen? Warum muss alles immer veramerikanisiert werden und so fruchtbar hipp benannt sein? Grauenvoll!

Ich erinnere mich an meinen Grundschullehrer in der 5. und 6. Klasse. Der hat äusserst viel Wert darauf gelegt, dass wir deutsche Wörter in unserem Wortschatz hatten. Der hasste es, wenn wir englische Wörter brauchten und wir mussten zur Strafe ganze Seiten in sauberem Deutsch abschreiben. Heute käme er mit Strafseiten gar nicht mehr nach!

Ich meine: Früher bekamen wir von den Grosseltern eine Wundertüte – heute gibts den Goodiebag. Und das schöne und einmalige Tagebuch wurde ersetzt durch ein iPad. Und als ich kürzlich die Kinder zur Schule marschieren sah, dachte ich, ich seh nicht recht. Die Mädel haben durchwegs denselben Rucksack am Rücken – nicht individuell oder besonders, nein – hipp und aus dem Magazin … einen Fjallraven in schwarz oder grau. Alles andere geht gar nicht …

Okay, ich schweife ab, ihr habt recht. Ich hänge der alten Zeit nach, ihr habt noch rechter. Aber ich will meine gute alte Rakete zurück. Ich weigere mich, eine Explorer zu kaufen. Genauso wie ich auch keinen Schaumkuss will, sondern einen Mohrenkopf! So 🙁

Die Bestie

Wir hatten heute an der Türe Besuch. Der UPS-Mann hat ein Paket gebracht und klein Ellie hat ihn zusammengebellt bis sie heiser war. Ich hab die Situation zu entschärfen versucht, indem ich mit Ellie erst laut schimpfte und sie wegschickte, ihm dann aber umgehend erklärte:

„Die macht nur einen Höllenlärm – vor allem bei Männern mit Mützen. Sie tut aber nichts.“
Er so: „Kleine Hund, ich wenig Angst – nur bei grosse Hund Angst.“
Ich so: „Also, die grossen sehen nur gefährlicher aus, aber beissen tun die noch weniger.“
Er so: „Dohooooch! Mich hat gebissen eine – riesig war diese!“ dabei hat er mit der Hand in etwa die Grösse eine deutschen Schäfers angedeutet.
Ich so: „Oh, wirklich? Schlimm?“
Er so: „Ja, ist gerannt um Haus – ich nicht gesehen. Dann auf mich gesprungen.“ dabei deutete er auf sein Gesicht.
Ich so: „Waaaas? Der ist in ihr Gesicht gesprungen?“
Er so: „Ja, ich sage, war sooooo gross“, und dabei wuchs der Hund gemäss seiner Handbewegung und der Zeichensprache auf gefühlte zwei Meter an. Also ziemlich sicher meinte er inzwischen ein Pferd.
Ich so: „Was war das denn für ein Hund?“
Er so: „Keine Hund normal – eine BESTIE!!!“

Okay – wir rekapitulieren: Beim UPS-Mann mit dem Paket wird aus einer bellenden Mini-Ellie während des Gesprächs ein beisswütiger Riesenhund und mutiert zum Schluss zur zerfleischenden Bestie. Und ich habe beim besten Willen nirgends eine Narbe erkennen können.

Also eines haben meine Ellie und der UPS-Mann gemeinsam: Sie haben eine gestörte Grössenwahrnehmung. Ellie’s Benehmen deutet nämlich auch klar darauf hin, dass sie denkt, sie sei eine BESTIE!

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