von süss bis ungeniessbar

Altweibersommer bis zum Erbrechen

Der Herr Meteo hat gestern Abend aus der Flimmerkiste mal wieder verkündet, dass der Altweibersommer in eine neue Runde geht und das Wochenende wieder 20 Grad warm wird. Und die Sonne scheint weiter. Ich schieb die Krise!!!!

So viele alte Weiber gibt es gar nicht, wie es Sommer gibt in diesem Jahr! Hallo? Ziehen wir jetzt den Altweibersommer bis an Weihnachten weiter – dann stellen wir schnell den Tannenbaum auf, mampfen Fondue Chinoise, werfen die Tanne in die Grünabfuhr und dann holen wir die Osterhasen, weil dann schon wieder die VOR-DEM-SOMMER-ZEIT kommt? Ich will das nicht!!! Neiiiiiiiin!!!

So muss sich wohl ein Pinguin fühlen, wenn man ihm die Eisscholle klaut und ihn in die Wüste setzt. Genau so. Seit meiner Geburt lebe ich in der Schweiz und bin froh drum, weil wir immer 4 Jahreszeiten hatten. Ich hätte niemals in ein Land auswandern können, in welchem es immer warm ist, wo die Sonne immer scheint und man nur T-Shirts tragen kann. Never ever! Ich mag den Herbst und den Winter. Ich mag die Kälte, die dicken Schals, die schönen Winterschuhe und die tropfende Nase, wenn man von draussen in die warme Stube kommt. Ich mag den Duft von Kerzen, Racelette und Käsefondue. Und ich mag Kuschelsocken und meine dicke Bettdecke!

Und nun? Nach drei kühleren Herbsttagen und meinem ersten Aufatmen kommt schon wieder eine Altweibersommerfront … im Oktober. Ich habe die Nase voll davon! Und ich kann keine T-Shirts mehr sehen. Ich will meine schöne Herbst-/Wintergarderobe ausführen. Und meine gefütterten Kuschelschuhe anziehen. Ich bin noch nicht in der Schweiz, um dauernd zu schwitzen und den Regen kaum mehr zu spüren. Hallo? Was läuft hier falsch. Der Klimawandel ist irgendwie nicht zu Gunsten der Wintermenschen.

Kann ich mich weigern? Nö. Ich hatte gestern den dicken Pullover, den Schal und die neue Jacke an, als ich mit Ellie spazieren ging. Ich hab geschwitzt wie doof und es hat sich irgendwie falsch angefühlt. Also steht fest: Trotzig tun nützt auch nichts. Das Wetter  macht, wie es ihm gefällt. Doof!

Schrankalarm

In meinem Kleiderschrank wird der Aufstand geprobt! Ich habe die Sommerkleider eigentlich schon verbannt – zumindest das meiste. Und stattdessen habe ich die Kaschmir- und Wollpullis, die Langarmoberteile und die Strickjacken nach vorne geräumt. Und jeden Tag habe ich bisher den Schrank aufgemacht, hab mich auf die schönen Kuschelteile gefreut und dann haben mir wieder die zu warmen Temperaturen einen Strich durch die Rechnung gemacht.

Inzwischen ist es so weit, dass es aus meinem Schrank schimpft und tobt. Ich traue mich schon gar nicht mehr, die Schranktüre zu öffnen. Die „Kaschmir’is“ keifen mich an, dass sie endlich rauswollen weil es viel zu eng sei da drin. Die „Wolli“s“ schimpfen, dass ihnen langsam die Luft zu dünn wird da drin und die Langarmshirts verlieren vor lauter Frust schon die Farbe. Jedesmal, wenn ich an der Kaschmirbeige vorbei zu den T-Shirts greife, werde ich wieder angekeift. „Hey, so langsam wären wir mal dran, oder wie lange willst Du uns noch warten lassen?“

Ja, das frage ich mich auch. Wie lange wollen mich diese Temperaturen noch in den Wahnsinn treiben??? Aber es sieht ganz danach aus, als ob Petrus nun doch so langsam ein Einsehen hätte. Draussen bläst eine steife Bise um die Häuser und es wird kühler. Das Meteo prophezeit tatsächlich, dass die Temperaturen in den nächsten Tagen die 20-Grad-Marke nicht mehr knacken werden. Hurra! Mein Wetter ist im Anzug!!! 🙂

Ich habe mir also vorgenommen, heute mal einen der Pullis zum Einsatz kommen zu lassen. Das bedeutet zwar, dass ich Indoor schwitzen werde wie doof, weil die Häuser alle noch aufgeheizt sind … aber draussen kann ich endlich mal so ein schönes Teil ausführen. Und vielleicht ist dann auch endlich wieder Ruhe im Kleiderschrank und ich kann die T-Shirts endgültig verbannen. Schliesslich bin ich mit den Eisbären und Pinguinen verwandt – und möchte gerne auf einer Eisscholle leben. Also bitte: Alles über 20 Grad ist definitiv nicht mehr erwünscht!

Was wäre wenn …?

Ich krame in letzter Zeit häufiger mal in den Schubladen mit den alten Fotos drin. Oder ich scrolle mich auf FB durch die Erinnerungen. Und dann frage ich mich: Würde ich etwas anders machen, wenn ich die Lebenszeit zurückdrehen könnte?

Meine Antwort ist immer dieselbe: Ich würde nichts anders machen! 🙂

Stellt euch vor, man könnte zurückgehen und würde nur einen einzigen Tag verändern – das Leben würde dadruch einen völligen anderen Weg gehen. Jede Minute prägt unseren Lebensweg. Und jede Veränderung würde genau diesen Lebensweg umlenken. Hätte, würde, täte und könnte sind dabei energiefressende Attribute. Dinge, die unabwendbar sind, könnte man nämlich auch rückblickend nicht verändern.

Ich blicke zurück auf inzwischen über 51 Jahre und möchte kein einziges davon missen. Weder meine Kindheit, noch meine Jungend, noch meine Zeit als junge Erwachsene, als Ehefrau, Mutter, Freundin, Geschäftsfrau, Tochter, Schwester oder Gegnerin … nichts davon möchte ich ändern. Alle diese Dinge haben mein Leben bisher so spannend und abwechslungsreich gemacht. Und die schier unlösbaren Aufgaben haben mich wachsen lassen.

Zugegeben: Es gibt Lebensaufgaben, auf die ich gerne verzichten könnte und die mich manchmal in die Knie zwingen. Aber diese könnte ich auch nicht ändern, wenn ich nochmal von vorne anfangen könnte. Denn manche Überraschungen hält das Leben einfach ungefragt bereit, selbst wenn sie noch so beschissen sind. Man muss sie irgendwie annehmen und versuchen, damit zu leben.

Fazit: Ich würde wieder toben, wenn Mama mir die verhassten Kniestrümpfe anzieht – ich würde in der Rebellionszeit wieder die Schule schmeissen (stellt euch vor, ich wäre eine Akademikerin geworden … nicht auszuhalten, dieser Gedanke) – ich würde wieder meinen Göttergatten anhimmeln – ich würde jederzeit wieder JA zu einem Leben mit ihm sagen – ich würde wieder Mama von zwei wunderbaren Kindern – ich wäre wieder eine leidenschaftliche Schreiberin – ich würde mich wieder mit meinem kantigen Charakter sehr oft unbeliebt machen (und es ginge mir genauso am Hinterteil vorbei, wie es das heute tut) und ich hätte dieselben unersetzlichen Freunde, die ich heute habe. Und alle Fehler, die ich gemacht habe, würde ich wieder machen – denn alles andere wäre wieder eine fatale Veränderung meines Lebensweges.

Und ihr so?

Diskriminierung

Viele meiner treuen Leserinnen und Leser wissen es, die anderen erfahren es jetzt: Ich habe auf meinem Unterarm eine hübsche Weinbergschnecke tätowiert. Die Schnecke heisst Luigi und ich habe dieses Tier gewählt, weil ich es wunderschön finde und weil es für mich das perfeke Zuhause hat. Schliesslich trägt Luigi sein Zuhause immer mit sich rum. Er muss sich also weder um den Umzug kümmern, noch ein Hotelzimmer suchen … er ist eigentlich immer zu Hause.

Und nun kommt der springende Punkt. Das Tochterkind meiner Freundin hat mir heute nämlich erklärt, dass die Natur da ganz schön fies war. Sie hat die Weinbergschnecke mit dem wunderschönen Zuhause kreiert – und alle Welt findet das Tier schön. Und dann hat Mutter Natur aber auch noch die Nacktschnecke kreiert: Glitschig, nackig, gruselig und von allen gehasst. Die Weinbergschnecke ist ja sogar geschützt während  der Nacktschnecke mittels Schneckenkörnern der Kampf angesagt wird. Soweit so gut. Wäre da nicht folgende Überlegung des befreundeten Tochterkinds: Wieso wird ein Tier mit einem Zuhause geliebt, während das andere ohne Zuhause verhasst und hässlich ist? Das ist doch Diskriminierung von Obdachlosen!

Jap – mein Lacher war durch den ganzen Wald zu hören. Von dieser Seite habe ich das noch gar nicht betrachtet. Aber im weitesten Sinne ist diese Überlegung richtig. Das arme nackige Tier ohne Zuhause wird nicht nur diskriminiert, es wird sogar umgebracht. Und das hübsche und ohnehin bevorteilte Tier wird geschützt und von allen bewundert. Fast ein bisschen wie im Menschenland.

Danke liebe Oli, für den Lacher 🙂

Gefunden!!!

Nach meinem letzten Post über die Midlifecrisis und die lustigen oder unlustigen Begleiterscheinungen haben mich viele Leute lachend darauf angesprochen. Den besten Kommentar hat aber meine liebe Freundin abgegeben:

„Also, ich möcht ja auch mal sowas Irres tun, wie viele in der Midlifephase tun. Aber mich selber suchen, das wär mir dann doch zuviel. Stell Dir vor, ich finde mich!!!! Hilfe!!!! Ich möchte mir nicht begegnen – was für eine grässliche Vorstellung. Dann komme ich da ums Eck und da steh ich schon und winke mir zu. Ne!“

Man muss dazu sagen, dass die Gute diesen Monolog im Auto während des Fahrens rausgehauen hat. Und ich war die Fahrerin – auf der Autobahn – bei 120 km/h. Ich hatte Mühe, mich mit dem Lachflash noch auf die Strasse zu konzentrieren.

Und dann habe ich im Verlauf des folgenden Abends versucht, mir das bildlich vorzustellen. Ich wandere über die sieben Berge zu den sieben „Was weiss ich was“ und dann steht da … ähm … ICH??? Und ich würde mich angucken und vermutlich sagen: „Wow, bist Du alt geworden. Und weniger Kilos hattest Du auch schon auf den Rippen. Irgendwie dachte ich ja, Du sähest besser aus. Zumindest habe ich mir das immer eingebildet.“

Wenn man auf dem Weg ist, um sich selber zu finden … was genau sucht man dann da? Ich bin zu einfach gestrickt, um es zu kapieren. Und ich habe den Reaktionen meines letzten Posts entnommen, dass es offenbar den meisten Leserinnen und Lesern so geht. Ich weiss schliesslich, wo ich gerade bin und was ich gerade tue. Warum muss ich mich denn dann suchen? Oder ist diese Selbstfindung einfach ein Modewort? Jeder sagt er täte es, also macht man mal mit? Genauso schräg finde ich auch Bücher mit Titeln wie „Der Weg zum eigenen Ich“. Ist das nicht ein Pleonasmus? Ich bin doch eigen. Wie kann ich dann mein eigenes Ich suchen? Und wo geht dieser Weg entlang? Einmal um sich selber drehen und dann merken, dass ich immer noch da bin?

Fragen über Fragen – mit welchen ganz viele selbsternannte Gurus ganz viel Geld verdienen. Schliesslich findet man sich heute in teuren Thearpien mit ausführlichen Atemtechniken gemeinsam und verlässt mit den neusten Erkenntnissen über sich selber total überrascht die Therapie. Und dann wird das Ich neu erfunden, mit neuer Frisur, neuer Brille, Ernährungsumstellung und Laufschuhen.

Fazit: Meine Freundin hat recht. Ich will mir gar nicht irgendwo auf einem Berg oder einem Wanderweg selber begegnen … sonst finde ich mich womöglich ätzend und verändere mich total. Und dann kenn ich mich selber nicht mehr und muss tatsächlich auf die Suche nach mir gehen. Ne, alles viel zu kompliziert! Es ist ganz gut so, wie es ist 🙂

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