von süss bis ungeniessbar

Es gibt genauso viele Meinungen …

… wie es Menschen gibt.

Wann ist Trauer richtig?
Wann ist Trauer fertig?
Wie sollte Trauer aussehen?
Was darf man?
Was darf man nicht?
Was gehört sich?
Was gehört sich nicht?

Es gibt zum Thema Trauer in etwa so viele verschiedene Meinungen, wie es Menschen gibt. Und gleich vorne weg: Es gibt keine Patentlösung für die Trauer. Sie ist für jeden einzelnen Menschen anders.

Jede Geschichte, die Trauer nach sich zieht, hat eine andere Ausgangslage. Manche trauern um einen Menschen, dessen Tod absehbar und zu erwarten war. Andere trauern um jemanden, der bei einem Unfall oder ohne Vorwarnung gehen musste. Wieder andere haben die Tatsache, dass der Tod anklopfen wird, solange wie möglich von sich weggeschoben. Und noch einmal andere können selbst nach dem Tod nicht akzeptieren, dass ein geliebter Mensch nicht mehr da ist.

Zu Beginn erfahren Trauernde sehr viel Verständnis und Empathie. Nach einer gewissen Zeit geht das Verständnis oft in Erwartungen über, die nicht jeder Mensch gleich schnell erfüllen kann oder will. Es gibt kein Ablaufdatum für die Trauer. Und es gibt erst recht kein Regeln, die vorgeben, was man nun wie schnell zu bewältigen hat.

In meinem Praxisalltag erlebe ich immer wieder, dass auch zwischen Männern und Frauen offenbar in Sachen Trauer ein grosser Unterschied gemacht wird. Verliert ein Mann seine Frau, so ist das Umfeld sehr darauf bedacht, diesen Mann zu umsorgen oder sogar dafür zu sorgen, dass er nicht allzu lange alleine bleibt. Der Arme könnte sich ja im Haushalt verlieren (und das ist mit einem grossen Augenzwinkern gemeint)!
Verliert eine Frau ihren Mann, so ist nach wie vor für einen Grossteil der Gesellschaft offenbar klar, dass diese Frau nun alleine durchs Leben gehen wird. Wenn nicht, dann kann sie doch ihren Mann unmöglich geliebt haben. Und Frauen kommen schliesslich gut alleine klar (auch hier das Augenzwinkern nicht vergessen)!

Was für ein absoluter Blödsinn und welch ein Glück, dass wir aktuell mit grossen Schritten in eine fortschrittlichere Trauerkultur unterwegs sind.
Trauer beginnt nicht erst am Tag des Todes, wenn man sich aktiv damit befasst. Sie beginnt sehr viel früher. Das kann am Tag einer Diagnose sein, mit zunehmendem Alter oder mit schwindendem Denk- oder Bewegungsvermögen.

Gäbe es DEN Trauerknigge, so stünde da heute bestimmt drin:

Bunt ist genauso erlaubt wie schwarz – jeder wie er möchte.
Lachen hat immer Platz, selbst wenn gleichzeitig die Tränen laufen.
Humor hat auch in der Trauer seine Berechtigung.
Trauer und neue Glücksgefühle schliessen sich nicht aus.
Alles darf, nichts muss.

Zudem kann Trauer nicht nur im Zusammenhang mit dem Tod zuschlagen. Sie kann dies genauso bei einer Kündigung, einer Scheidung, einem Heimatwechsel oder einem herben Rückschlag im Leben tun. Wir trauern im Leben immer mal wieder – manche mehr, manche weniger. Aber wenn man sich dessen bewusst ist, dann wird der Weg einfacher.

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4 Kommentare

  1. Tamburrino Susanne

    Das ist so Trauer ist bei jedem anders, es gibt keine Regel.
    Schwer ist es sicher auch für beide ob Mann oder Frau und wie lang die Trauerzeit geht ist unterschiedlich.
    Die Person wird immer fehlen

    • modepraline

      Ja, und doch darf es auch wieder Platz für andere schöne Dinge oder Menschen geben – weil die Erde sich nämlich einfach weiter dreht!

  2. Franziska Rüegsegger

    Dies ist auch unsere Erfahrung..
    und ja eine Frau deren Mann gestorben ist, braucht genau so Unterstützung/ Entlastung
    ( auch mit den Kindern) wie ein Mann, dessen Frau gestorben ist .
    Danke für den Beitrag .

    • modepraline

      Danke für Dein Feedback – ja, wir wissen, was es braucht, auf beiden Seiten! 🙂

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