von süss bis ungeniessbar

Wie doof ist Frau eigentlich?

Es lässt sich nicht wegdiskutieren: Wir leben im 21. Jahrhundert und die Emanzipation sollte inzwischen auch im hintersten Winkel der Erde angekommen sein. Wenn ich aber die Presse genau lese, dann bin ich offenbar immer noch auf dem falschen Planeten. Ganz zu schweigen von Einladungen von Versicherungen oder Bankinstituten, welche in unseren Briefkasten flattern.

Auf dem Adresskopf steht nicht selten Herr Daniela Jäggi. Aha – Hauptsache Herr! Oder kürzlich wurde ich zu einem Vortrag eingeladen, bei welchem das Thema „Frau und Finanzen“ war. Hä? Ich habe mir vorgestellt, wie es klingen würde, wenn wir das Pendant auf der anderen Geschlechterseite veranstalten würden. „Mann und Finanzen“. Kein Mensch käme auf die Idee, darüber zu diskutieren. Mann kann das einfach – Frau offenbar nicht.

Auch der Buchhandel hat ein grosses Angebot an Nachhilfelektüre für Frauen:

Frau und Motorrad
Frau macht sich selbständig
Frauen in Führungspositionen
Frau und Auto

Vergeblich habe ich nach

Mann und Windelnwechseln
Mann und Makeup
Mann und Haarpflegeprodukte

gesucht. Also bitte: Wenn schon alte Zöpfe, dann bitte wenigstens auf beiden Seiten! Es ist derart veraltet zu meinen, dass Frauen in typisch männlichen Domänen Nachhilfe brauchen. Wir sind gleich gut ausgebildet, wir sind multitasking, wir müssen belastbarer sein (Kind und Job) und wir leiden auch unter keinen Behinderungen, nur weil uns der Zipfel fehlt! Also, nochmal für alle Zurückgebliebenen: Frauen sind tätowiert, fahren Motorrad, können ihre Finanzen selber regeln, brauchen keinen Chauffeur und schaffen es locker, auch grosse Autos in kleine Parklücken zu manövrieren. Die Zeiten der ausschliesslichen Männerdomänen sind schon lange vorbei. Sollte also noch einmal jemand auf die Idee kommen, mich zu einer Veranstaltung einzuladen, welche nach „Nachhilfe für doofe Frauen“ klingt, werde ich zuerst sauer, dann trotzig und dann kappe ich alle Verbindungen. So! Ich habe fertig!

Diskretionsabstand

Kennt ihr sie auch, die hiesigen kleinen Bankfilialen, die in etwa die Grösse einer Hundehütte haben? Bei uns gibt es von diesen noch so einige, schliesslich leben wir auf dem Land. Und da steht zwar bei der Bankfiliale an der Eingangstür ein Schild, auf welchem steht „Bitte Diskretionsabstand wahren“, es könnte aber auch genauso gut stehen, dass man draussen warten soll. Es ist in diesen Minifilialen nun einmal nicht möglich, dem Vordermann (oder der Vorderfrau) nicht im Nacken zu sitzen. Und weil wir ja ein ganz offenes Völkchen sind, haben die meisten Bankfilialen auch die Glasfronten zwischen Berater und Kunden verschwinden lassen. Alles offen, alles sehr familiär. Prima – vorausgesetzt, es kommt nicht zu peinlichen Situationen. Weiterlesen

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