von süss bis ungeniessbar

Die Lösung für schlechte Tage?

Da stand ich kürzlich mit meiner nicht biologischen Schwester (genannt Sis‘) in einer Parfümerie, um Nagellack zu kaufen, als der Verkäufer uns je eine Gesichtsmaske als Geschenk in die Hand drückte und meinte: „Wenn ihr morgens mal das Gefühl habt, dass das nicht euer Tag ist, dann benutzt diese Maske.“ Nun ja, wir haben ihn selbstverständlich gefragt, ob er uns einen Lastwagen voll davon mitgeben könnte – gegen den Novemberblues und so. Oder einfach gegen trübe Tage. War aber leider nicht möglich.

Heute habe ich dieses Wunderding also ausprobiert. Nach einer Nacht mit viel zu wenig Schlaf bin ich gerädert ins Bad gewatschelt und habe den Inhalt der kleinen Tube in meinem Gesicht verteilt. Der gute Mann hat uns gesagt, dass man das Zeug auf dem Gesicht behalten kann, weil es von selber einzieht. Man muss also die Maske nicht runterwaschen. War mir noch so recht – dazu hatte ich nämlich so gar keine Lust.

Mit einem weissen Gesicht sass ich beim Frühstück und mein Göttergatte guckte etwas irritiert. Männer! Schliesslich steckte ich alle Hoffnungen in dieses weisse Etwas. Ich würde danach frisch und munter durch die Welt tanzen – in meinen Gedanken zumindest.

Nach einer Stunde verspürte ich – entgegen meiner Erwartungen – auf einmal den unsäglichen Drang, mein Gesicht zu waschen, weil meine Haut zu ersticken drohte. Es fühlte sich fettig und klebrig an; zwar nicht mehr weiss, aber nicht angenehm. Also schrubbte ich die Crème runter und … was prangte da auf meinem Kinn? Ein hässliches und fettes Pickel! Das durfte doch nicht wahr sein. Der Mann hatte versprochen, dass diese Tube die Rettung für schlechte Tage sein würde. Hä? Mit einem fetten Pickel im Gesicht? Also ich hatte nicht das Gefühl, dass ich mich nun dadurch besser fühlen würde – im Gegenteil: Ich hatte ungefähr fünf Minuten, um das hässliche Dings halbwegs vernünftig abdecken zu können.

Okay – wenn ich das nächste Mal in der Nähe besagter Parfümerie bin, werde ich dem netten Herrn Verkäufer sagen, dass Pickel meinen Tag nicht retten. Gesichtsmasken werden also auch künftig nicht in mein Beautyrepertoire gehören …

 

Harte Krieger

Ich hatte heute am Bahnhofkiosk in Zürich ein schräges Erlebnis. Zumindest habe ich es als schräg empfunden.

In meinen Gedanken sehe ich bei Zigaretten unweigerlich immer den Cowboy auf dem Pferd – so wie das früher in der Marlboro-Werbung im Kino gezeigt wurde. So habe ich in meinem Kopf wohl den Link gemacht, dass Raucher-/innen harte Krieger sein müssen. So richtige Kerle halt. Totales Klischee, ich weiss, aber in meinem Kopf sehen die braungebrannt, muskulös und mit ledriger Haut etwas rauh aus.

Nun stehe ich heute also mit dem Sohnemann am Kiosk, um für die Zugfahrt ein Getränk zu holen. Da stellt sich neben mich eine zierliche und kleine Blondine und verlangt nach „Parisienne mild soft“. Hä?

Zigaretten sind schädlich, das weiss jedes Kind. Und überall auf jeder Schachtel sind Aufdrucke mit Warnungen und sehr unschönen möglichen Folgen des Rauchens. Warum zum Geier sind dann Zigaretten mild und soft? Oder anders gefragt: Wenn man mild und soft bestellt, warum raucht man dann überhaupt? Das klang für mich fast wie:

„Ich hätte gerne einen Apfelstrudel, aber ohne Sturdel, ohne Zucker und ohne Sahne.“

Da ess ich doch gleich einen Apfel. Ja, ich gestehe, ich kenne mich nicht aus mit Zigarettenmarken – aber mild und soft klingt ja fast schon gesund. Diese Ausdrücke passen doch so gar nicht zu Zigaretten. Ich habe diesen Satz nicht mehr aus dem Ohr und meinem Gedächtnis bekommen. Der klingt für mich einfach derart widersprüchlich, dass ich ihn hier in die weite Welt schicken musste. Ich denke nämlich, dass auch mit mild und soft die Haut und die Lunge nach einer Weile alles andere als mild und soft aussehen werden.

 

Prä-Weihnachtsüberdosis

Hilfe, es weihnachtet schon mehr, als mir lieb ist. Überall sind die Weihnachtskugeln in den Verkaufsregalen und die Geschäfter glitzern um die Wette. Und als ob das nicht schon genug wäre, füllt sich der Briefkasten im Moment regelmässig mit Weihnachtswerbungen. Kataloge und Flugblätter aller namhaften Verkaufshäuser sind gefüllt mit Dingen, die KEIN MENSCH braucht.

Da reihen sich tanzende Weihnachtsmänner und blinkende Gummitannen an kratzende Wollpullis mit Rentieren drauf. Oder Kerzen in den abstrusesten und unweihnachtlichsten Formen und Farben können innert 48 Stunden online bestellt werden. Ganz zu schweigen von den grossen Engelsflügeln, die man anziehen und damit durchs Wohnzimmer schweben kann.

Ganz originell finde ich aber die Weihnachtsmode. Kann es sein, dass ich da irgend etwa verpasst habe – oder wer zieht sich ernsthaft zum Weihnachtsfest an wie eine Glitzerdomina? Da gibt es Weihnachtsstrapse mit Swarovskisteinchen und BH’s mit Weihnachtsmännern drauf. Oder Pailettenkleider mit Strümpfen, auf welchen sich folienähnliche Weihnachtskugeln aneinander reihen. Und dazu natürlich das passende Täschchen mit Glitzer und Steinchen.

Bei den Schuhen steht zur Auswahl das spiegelglatte Lackleder oder der Stiletto mit den Steinchenriemen. Und nicht zu vergessen das Negligé für den Weihnachtsabend zu zweit am Kamin. Hä??? Also wäre da nicht eher der Kuschelstrampler und das Schaffell vor dem Kamin angebracht?

Bei uns ist bequem und gemütlich angesagt. Und ich frage mich ernsthaft, wer dieses unfassbar kitschige Zeug tatsächlich kauft und auch anzieht. Sollte nicht der Weihnachtsbaum im Glanz erstrahlen? Bei all dem Glitzeranziehzeug steht der Baum ja total im Schatten!

Gelobt seien mir meine Lieblingsjeans und der Kaschmirpulli – genau richtig für Weihnachten. Und ihr so?

Hallo, wie geht’s?

Wer kennt ihn nicht, diesen Satz? Im Vorbeigehen, bei einer Begegnung oder als Begrüssung – überall wird er verwendet. Und eigentlich ist er auf diese Weise zu einer rhetorischen Floskel verkommen. Warum eigentlich?

Wenn ich jemanden sehe und ihn begrüsse mit „Hallo, wie geht’s“, dann möchte ich tatsächlich wissen, wie es ihm geht. Sonst frage ich das nicht und es bleibt es bei einem simplen „Hallo“. Wie oft erlebe ich aber, dass mich Leute mit „Hallo, wie geht’s?“ begrüssen und dann überrascht reagieren, wenn ich antworte mit „Hallo, grad nicht so gut“. Darauf sind nämlich die wenigsten vorbereitet. Man geht ganz einfach davon aus, dass ein „Gut“ zurückkommt – alles andere scheint offenbar als Antwort nicht zu gelten.

Warum aber soll ich „Gut“ sagen, wenn ich es nicht so empfinde? Und warum fragt man etwas, wenn man sich gar nicht wirklich dafür interessiert?

Noch ignoranter finde ich die Variante, mit dem „Hallo, wie geht’s?“-Satz eigentlich nur einen Einstieg in ein Gespräch zu finden, um seine eigenen Probleme deponieren zu können. Beispiel gefällig? Begegnung mit einer Bekannten in der Stadt:

Sie: „Hallo, wie geht’s?“
Ich: „Hoi. Na ja, ging schon mal besser.“
Sie: „Oh, Du auch? Ich hab ja seit Tagen solche Rückenschmerzen und schlafe sehr schlecht. Ich komm grad vom Kinesiologen und der meinte, ich sei ….. blablablablabla!“

Das typische Muster, welches mir des Öfteren passiert. Ich werde gefragt, gebe Antwort und bekomme dann einen Abriss sämtlicher Wehwechen und Problemchen der Anderen aufgedrückt. Hallo? Sehe ich aus wie ein Kummerkasten? Oder wie die Anlaufstelle für sämtlicher Probleme Westeuropas? Manchmal möchte ich dann einfach laut schreien: „Du hast MICH gefragt, wie es mir geht und nun redest Du nur von DIR!!!! Warum fragst Du dann????“

Also bitte – wer mich fragt, wie es mir gehe, der soll das bitte auch so meinen. Und sonst einfach nicht fragen – es könnte nämlich sein, dass es mir grad nicht danach ist, die Probleme der anderen auch noch abzuhören oder zu lösen. Ich habe genug eigene.

Ich habe fertig!

R.I.P. Lieblingspulli

Nachts, kurz vor Mitternacht. Ein Jeansberg wartet noch darauf, in die Waschmaschine gesteckt zu werden. Blau in blau, so wie Jeans eben aussehen. Rein damit und ab ins Bett! So geschehen letzte Nacht.

Heute morgen bin ich – noch vor dem Kaffee – als erstes in die Waschküche gegangen, um die Jeans aufzuhängen und … was kommt mir da zwischen den Jeans in die Hände? Neiiiiiiiiiiin!!! Mein Lieblingspulli aus Hamburg. Mein royalblauer Rollkragenpullover aus einem Gemisch von Kaschmir und Wolle. Mein Magen zieht sich kurz zusammen und ich hoffe, dass es nicht so schlimm ist, wie mein Magen befürchtet. Ich befreie das Wolldingens aus den Jeanshosen und … ES IST SCHLIMMER! Mein Pulli hat noch die Grösse eines Puppenkleidchens und fühlt sich an wie ein Brett. Reanimation unmöglich. Alles Ziehen und Zerren in alle Richtungen nützt nichts mehr. Es knirscht zwar im Gewebe, aber sonst tut sich da gar nichts mehr. Das royalblaue Lieblingsstück liegt bocksteif und geschrumpft in meinen Händen. Diagnose: Tod durch Misshandlung in der Waschmaschine!

Was hat sich dieses blaue Lieblingsteil auch einfach in den blauen Jeansberg geschlichen? Und warum hat es nicht geschrien, als ich es mitten in der Nacht noch in die Maschine gesteckt habe? Ich war doch mit einem Auge schon im Bett … meine Güte – da könnte man sich doch mal melden. Aber nein, nichts dergleichen. Es hat sich kommentarlos in die Trommel stecken lassen und nun ist es tot, das Lieblingsteil.

Zum Abschied hat das misshandelte Gewebe übrigens noch eine Menge kleiner Fuselchen an den Jeans hinterlassen. Schönen Dank auch! Ich habe die Jeans gleich alle nochmal in die Maschine gesteckt. Einen solchen Auftakt in den Tag wünscht man sich. Ich brauch einen neuen Lieblingspulli – am besten aus Hamburg. Sniff …

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