von süss bis ungeniessbar

Themennotstand … es sei denn, man hat eine Enkelin

Seit über 2 Monaten sitzen wir hier zu Hause fest – Corona hat es so gewollt. Ganz schön bescheiden, das Ganze. Es ist nicht so, dass uns langweilig wäre … wir haben immer was zu tun – im Haus, ums Haus … jeden Tag fällt uns etwas anderes ein. Aber die Themen sind doch so langsam ausgeschöpft. Man erlebt jeden Tag gemeinsam dasselbe. 24/7 und das über viele Wochen, da kann man sich so gar keine Neuigkeiten erzählen. Doch, wir diskutieren über die News aus der Zeitung, über die Nachrichten im Fernsehen oder die Geschehnisse auf der Welt. Leider dreht sich auch da alles um Corona. Und dieses Thema ist nicht gerade zuoberst auf unserer Prioritätenliste.

So kommt es, dass wir beim Frühstück (welches meistens bis mittags dauert) unsere Zeitungen lesen und am Laptop sitzen – all das meistens ziemlich wortkarg. Nun ja … das Wetter sehen wir ja beide und die Themen in den Zeitungen lesen wir auch beide gleichermassen. Und Ferienpläne schmieden ist leider auch nicht. Job – Fehlanzeige! Zum Glück sind wir Menschen, welche die Ruhe geniessen, sonst hätten wir echt ein Problem.

Unser tägliches Highlight kommt aber jeden Tag in Form von 10 Kilogramm Wonneproppen, steckt in Windeln und watschelt lustig um die Ecke bei uns ins Wohnzimmer – begleitet von der Mama (unserer Tochter). Unsere Enkelin ist unser Engel, unser Motor, unser Sonnenschein, unsere grosse Liebe. Wenn sie uns jeden Morgen anstrahlt und in unsere Arme rennt, dann geht das Herz auf. Sie bringt ihre Bilderbücher, eines ums andere. Wir erzählen uns den Mund fusslig und sie will immer noch mehr hören. Und dabei grinst sie und macht sämtliche Tierstimmen nach, die man sich vorstellen kann. Und wir lachen dabei herzlich und das Zwerchfell wird so richtig durchgeschüttelt.

Das kleine Menschenkind bringt Leben in unsere Gasse; auch die Nachbarn und Freunde lieben sie sehr und die Kleine findet fast alles zum Grinsen … es sei denn, es kommt ein Bett ins Spiel. Dann ist ausgegrinst! Zum Leidwesen der übermüdeten Eltern. Aber für uns ist die Kleine einfach nur Wärme für unser Herz. Da lässt sich auch die „lahme Zeit“ ganz schnell mit Action füllen.

Danke, liebe Gwen – wir lieben Dich 🙂

145 – die Hexennummer

145 sind drei wichtige Zahlen. Diese Zahlen muss man wählen, wenn man befürchtet, sich vergiftet zu haben! So geschehen heute im Hause der Modepraline. Wie jetzt? Ihr glaubt, ich sei bescheuert? Ihr habt recht!!!

Wie bringt man Kunstharzlack und Acrylfarbe von einem porösen Gegenstand weg? Also ich weiss seit heute, dass es mit Javelwasser und Putzessig NICHT funktioniert … aber es gibt eine fiese chemische Reaktion. Diese hat zur Folge, dass das Gebräu eine riesige Gasschwade freisetzt und im Gefäss bräuselt es gefährlich. Da ich ja bekanntlich meine Nase immer zuvorderst haben muss, hab ich das Gas natürlich volle Pulle eingeatmet und alles hat zu brennen angefangen. Die Augen haben gebrannt, die Nase hat gebrannt, der Hals fühlte sich taub an und DAS GANZE HAUS stinkt noch immer wie ein explodiertes Hallenbad!

Ich hatte ein klitzekleines bisschen Angst um meine Atemwege und … überhaupt. Also habe ich diese drei Zahlen gewählt und wurde mit einer Ärztin verbunden, der ich erzählen musste, welche Flüssigkeiten ich gemixt habe. Ich habe mich dabei so geschämt, dass ich am liebsten in ein Loch gekrochen wäre. Die Ärztin meinte aber: „Wir bekommen ca. 100 Anrufe täglich wegen solcher Mixturen – das passiert fast jeder Hausfrau mal!“ Hä???? Ich bin also nicht die einzige Deppin, die solchen Mist macht? Ich war überzeugt, dass das NUR MIR in den Sinn kommt. Aber nein, sie fand das total normal, dass einem sowas passiert. Echt jetzt?

Klein Ellie niest des öfteren … ich glaube, sie findet diese Javeldämpfe nicht so cool. Übrigens nennt sich der nette Dampf, den ich volles Rohr eingeatmet habe „Chlorgas“ und ist in der Konzentration der handelsüblichen Putzmittel nicht tödlich. Ich kann also weiterhin Hexenmixturen kreieren und mit der netten Ärztin auf 145 telefonieren. Ach ja: Kunstharz und Acrylfarbe sind immer noch bombenfest am Gegenstand, den ich eigentlich damit reinigen wollte.

P.S.: Der Göttergatte meinte: „Dich kann man echt nicht alleine lassen – häng das bloss nicht an die grosse Glocke!“ Kicher … warum nicht, wenn ich über mich lachen kann, dann können das die anderen doch auch, oder?

Jemand hat die Jahre geklaut …

… oder wie ist es sonst zu erklären, dass unser Sohnemann auszieht?

Ja, er ist in der Tat alt genug und macht nun seinen Traum vom gemeinsamen Leben  mit der Partnerin in einer eigenen Wohnung wahr. Und ich sitze hier und denke:

Hä? Moment! Der hat doch eben noch mit seinen Legos gespielt, hat tonnenweise Bücher verschlungen und im Sandkasten geschimpft, wenn sich der Sand in seine Socken geschlichen hat. Es ist doch erst ein paar Wochen her, dass wir seine Schulzeugnisse unterschreiben mussten und ihm einen Batzen für seine super Noten gegeben haben.

Ich erinnere mich noch so gut, als ich einmal abends seine Bettdecke aufgeschüttelt habe und er einen Heulkrampf bekommen hat, weil ich seinen Teich mit seinen Enten drin mit meiner Schüttelaktion kaputt gemacht habe. Ja, in der Decke lagen Legoteile (Enten) und seine Bettdecke war der Teich. Total logisch, oder? Und ich unsensible Mutter habe das vor dem Schlafengehen einfach zerstört!

Es gibt so vieles, was mir nun wieder einfällt. Der kleine Junge, der immer alles genau erklärt haben wollte – der mit seinem Denkerblick immer alles beobachtet hat und sich dabei seine Gedanken gemacht hat. Der ABC-Schütze, der nie verstehen konnte, warum manche sich prügeln, wenn man doch einfach zusammen reden könnte.

Nun zieht er in sein eigenes Zuhause … was wir ihm sehr gönnen und mein Mama-Herz wird es schon noch kapieren … im Moment schwelge ich nur grad in einer Nostalgiewolke!

Kleiner Junge – erwachsener Mann … pass auf Dich auf! 🙂

P.S.: Für alle, die nun denken, er ziehe ans andere Ende der Welt, weil ich so nostalgisch werde … er zieht ziemlich genau 12-Autominuten von uns weg … kicher …

 

Corona-Kränzchen

Ich war gestern mit klein Ellie an der Aare spazieren. Ich glaube, dass die kleine Fellnase inzwischen auch merkt, dass da irgendwas nicht stimmt. Stundenlang wird sie zweimal täglich durch die Witi geschleppt (bei Sonne – Ellie hasst warme Temperaturen) und die Stadtbummel und Kaffeekränzchen mit Freunden fallen weg. Das findet Ellie nicht so cool – und obwohl sie genug Bewegung hat, sass das Halsband auch schon lockerer …

Bei der „Wasserstelle“, wo Ellie runter zum Fluss düsen und trinken kann, habe ich ein Corona-Kränzchen gestört. Und das war so lustig, dass ich dort eine Weile am Flussufer verweilen und „mithören“ musste … es GING NICHT ANDERS!! Dort standen 4 Autos – und sassen vier Ü70igerinnen in ihren mitgebrachten Klappstühlen – im Kreis – jede mit eigenem Kaffeethermoskrug und Becher und jede mit dem Handy vor der Nase. Das sah in etwa so aus:

Die vier versuchten, eine Whats-app-Gruppe zu erstellen und kämpften mit ihren Mobiltelefonen. Und immer, wenn die eine der anderen etwas zeigen wollte, dann fiel ihr ein „Mist, die 2 Meter – geht nicht!“. Die Kommunikation lief in etwa so:

„Wo hast Du gesagt, dass ich drücken muss?“
„Bei den drei Pünktli!“
„Ich habe keine Pünktli … wo siehst Du Pünktli? Ursi, hast Du Pünktli?“
„Nein, ich finde das auch nicht – wenn ich da drauf drücke ist alles schwarz!“
„Wie schwarz, zeig mal!“ steht auf …
„Neiiiin, bleib bloss dort sitzen … ich kann das dann schon!“
„Mich würde interessieren, ob ihr dann alle immer seht, wenn ich Ursi etwas schreibe!“
„Ja klar, deshalb ja die Gruppe!“
„Aha, dann muss man aber immer aufpassen, was man schreibt, gell?“
„Wieso? Das ist doch nur, dass wir einfacher abmachen können! Oder was willst Du schreiben?“
„Und wenn ich ihr etwas Persönliches erzählen will, dann könnt ihr das nicht lesen?“
„Dann schreibst Du ihr persönlich!“
„Ja aber sie ist doch dann in der Gruppe!“
„Persönlich hast Du sie aber auch noch … nicht nur in der Gruppe!“
„Ich finde diese blöden Pünktli nicht!“

Echt Leute, das war so lustig und süss zugleich, dass ich mich dort fast nicht mehr losreissen konnte. Ich weiss, man tut das nicht, aber auch bei mir macht der Corona-Koller manchmal Dinge, die ich selber nicht verstehe. Und es tat gerade so gut, den vier lustigen Ladies bei ihrem Kränzchen zuzuhören …! Und ich musste dauernd kichern. Ellie hat mich dabei ständig angeguckt als ob sie sagen wollte: „Passiert hier noch was oder können wir weiter???“

Ich fand die Vier ganz grosses Kino und … CORONA macht erfinderisch! Sich treffen mit den nötigen Regeln – Weltklasse haben die das gemacht. Ellie hat beim Gehen leider noch in den Kreis der vier Eingeschworenen gepinkelt (dummes Tier) und ich musste mich entschuldigen … zum Glück waren die Abstände so gross, dass es niemanden gestört hat!

Laute Familie ganz leise …

An unserem Familientisch ist eigentlich immer irgend etwas zu diskutieren. Still ist es nur, wenn alle den Mund voll haben – zumindest ist das normalerweise so. Aber was ist im Moment schon normal?

Jetzt sitzen wir am Tisch und … schweigen. Und wenn ich finde, dass es mir grad etwas zu still ist, dann werfe ich in die Runde: „Wir waren auch schon gesprächiger!“

Ja, ist so! Aber – worüber redet man, wenn alle zu Hause in Quarantäne sitzen, man weder einkaufen noch sonst etwas machen kann, die Arbeit nur noch aus Homeoffice besteht und man irgendwie von allem abgeschottet ist. Über Corona? Nein danke … irgendwie vergeht einem der Appetit, wenn es 24/7 nur noch Corona gibt.

Jeder im Familienverbund erlebt im Moment so ziemlich genau dasselbe, nämlich NICHTS!

Und so kann es passieren, dass eine laute Familie auf einmal ganz leise wird. Ich hoffe doch sehr, dass sich das wieder ändert. Unheimlich, diese Ruhe am Tisch!

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