Es isch emou e prächtige Teppich gsi, wo Alvaro gheisse het. Er isch us feinstem Garn knüpft gsi, het i de Farbe vom Oberot glänzt und isch im gläserne Thronsaal vomene einsame Schloss gläge. Der Alvaro het die bsungeri Gab vor Beständigkeit gha. Er het d Zit chönne überduure, ohni z verbleiche.
Direkt über ihm, inere kunstvolle Schale us Kristall, isch e zarti Blueme gwachse, wo Flora gheisse het. D Flora het d Gab vom Wandu gha. Jede Morge het si ihri Blettli neu entfaltet, ihri Gstalt veränderet und isch immer in angere, lüchtende Farbe erblüht.
Zwüsche ihne isch der Sedis gstange, e grosse, weich polsterte Sessel. Si Bezug isch es Mosaik us unzählige bunte Muschter und Farbe gsi. Der Sedis het d Gab vo der Erinnerig gha. Er het sich zwar nid bewegt, aber in sine bunte Muschter het er d Erinnerig a aues bewahrt, was jemals i de Schlossmuure passiert isch.
Langi Zit hei sich die drü nid verstande. Si si eifach z underschiedlich gsi.
Der Stolz vom Alvaro isch gränzelos gsi: „Ig bi s Fundamänt. Ich blibe für immer glich, verlässliche Perfektion.“
D Flora het doderzue gseit: „Ich bi d Bewegig. Ich wachse, tanze im Wind und bringe Läbe i dä Saal.“
Der Sedis het gmüetlich brummlet: „ Dir vergässet, was gsi isch. Wahri Grössi gseht me nur i de bunte Gschichte us der Vergangeheit, won ig i mine Polschter trage.“
Der Alvaro het sich gärgeret, wenn der Schatte vo der Flora sini Symmetrie gstört het oder wenn s bunte Muschter vom Sedis sich mit sine eigene Farbe bisse het. D Flora isch säuber glängwiilet gsi vo der ewige Sturheit vom Alvaro und de länge Gschichte vom Sedis. Jede het dänkt, sini eigeti Gab sig die wärtvoueri.
Eines Namittags het sich der Himmu überem Schloss schlagartig verdunklet. Es gwaltigs Unwätter isch übers Land zoge. Sturmböe si gäge s Schloss peitscht und fuschtgrossi Hagelchörner hei s schützende Glasdach vom Thronsaal i 1000 Stückli gschlage. Iis-chalte Räge und splitternds Glas si über die 3 Bewohner abe cho.
D Flora het im heftige Wind unkontrolliert zitteret. Ihri zarte Blättli si verhuddlet worde und s Wasser het droht, ihri Wurzle z ertränke. Ohni Schutz isch si der Natur hilflos usglieferet gsi.
Der Alvaro und der Sedis hei ihri Not gseh. Si hei gmerkt, dass mit em Stärbe vo der Flora au aui Lebändigkeit und aui neue Gschichte us em Schloss würde verschwinde.
Do isch s Unglaubliche passiert: Der Alvaro het sich mit magischer Chraft vom Bode glöst und isch obsi gschwäbt.
Der Sedis het kei Sekunde zögeret. Er isch mit schwerer, magischer Chraft direkt unger d Kristallschale vo der Flora grückt. Während der Alvaro sich wie es schützends Dach über d Flora gleit het, het sich de Sedis aus weiche Schutz drunger gstöut. Mit sine dicke, gmütliche farbig Polschter, het er s iischalte Wasser uffgsugt, sodass d Wurzle vo der Flora nid ertrinke. Zäme hei sie e unbezwingbari Feschtig bildet.
Wo s Unwätter verbizoge isch, isch d Flora zwar chli ramponiert gsi, aber sie het no gläbt.
Zum Dank het si ihri beide Retter mit ihrne Blüetestaubfäde berührt. So het sie am Alvaro und am Sedis ihre süss Duft gschänkt, wo vo do a für immer is feine Garn und die weiche Polschter izoge isch.
Ab däm Tag hei si dä Saal gmeinsam als Einheit regiert. Si hei glehrt, dass s Einte ohni das Angere unvollständig isch.
D Beständigkeit bruucht s Läbe, zum nid eitönig und längwilig wärde.
D Vergänglichkeit bruucht e sichere Haut, zum chönne erblühe.
S Läbe brucht die bunte Erinnerige, zum nie vergässe, wohär me chunnt und wär me isch.
Wo d Zit vo der Flora im Herbscht z Änd gange isch, het si ihri Sömli töif im Alvaro sim warme Gwäb hinderloo, schön ibettet im Schutz vom Sedis sim weiche, bunte Polschter.
Im nöchste Früehlig isch sie zmitts usem Härz vom Alvaro und under em Sedis sim wachsame Blick neu erwachet. Sie si jetzt für immer mitenand verwobe gsi – der ewig Teppich, der farbig Stuehl und die zarti Blueme.
Dieses Märchen ist für die Eröffnung einer Ausstellung im Schlösschen Hinterbleichenberg in Biberist geschrieben worden.
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