von süss bis ungeniessbar

„Du musst einfach positiv denken!“



. Das ultimative Geschäftsevent im Freien steht an, die Wetterprognose prophezeit den Weltuntergang.
. Die Hochzeit steht an und es macht sich ein Virus im Körper breit.
. Die Ernte ist reif und es kommt Hagel.
. Die Geschäfsidee ist super – der Markt gerade sehr schlecht; das Geld geht aus.
. Du bist bereit durchzustarten, da kommt eine niederschmetternde Diagnose.

Ich könnte die Liste beliebig weiterführen. Und ich kann euch nicht sagen, wie oft ich oder liebe Mitmenschen dann den Satz hören: Du MUSST EINFACH positiv denken!

Kaboom! Mein Killersatz schlechthin.

Du MUSST = Druck.
Du MUSST EINFACH = noch mehr Druck.

Es ist nicht einfach, positiv zu denken, wenn man vermeintlich das persönliche Ende der Welt vor Augen hat. Selbst für einen superresilienten Yogi ist es nicht einfach. Für Normalos wie mich schon gar nicht. Wenn man es dann noch MUSS, dann wird es richtig schwierig. Das Gehirn sendet Stresshormone …

Ich möchte hier eine Lanze brechen für alle, die so pragmatisch denkend sind wie ich und wissen, dass ihre positiven Gedanken dem Wetter ziemlich egal sind, den Kontostand keine Bohne beeinflussen oder ein Röntgenbild auch nicht ändern können. Es ist einzig der Umgang mit einer üblen Tatsache, der über einen leichteren oder schwierigeren Weg entscheidet. Und dieser Umgang muss zuerst trainiert werden. Der fällt nicht einfach vom Himmel.

Das Leben ist kein Ponyhof und Wunder dauern bekanntlich immer etwas länger. Es hilft, auf dem Weg vom Supergau zurück zum „normalen“ Leben die Lebensfreude nicht zu verlieren; vollkommen richtig. Aber es ist alles andere als EINFACH!

Wer mich also gerne triggern will, soll mir künftig wieder den Satz
„Du musst einfach positiv denken“ um die Ohren hauen. Dann bin ich raus!

Und welcher Satz triggert Dich besonders?

Die Löwin in mir

Ich bin im Sternzeichen des Löwen geboren. Allerdings glaube ich nicht so sehr an diese astrologischen Dinge. Eines weiss ich aber: Die Löwin in mir macht sich täglich bemerkbar, sei es als Ehefrau, Mutter, Tochter, Grosi, Schwester oder Freundin. Ich möchte, dass es allen um mich herum gut geht!

Ich denke oft darüber nach, wieviel Glück meine Familie und ich in den letzten Jahren hatte. Und es macht mich dankbar, weil ich weiss, dass es nicht selbstverständlich ist.

Gerade ist unsere Situation so, dass die Löwin in mir diesen einmaligen Schatz so bewahren möchte, dass er sich nicht mehr verändern kann:

Meinem Göttergatten geht es – entgegen allen Prognosen – nach wie vor gut.
Meine Eltern sind trotz fortschreitendem Alter munter und gesund.
Unsere Kinder haben sich beide zu wunderbaren Erwachsenen entwickelt.
Unsere Enkelkinder sind gesund, quirlig und wild.
Ich bin zufrieden mit dem Leben. Und sonst fahre ich die Löwenkrallen aus.

All das möchte ich Stand heute gerade sehr gerne einfrieren. Ich möchte die Situation in ein Vakuum verpacken und so beibehalten können – am liebsten für die nächsten 20 Jahre.

Ich weiss um das Glück, das wir alle gerade haben. Und gleichzeitig weiss ich aber um die Zerbrechlichkeit, die das Glück hat. Auf einmal sind es Scherben – und davor graust mir. Kennt ihr dieses Gefühl, wenn ihr nicht möchtet, dass sich etwas verändert, weil ihr wisst, dass es besser nicht werden kann?

Genau dieses Gefühl beschleicht mich gerade. Ich möchte mich weder von jemandem verabschieden müssen, noch möchte ich, dass jemand krank wird. Hätte ich also einen Wunsch frei, dann bitte gerne, dass der Status Quo beibehalten werden kann. Jetzt und für immer.

Da mein Kopf aber weiss, dass das nicht geht, geniesse ich gerade dankbar die Tatsache, dass es perfekt ist!

Arbeitsunfähig = Planlos?



Bedingt durch meine Tätigkeit als Peer für die Krebsliga habe ich öfters mit Menschen zu tun, die nicht mehr arbeitsfähig sind. Für die meisten Menschen bedeutet die Arbeitsunfähigkeit ein Schlag ins Gesicht und der Verlust der Existenzberechtigung. Alle Pläne sind von jetzt auf gleich weg und die Agenda leer. Maximal die Arzt- und Spitaltermine stehen noch im Kalender. Das zermürbt!

Warum also nicht eine Agenda anschaffen unter dem Motto:

Arbeitsunfähig, aber trotzdem am Leben!

Wer definiert, was in einer Agenda stehen darf/muss? Ah, genau: Nur der Besitzer!!!

Wer keinen „geregelten“ Tagesablauf aufgrund einer Krankheit hat, darf sich also getrost seine eigene Agenda (am besten in Papierform, weil so immer fürs Auge fassbar) auf den Tisch legen, in welcher die ganz eigenen und besonderen Termine stehen. Das können Termine sein wie:

08.00 – 3000 Schritte spazieren
09.00 – Kaffee
10.00 – Powernap
15.00 – Netflix-Film XY
17.00 – 2000 Schritte spazieren
20.00 – ein Bierchen

oder was auch immer man weiss, dass es gut zu tun wäre. JEDE-/R hat Dinge, die er mehr oder weniger gern machen muss. Und womit man sich dann belohnen möchte, weiss auch jeder selber. Warum diese Dinge also nicht aufschreiben, um dem Tag optisch eine Struktur zu geben und nicht auf ein weisses Blatt starren zu müssen. Strukturierte Tage sind energietechnisch positiver geladen, als Hängertage, weil man Abends mit einem Ziel vor Augen einschlafen kann.

Klar, ein Hängertag darf auch mal sein – nein, er MUSS sogar sein. Wenn diese aber zum Dauerzustand werden, dann fällt man aus dem Rhytmus und läuft auf einer Treppe ohne Geländer. Völlig ungesichert und haltlos.

Jeder, der einen Job hat, scheut sich nicht, auch seine Massagetermine in die Agenda zu schreiben. Das Leben mit einer Erkrankung, die einen Job verunmöglicht, bedeutet aber nicht, dass man Dauerferien hat. Eine schwerwiegende Erkrankung ist harte Arbeit, und zwar körperlich wie seelisch. Ohne geregelte Arbeitszeiten, weil 24/7 der Normalbetrieb im Leben von schwer Erkrankten ist. Es stellt sich also nicht ein Moment die Frage, ob Termine wie eine Massage, das Bierchen oder die Fusspflege in die ganz eigene Agenda gehören. SIE TUN ES !

Kleiner Tipp am Rande: Schritte fühlen sich besser an als Kilometer – man kommt schneller auf eine beachtliche Zahl und Erfolge machen stolz.

Neuer Enkelkracher

Wir wohnen in einem Quartier mit einer sehr engen und herzlichen Nachbarschaft. So kommt es auch, dass unsere Enkelkinder mit den Nachbarn aufwachsen, als ob die alle zur Familie gehören würden. Eine dieser Nachbarsmenschinnen ist gerade süsse 18 Jahre alt und damit volljährig geworden.

Dadurch, dass sie den Führerschein erworben und ihre ersten Ferien alleine verbracht hat, war das bei uns immer mal wieder Thema.

Unsere Enkeltochter hat deshalb heute sehr pragmatisch festgestellt:

„Laura ist ja jetzt 18 Jahre alt. Dann ist sie jetzt kein Kind mehr, sondern ein Mensch.“

Ehm, logisch …

Echt jetzt?

Dieses Zitat habe ich auf dem Instagram-Profil von Mirjam Hostetmann, Präsidentin der Juso und Vertreterin der Erbschaftssteuerinitiative gefunden.

Liebe Mirjam

Mit Kapitalismus bezeichnet man eine bestimmte Wirtschafts- und Gesellschaftsordnung. Angebot und Nachfrage bestimmen den Markt. Das Kapital sind nicht nur Maschinen, Anlagen, Gebäude, Bargeld oder Fahrzeuge, sondern in erster Linie die Arbeitnehmer, die mit ihrer Arbeitsstelle ihr Leben finanzieren können.

Wenn der Kapitalismus sterben soll, dann stirbt das ganze Land. Oder hast Du schon einmal von einer erfolgreichen Herzentnahme ohne Ersatz gehört?

Ich hoffe, dass Du für Deine Leistungen niemals Geld nimmst – das wäre sonst nämlich sehr inkonsequent.

Wie gut, dass gemäss Umfragen die grosse Mehrheit des Schweizer Stimmvolks eure Initiative das Klo runterspülen wird.

Wie muss man gestrickt sein, dass man derart blind durchs Leben gehen kann?

Für ein Gespräch gerne bereit!

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